«Ich hatte immer den Wunsch, im Ausland zu arbeiten»

Die Firma Doka ist ein großes österreichisches Unternehmen, das sich auf Betonverschalungen spezialisiert hat. «Das sind die Gussformen für Beton», erläutert Thomas Trauttenberg, seit 2011 Geschäftsführer der Niederlassung in Chile. «Jedes Gebäude, jede Brücke, jeder Tunnel, jegliche Bauwerkart, die Ortbeton benötigen, also Beton, der flüssig auf die Baustelle kommt und dort in Formen gegossen werden soll, benötigt Schalung».

4110_p14

Auf dem Gebiet der Schlaung ist Doka einer der Weltmarktführer. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts aus einem Sägewerk hervorgegangen, erhielt der Betrieb 1954 den ersten größeren Auftrag: das Donaukraftwerk Ybbs-Persenbeug. Heute beschäftigt Doka weltweit über 5800 Mitarbeiter in über 70 Ländern mit über 130 Standorten.
Trauttenberg begann 2005 bei der Doka-Zentrale in Österreich in der Produktionsabteilung: «Ich hatte immer schon den Wunsch, im Ausland zu arbeiten, was nicht ging, weil im Ausland alles Vertriebsstandorte sind», erzählt er. Also wechselte er zum Vertrieb. Daraufhin wurde er 2008 zunächst nach Panama entsendet, wo er eine neue Filiale gründete und aufbaute. 3,5 Jahre später kam die Anfrage, ob ihn die Leitung der Doka-Gesellschaft in Chile interessieren würde. «Ich habe zugesagt, und so bin ich nach Chile gewandert», meint Trauttenberg dazu.
Gegenwärtig ist die Erweiterung der Minera Escondida das größte inländische Projekt der Doka. In Santiago und einigen anderen Städten betreut das Unternehmen etliche Gebäude. «Wir sind kurz davor, hoffentlich ein Krankenhaus abzuschließen, die Clínica Cruz Blanca in Santiago», erläutert er. «Im Moment ist der Markt etwas angespannt, die Situation ist nicht mehr so luxuriös, wie sie noch vor einem Jahr war, aber es gibt noch genug zu tun, nur muss man sich natürlich jetzt etwas mehr anstrengen».
Kürzlich hat Trauttenbergs Optimismus wieder zugenommen, nachdem einige große Projekte in verschiedenen Regionen des Landes bekannt geworden sind. Er weist darauf hin, dass «die Regierung jetzt einen Plan abgesegnet hat, um auch Projekte im Infrastrukturbereich vorzuziehen. Das dauert wahrscheinlich noch zwölf Monate, bis wir das spüren werden. Mit vielen Kunden, die im Wohnbaubereich tätig sind, haben wir einen sehr guten Kontakt. Sie meinen, sie werden nächstes Jahr zwar nicht wachsen, aber sie werden zumindest etwa dasselbe bauen wie in diesem Jahr, das heißt, sie haben ihre Projekte gesichert».

Konkurrenzdruck wird stärker
Insofern ist Trauttenbergs Optimismus nicht unbegründet, obwohl «der Konkurrenzdruck stärker werden wird, aber es wird möglich sein, nach wie vor in Chile gute Geschäfte zu machen».
Thomas Trauttenberg wurde in Deutschland geboren: Er kam in Oldenburg zur Welt. Seine Mutter ist Deutsche «und sie ist hinaufgereist, um mich zu bekommen und nach einem halben Jahr sind wir zurück nach Österreich gefahren. Ich habe aber einen sehr engen Bezug zu Deutschland», betont er, «weil meine halbe Familie mütterlicherseits dort lebt». Er wuchs im Salzkammergut auf, besuchte dort die Schule und machte sein Abitur. Danach «bin ich mit 18 zum österreichischen Militär eingerückt, wie sich’s gehört, und habe meinen freiwilligen Dienst abgeleistet».
Später ging er nach Wien, um an der Technischen Universität Wirtschaftsingenieurwesen-Maschinenbau zu studieren. Mit dieser Ausbildung fand er eine Laufbahn, «die vielseitig und nicht nur techniklastig ist. Der Mix Technik, Maschinenbau und Wirtschaft ist aus meiner Sicht heute noch eine der besten Studien, die man machen kann, weil man für Industrie-Jobs einen guten Einblick in viele Bereiche bekommt, eben technisches Know-how zusammen mit wirtschaftlichem Verständnis. Das ist eine gute Basis, um sich in der Industrie bewähren zu können und für mich hat sich das auch so bewerkstelligt».
Während des Studiums machte Trauttenberg zahlreiche Praktika in der Automobilindustrie, speziell bei Audi und einigen österreichischen Zulieferanten. Sein Ziel war damals, in die Automobilindustrie einzutreten, «aber die Wirtschaftslage war 2004 in der Automobilbranche nicht so gut. Wie ich mit dem Studium fertiggeworden bin gab es dort keine passenden Möglichkeiten und somit bin ich zur Doka gegangen».

Karriere beim ersten Arbeitgeber
Den Schritt hat er nie bereut: «Die Doka war mein erster Arbeitgeber und bei ihr habe ich meine Karriere gemacht.» Den Eintritt in das große Unternehmen beschreibt er in bescheidenem Ton als «ganz normal: Zeitungsannonce, Bewerbung, Bewerbungsgespräch, Handschlag, Vertrag».
Was den multinationalen Betrieb vom Produkt her auszeichnet, ist laut Thomas Trauttenberg «Schalung, was die Menschen oft mit Schalldämpfung verwechseln. Unser Produkt ist nicht sehr bekannt, weil es keine Enduser hat, sowie wir es vom Supermarkt her kennen, wo man Milch und Butter kaufen kann. Es ist ein Produkt, das die Bauindustrie benötigt, um Bauen zu können – ohne uns geht’s nicht. Wir sind aber im Bauvorhaben vom Investitionsvolumen her immer das kleinste.t. Dafür sind wir aber ausschlaggebend für die Schnelligkeitder Baustelle, und daher ist unser Produkt auch dahingehend entwickelt worden. Wenn jemand wirklich schnell und arbeitskrafteffizienter bauen möchte, dann verwendet er unsere Produkte.»
Doka ist seit 2007 in Chile präsent. «Das erste Bauvorhaben war für uns das Costanera Center», erinnert sich Trauttenberg, «der Hauptturm hatte eine lange Zeit eine gelbe Krone , das war ein Schutzsystem von uns. Der komplette Turm ist, einschließlich der Tiefgarage, mit unserer Schalung gebaut worden». Als Thomas Trauttenberg nach Chile kam, «hatten wir knapp 45 Mitarbeiter. Die Zahl haben wir inzwischen mehr als verdoppelt – wir sind über 100».
Doka hat heute drei Standorte im Land. Außer der Zentrale in Santiago hat sie eine Niederlassung in Antofagasta und ein Vertriebsbüro in Concepción: «In Santiago haben wir in neue Büro- und Lagerräumlichkeiten investiert, drei Hektar Land gekauft und dort eine Niederlassung modernster Art hingestellt, mit allen Mitteln und technischen Ausstattungen, die heute notwendig sind, um Baufirmen effizient unter die Arme greifen zu können».
In seiner Freizeit beschäftigt sich Thomas Trauttenberg in allererster Linie mit seiner Familie. Er ist verheiratet und hat vier Kinder, die zwischen sechs Jahre und zwei Monate alt sind, «die nehmen einen ziemlich ein, was mir aber viel Freude macht», gesteht er, «die Familie ist somit meine Hauptbeschäftigung». Ansonsten spielt er gerne Tennis und Fußball oder fährt als guter Österreicher mit Begeisterung Ski. In seinen Mußestunden widmet er sich auch der Literatur und der Musik, «obwohl ich ein langsamer Leser bin und lange brauche, bis ich ein Buch beendet habe».
Auf die Frage, wo er sich in 25 Jahren sieht, antwortet er überraschend rapide, ohne lange überlegen zu müssen: «Ich hoffe, dass ich zunächst einmal in 25 Jahren gesund bin und eine ebenfalls gesunde, stabile Familie habe!» Thomas Trauttenberg stellt sich vor, dass er zu dem Zeitpunkt wieder in Europa weilen wird, «und da am besten in Österreich, aber das hängt natürlich alles davon ab, wie sich die Wirtschaft in Zukunft entwickelt. Die Kinder werden dann schon erwachsen sein und hoffentlich schon einen Job haben.»

Walter Krumbach

 

Foto: Walter Krumbach

Print Friendly, PDF & Email

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*