Rechtsanwalt Gerardo Hüne: Die Natur ruft

 

Gerardo Hüne
Gerardo Hüne

 

Er leitet die Rechtsabteilung der Firma Ultranav. Ein verantwortungsvoller Posten, handelt es sich doch um ein Unternehmen, das mit zahlreichen Partnern weltweit im Geschäft ist. Gerardo Hüne muss dabei die rechtlichen Risiken im Griff haben, was bedeutet, dass eine Unmenge von Dokumenten über seinen Schreibtisch geht, die sorgfältig bearbeitet werden müssen.

 

Von Walter Krumbach

Die Rechtsabteilung beteiligt sich aktiv bei der Ausarbeitung der anfallenden Projekte, sorgt dafür, dass sie sich ordnungsgemäß entwickeln, um dabei die vertraglichen Rückhalte, die mit den neuen Gesellschaften, die in dem Vorgang entstehen, auszuarbeiten. Zusätzlich muss sie auf Wunsch jederzeit Unterlagen bereitstellen können, die andere Abteilungen der Firma anfordern könnten: «Es fällt viel Arbeit an, bei der wir eine Art Unternehmenssekretariat sind.»

Damit nicht genug, überprüft er ständig, dass sämtliche Auftritte auf die traditionelle Vorgehensweise der Firma ausgerichtet sind, wobei die Geschäftsethik eine besonders große Rolle spielt.

Gerardo Hüne unterteilt den Aufgabenbereich seiner Abteilung in vier Säulen: Zunächst ist die Unterstützung des Geschäfts, also der kaufmännischen Sache, von Bedeutung. Dann ist da die Handhabung der Unternehmensdokumentation, drittens die Compliance-Überwachung (Compliance=die Einhaltung von Verhaltensmaßregeln, Gesetzen und Richtlinien durch Unternehmen) und schließlich müssen die verschiedenen Möglichkeiten und Zufälle, die anfallen könnten, beaufsichtigt werden.

 

Ordnung muss sein

Sein besonderes Augenmerk gilt den vielen Details, «die einem nicht entgehen sollten, und außerdem ist es nötig, den gesamten Informationsfluss mit der größtmöglichen Ordnung zu verwalten», was zwei Etappen ausmacht: «Die Dinge müssen nicht nur geordnet, sondern auch jederzeit auffindbar sein.» Dazu kommt eine ständige Koordinierungsarbeit mit anderen Abteilungen, die bei einem Unternehmen der Größenordnung von Ultranav eine besondere Herausforderung ausmachen, weil etliche Einheiten nicht in Chile, sondern im Ausland beheimatet sind.

Wenn zum Beispiel ein unerforschtes Land ins Visier genommen wird, um dort mit neuen Partnern zusammen zu arbeiten, wird zunächst eine Geschäftsanalyse durchgeführt. Unmittelbar danach treten Hüne und seine Mitarbeiter mit einem Anwaltsbüro jener Zone in Kontakt, um die Bedingungen unter die Lupe zu nehmen, unter denen auf dem neuen Markt aufzutreten ist.

Den Akzent setzt die Rechtsabteilung somit auf die Vorbeugung: «Unsere Arbeit ist präventiv, damit idealerweise nichts daneben geht.»

Gerardo Hüne arbeitet seit knapp zehn Jahren für Ultranav, nachdem er an der Universität Hamburg einen postgraduierten Abschluss über Ökonomische Analyse des Rechts bestanden hatte. Nach seiner Rückkehr befand sich die Strafprozessreform im Anfangsstadium. Er arbeitete eine Zeit als Staatsanwalt und sah sich bald nach anderen Alternativen um. So fand er eine Ausschreibung der Ultranav im Internet und bewarb sich erfolgreich.

Gerardo Hüne wurde in Los Ángeles geboren. In der Heimatstadt besuchte er die Deutsche Schule: «Ich gehöre zu der ersten Klasse, die damals bis zum IV Medio kam.» Es war die Zeit, als die dortige deutsche Gemeinschaft erfolgreich eine intensive Kraftanstrengung durchzog, um die Schule zu vergrößern. Die Mühe hat sich gelohnt, wie man heute weiß, denn die Schülernachfrage hat nicht nachgelassen.

Gerardos liebste Fächer waren die Geisteswissenschaften und Geschichte, was sich mit der Zeit und dem Heranreifen für sein Interesse am Jurastudium kundtat. Dazu ist sein Vater Rechtsanwalt, weshalb eine gewisse erbliche «Vorbelastung» in seiner Vorliebe für diesen Beruf nicht zu leugnen ist. Nachdem er das Studium an der Universidad de Concepción begonnen hatte, fand er seine Neigung bestätigt: «Das Studium ist interessanter als die Arbeit des Rechtsanwalts», lacht er. Nach einer Überlegungspause begründet er den Gedanken: «Während des Studiums fliegt die Seele höher und man befasst sich mit umfassenderen Dingen als bei der Arbeit.»

 

Mit dem Fahrrad zur Arbeit

Gerardo Hüne ist verheiratet und hat drei Kinder. Seine Frau stammt aus Griechenland. Er lernte sie während seines Deutschlandaufenthalts kennen, als sie, ebenso wie er, einem Studium nachging. Die Freizeitgestaltung bestimmen seine Zwillinge, die zurzeit anderthalb Jahre alt sind.

Ansonsten ist er ein leidenschaftlicher Fahrradfahrer. Er verwendet das Rad nicht nur, um sich sportlich zu betätigen, sondern auch, um zur Arbeit zu fahren. Das sind jedes Mal 15 Minuten, was etwa eine Stunde täglich ausmacht, da er auch zur Mittagspause nach Hause radelt.

Seine große Vorliebe gilt der Natur, die er so oft wie möglich aufsucht. Es ist bezeichnend, dass jemand wie Gerardo Hüne, der inmitten der Natur aufgewachsen ist und aufgrund seines Berufes in einer Großstadt leben muss, die Tier- und Pflanzenwelt vermisst. «Allerdings können wir täglich die Natur genießen, indem wir in den Hausgarten gehen», versichert er. Die Familie hat nämlich das für Großstädter seltene Glück, nicht in einer Wohnung, sondern in einem Haus mit Garten zu leben.

Von der Naturidylle daheim geht es dann zweimal am Tag zur Arbeit. Gerardo Hüne bindet sich die Krawatte um, schnallt den Helm fest und steigt auf das Rad. Er setzt, wie so oft, eine heitere Miene auf und meint: «Dabei muss man besonders aufpassen, dass der Hosensaum nicht zwischen die Kette gerät!»

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