Johanna Sternberg – stellvertretende Geschäftsführerin der AHK Chile

Karriere im Handumdrehen

Johanna Sternberg
Johanna Sternberg

 

Das Glück ist mit den Tüchtigen, heißt es. Wenn das auf jemanden zutrifft, dann ist es Johanna Sternberg: Vom Praktikum bis zur Bereichsleitung hat sie eineinhalb Jahre gebraucht. Vor Kurzem ist sie zudem zur stellvertretenden Geschäftsführerin der Deutsch-Chilenischen Industrie- und Handelskammer AHK Chile (Camchal) avanciert.

 

Von Petra Wilken

Im Oktober 2013 kam die Deutsche nach Chile, um ein Praktikum für ihr Masterstudium zu absolvieren. Dass sich nach dem halben Jahr als Praktikantin an der AHK Chile eine feste Anstellung ergeben würde, damit hatte sie nicht unbedingt gerechnet. Noch weniger damit, dass sie in gut vier Jahren neben der langjährigen Hauptgeschäftsführerin Cornelia Sonnenberg die Zweite an Bord der größten bi-nationalen Handelskammer Chiles sein würde.

 

Ein Nordlicht mit Vorliebe für Sprachen

Johanna Sternberg wurde 1982 in Hamburg geboren. Auch ihre Eltern waren beide echte Nordlichter, wie sie sagt. Mit dem Ausland habe sie eigentlich ursprünglich nicht viel zu tun gehabt, außer einer Tante in Paris und einer Vorliebe für Sprachen. Nach dem Abitur verbrachte sie ein halbes Jahr in Frankreich und machte dann eine zweijährige Ausbildung zur Europasekretärin am Europe Business College in Hamburg.

Anschließend arbeitete sie zwei Jahre lang in Hamburg bei einem Unternehmen für Container-Leasing. Danach ging sie in den Süden Deutschlands an die Universität Passau, wo sie Internationale Kulturwirtschaft studierte. Das Studium verbindet wirtschaftswissenschaftliche Kenntnisse mit zwei angewandten Fremdsprachen und einem kulturwissenschaftlichen Schwerpunkt.

 

Eine denkwürdige Reise nach Chile

Im Februar 2010 kam sie für ein Auslandssemester an der Universidad del Desarrollo UDD nach Chile. Es war eine denkwürdige Reise, denn kurz vor Abflug in Frankfurt wurde sie darüber informiert, dass es in Chile soeben ein Erdbeben der Stärke 8,8 auf der Richterskala gegeben hatte. Ihr Flug wurde um eine Woche verschoben. «Ich war total erstaunt, dass alles so gut organisiert war. Innerhalb so kurzer Zeit wurde alles provisorisch auf die Beine gestellt, trotz der Tragödie», erzählt sie.

Ihr guter Eindruck von Chile sollte sich fortsetzen: An der Uni lernte sie ihren heutigen Mann kennen, einen Chilenen. Drei Jahre besuchten sie sich gegenseitig, so oft es ging, bis Johanna Sternberg 2013 kam, um ihren Master mit einem Praktikum in Santiago abzuschließen. Dass sie so lange bleiben würde, wusste sie noch nicht. «Ich bin mit drei Koffern gekommen. Kein Container. Bis heute habe ich keine meiner Sachen vermisst.»

Nach ihrem Praktikum hatte sie das Glück, dass die Stelle des Projektmanagers Industrie frei wurde, den sie mehrere Monate lang ausübte. Dann wechselte die langjährige Bereichsleiterin Kommerzielle Dienste, Antje Wandelt, als Hauptgeschäftsführerin der deutsch-peruanischen Handelskammer nach Lima. Johanna Sternberg hatte das Glück, unter allen Bewerbern für die Nachfolge ausgewählt zu werden. Wie das Sprichwort sagt, Glück kommt nicht unbedingt von allein. Der Erfolg der deutsch-chilenischen Handelskammer basiert zu einem Großteil auf dem überdurchschnittlichen Einsatz, der Innovationsfreudigkeit und dem Kompromiss ihrer 35 bis 40 Mitarbeiter, beziehungsweise Mitarbeiterinnen, denn etwa 80 Prozent der Beschäftigten sind Frauen.

 

Arbeiten bei der AHK Chile

Auf die Frage, was ihr an der Kammerarbeit am meisten Spaß macht, hat Johanna Sternberg viele Antworten parat: Die Begleitung von Delegationsteilnehmern, die Zusammenarbeit mit dem weltweiten Kammernetz, die Teamführung fallen ihr als Erstes ein. In ihrem Team kommerzieller Dienste arbeiten rund zehn Mitarbeiter, fast ausschließlich junge Leute aus Deutschland mit einer ähnlichen Lebenssituation wie der ihrigen: Berufseinsteiger mit chilenischen Lebenspartnern.

«Das Management in Chile ist ja noch sehr hierarchisch geprägt. Mir gefällt es, dass die Leute bei uns eigenverantwortlich für ihren Bereich sind. Sie machen Vorschläge und bringen neue Ideen ein. Es macht mir Spaß, für ein gutes Arbeitsklima zu sorgen. Das klappt ganz gut.»

Neben Teamführung liegt ihr aber auch so etwas weniger Populäres wie Prozessverbesserung. Auch beim Umstrukturieren und der Effizienzsteigerung ist sie in ihrem Element. Aber auch den Messebereich findet sie spannend. «Ich sehe da viel Potenzial. Chilenische Firmen, die nicht nur nach Deutschland gehen, um auszustellen, sondern auch nach Asien oder in andere lateinamerikanische Länder, für die wir die Repräsentanz der Messegesellschaften haben. Zum Beispiel im Service-, aber auch im Logistikbereich und der Kreativwirtschaft ist Chile im Kommen.»

 

«Es gibt immer etwas Neues. So wird es nie langweilig»

Die Vielseitigkeit der Arbeit in der Kammer kommt der Vorstellung der 35-Jährigen von einer idealen Arbeit sehr nahe. «Es gibt immer etwas Neues. So wird es nie langweilig», findet sie. So war in den vergangenen Jahren zudem für mehrere Projekte zum Gesetz für erweiterte Produzentenverantwortung und Recycling zuständig, mit denen die Bundesministerien für Umwelt (BMBU) und für Wirtschaft und Energie (BMWi) die AHK Chile beauftragt hatte. Dabei ging es darum, hiesige und deutsche Akteure zusammenzubringen, um Lösungen für die chilenische Abfallwirtschaft und Ansätze für eine Kreislaufwirtschaft zu erarbeiten. «Beim Trend zu grüner Lebensweise und mehr Nachhaltigkeit kann sich Deutschland noch mehr in Chile positionieren», ist sie sicher.

Für Freizeitaktivitäten hat sich Johanna Sternberg bei ihrer Blitzkarriere in den vergangenen vier Jahren eher wenig Zeit genommen. Früher spielte sie Klavier und Gitarre und sang im Chor. Im Moment reicht die Freizeit zumindest noch für eine andere große Leidenschaft: Science-Fiction-Filme und Serien. «Zudem esse ich gerne. Neue Restaurants auszuprobieren ist ein Hobby von mir.» Ohne Rücksicht auf politische Korrektheit gesteht sie, dass sie auch chilenisches Fastfood klasse findet.

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