Jorge Ronda – Projektleiter für Häfen

«Nie aufgeben»

Jorge Ronda

Jorge Ronda plant und baut Häfen als Projektleiter. Bei dieser Arbeit gilt es einen langen Atem zu haben. Den hat der Deutsch-Chilene und auch eine große Portion Optimismus.

Von Silvia Kählert

«Wichtig ist es, den Menschen gut zuzuhören und sie ernst zu nehmen.» Ein eher ungewöhnlicher Satz für einen Manager. Genau dies ist aber die Quintessenz von Jorge Rondas Rückblick auf sein bisheriges Arbeitsleben. Seit 20 Jahren dreht sich sein Beruf um das Thema Häfen. Kein einfaches Geschäft, wie er einräumt. Der schlanke Mann erzählt engagiert, aber auch gelassen, selbstkritisch und offen über seine Erfahrungen.

Seine Heimatstadt ist Valdivia, wo er geboren und aufgewachsen ist. Die Hafenstadt weckte in ihm sein größtes Interesse: «Schiffe haben mich schon immer fasziniert.» Außerdem prägte ihn die deutsche Herkunft seiner Urgroßeltern: Sie kamen aus Böhmen und waren um 1880 nach Concepción in Chile eingewandert.

Schüleraustausch: von Valdivia nach Korbach

Es war klar, dass der Junge die Deutsche Schule Valdivia besuchen würde. «Dort erlebte ich das Beste, was mir passieren konnte. Ich machte mit 16 Jahren einen Austausch von einem halben Jahr nach Korbach», berichtet Jorge Ronda immer noch begeistert von den schönen Monaten in Nordhessen. Genauso wie sein Bruder vorher fühlte er sich bei der Gastfamilie Rothstein mit den fast gleichaltrigen Söhnen Roland und Hans pudelwohl. Die nächstfolgende Generation beider Familien hat auch schon mit einem Austausch begonnen.

Nach der Schule zog es ihn wieder in eine Hafenstadt. In Valparaíso studierte der junge Mann an der Universidad Católica Ingeniería Civil Industrial. 1997 startete seine Karriere bei der Firma Ultramar. Fünf Jahre später erhielt er sein erstes großes Projekt: Er baute ein Operationsteam von 400 Personen am Hafen Angamos in Mejillones auf und sorgte dafür, dass sechs Monate später dieser in Betrieb genommen wurde. Für ihn und seine Frau Patricia bedeutete dies einen Umzug nach Antofagasta. «Obwohl es nicht die schönste Stadt der Welt ist, nutzten wir die Zeit, um neue Freunde kennenzulernen und Meer und Wüste zu genießen. Ich versuche immer aus jeder Situation das Beste zu machen und die Dinge positiv zu sehen.»

Ein neuer Hafen für Kohle, Eisen und Kupfer

Nach zehn Jahren Erfahrung in dieser Branche war Jorge Ronda 2007 bereit für eine neue Herausforderung. Die brasilianische Firma OMX/EBX beauftragte ihn im Ort Hacienda Castilla bei Copiapo einen neuen Hafen zu errichten. «Dort wird Kohle, Eisen und Kupfer abgebaut. Wenn nun Schiffe zum Transport bereit ständen, könnten viele Arbeitsplätze geschaffen werden.»

Nach fünf Jahren erhielt der eloquente Ingenieur nach vielen Verhandlungen mit Stadt, Marine und Umweltbehörde die Genehmigung. Dennoch konnte im Endeffekt der Hafen nicht gebaut werden. Einige Bewohner und Fischer der Gegend waren gerichtlich gegen das Powerstation-Projekt vorgegangen und hatten Recht bekommen. Als Jorge Ronda 2012 davon erfuhr, dass alles gestoppt worden war, konnte er es nicht glauben. Im Nachhinein meint er: «Die Welt und die Menschen haben sich gewandelt. Es zählt viel mehr als früher, was die Bevölkerung will und sagt.» Er habe selber durch das Projekt viel gelernt. Es gelte richtig hinzuhören und auch Kompromisse einzugehen. «Wenn man solche Projekte macht, darf man nie aufgeben und muss einen langen Atem haben», unterstreicht der Manager.

Projektleiter Jorge Ronda: Privat errichtete Häfen sind effizienter

Seit vier Jahren entwickelt er Angebote für die chilenische Firma Puertos y Logística S.A., die zu Dubai Port World-Chile (DP) gehört. Die Firma baut Häfen im Auftrag von Unternehmen. DP hat heute 80 Häfen in 40 Ländern und bewegt täglich 174.000 Container. «Vor 20 Jahre sollten die Firmen groß sein, um zu überleben. Heute soll man schnell sein. Eine zweite Chance gibt es nicht», erklärt er. Zurzeit ist der Projektleiter dabei, ein Angebot für das staatliche Unternehmen Codelco in Mejillones zu entwickeln. Jorge Ronda ist der Meinung, dass von privaten Firmen errichtete Häfen viel effizienter als staatliche sind: «Die größten Häfen in Chile werden privat betrieben. Der Staat soll Schiedsrichter und nicht Fußballspieler sein.»

Das Nadelöhr: es fehlen Straßen und Züge in Chile

In Chile ist seit 1994 die Zahl der Häfen von 22 auf heute rund 65 gestiegen. «Bei einer Küste von 4200 Kilometer spielt sich 95 Prozent unseres Handels auf dem Meer ab», stellt Jorge Ronda fest. Auch der größte Hafen nütze aber nichts, wenn es keine Infrastruktur zum Transport der Güter ins Landesinnere gebe. Daher betont der Manager: «Das ist das Nadelöhr. Es fehlen mehr Straßen und vor allem Schienen und Züge in Chile. Die Ruta 5 sollte für Privatpersonen und nicht Lastwagen da sein. Im Puerto Central in San Antonio kommen mehr als 1.000 neue Autos täglich an. Davon werden 500 nach Santiago transportiert. Wir sollten schnell etwas tun.»

Der Valdivianer spricht nicht nur über Veränderungen, er setzt sich auch persönlich ein. Seit 2008 unterstützt er die Feuerwehr von Santiago beim Katastrophenschutz, die christliche Organisation World Vision und die Deutsche Schule als Mitglied in der Fundación Federico Froebel. Seine beiden Kinder Catalina und Raimundo sind in der Deutschen Schule. Da auch seine Frau zuhause deutsch spricht, war Jorge Ronda bei dem Deutschlandbesuch der ganzen Familie vor zwei Jahren enttäuscht über seine schweigsamen Kinder. Dieses Mal wurde seine Geduld belohnt: «Urplötzlich begannen alle zwei am dritten Tag fließend Deutsch zu sprechen.»

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