Franz Schulte

4127_p16_1Franz Schulte (64) wuchs im Münsterland (Westfalen) auf. Mit Anfang 20 zog es ihn ins damalige West-Berlin, auch motiviert durch die 68er Bewegung. Dort studierte er Soziologie und Lateinamerikanistik an der Freien Universität. Exilanten aus Chile weckten sein Interesse an diesem Land.
Seine Diplomarbeit analysierte die sozio-ökonomischen Auswirkungen des Tourismus in Entwicklungsländern. Bei Reiseveranstaltern arbeitete sich Franz Schulte danach in die Praxis der Tourismusbranche ein. In den USA vertiefte er seine Kenntnisse durch ein Master-Studium der Tourismusplanung an der George Washington University in Washington D.C. und lernte danach die amerikanische Unternehmenskultur kennen.
Ab 1996 konnte Franz Schulte bei seinem ersten Einsatz als Entwicklungshelfer des Deutschen Entwicklungsdienstes (DED) in Chile sein Interesse an Themen der gesellschaftlichen Entwicklung und dem Tourismus als Entwicklungsfaktor in die Beratungspraxis bei Gemeindeverbänden und Regionalbehörden einbringen. Weitere Stationen waren Aufenthalte in Zentralamerika, eine sechsjährige Tätigkeit an der Universidad Austral de Chile in Valdivia sowie eine mehrjährige Beratertätigkeit in Ghana/Westafrika.
Franz Schulte lebt mittlerweile mit seiner chilenischen Frau Julieta und ein paar Haustieren auf dem Land nahe Pucón, wo auf einem bezaubernden Grundstück mit Fluss, Vulkansicht und viel Natur, umgeben von Thermen und Nationalparks, auch ein kleines Gästehäuschen zur Verfügung steht.


1. Was wollten Sie als Kind werden?
Förster, das wirkte romantisch und bodenständig zugleich.

2. Wenn Sie wieder auf die Welt kämen, würden Sie den gleichen Beruf ergreifen?
Nein, lieber Schiffbauer/Kapitän, auch wegen der Romantik, aber nicht mehr bodenständig, sondern Fernweh- und Abenteuer- gesteuert.

3. Wer war und ist Ihr Vorbild?
Keine einzelne Person, sondern Menschen, die Mut haben, Risiken für die Gemeinschaft auf sich zu nehmen und damit die Zivilisation weiterzuentwickeln, wie Ghandi, Mandela, Gorbatschow oder auch Edward Snowden und viele namenlose. Allerdings ist es schwierig, solchen Vorbildern im Handeln nahe zu kommen, aber sie können inspirieren.

4. Wofür sind Sie Ihren Eltern dankbar?
Meine Mutter hat mir und meinen Geschwistern einen Sinn für soziale Gerechtigkeit vermittelt, mein Vater ist dem Prinzip gefolgt keine oder nur abgesicherte Schulden zu machen, das heißt nur zu kaufen, was man sich leisten kann. Das hat mir geholfen, die Versuchungen des bargeldlosen Zeitalters weitgehend unter Kontrolle zu halten.

5. Was war Ihr schlechtestes Schulfach?
Chemie, so was Abstraktes muss man jungen Menschen anders vermitteln.

6. Was macht Sie glücklich?
Wenn ein Martin Pescador (Eisvogel) auf einem der Bäume an «unserem» Fluss Station macht, aufgeregt schnattert und sich sorglos beobachten lässt.

7. Was macht Ihnen Angst?
Der gegenwärtige Zustand der Welt beziehungsweise die Irrationalität, die diesem zugrunde liegt.

8. Worauf könnten Sie verzichten?
Reality – und Talent-Shows

9. Was ist Ihnen peinlich?
Wenn ich typisch deutsche Seiten, die ich nicht wirklich mag, an mir selbst beobachte. Beispiel: Wehe, wenn sich in der Warteschlange jemand vorzudrängen versucht – da kein Chilene protestiert, muss ich es ja tun! Oder reklamieren im Allgemeinen, das ist auch meiner Frau oft peinlich.

10. Wen beneiden Sie?
Niemanden

11. Mit wem würden Sie nie tauschen wollen?
Mit sehr jungen Menschen. Meine eigene Zukunft ist gewisser!

12. Wen würden Sie gerne einmal treffen?
Francisco Vidal, den ich als unterhaltsamsten und lustigsten Politiker schätze, oder MEO, um seine komplizierten Visionen besser verstehen zu können.

13. Was würden Sie niemals tun?
Bungee Jumping, Fallschirmspringen, Drahtseilakte und ähnliches ..

14. Was regt Sie auf?
Ich rege mich generell über die Politik auf, aber auch wenn Borussia Dortmund unglücklich verliert!

15. Was ertragen Sie mit Humor?
Dass ich nach vielen Jahren im Land den chilenischen Humor noch immer nicht verstehe, außer bei Kramer, wo das Mimische im Vordergrund steht.

16. Über welche eigenen Schwächen ärgern Sie sich?
Wenn ich mein hausgemachtes Fitnessprogramm vernachlässige.

17. Weshalb würden Sie nie aus Chile auswandern?
Nach vielen Jahren im Ausland schneidet Chile im Vergleich sehr gut ab. Es ist, trotz gelegentlichem «Fremdeln», Heimat geworden. Der Ort an dem wir leben, ist unersetzlich.

18. Wenn Sie einen Tag Präsident wären, was würden Sie ändern?
Ich würde die Privatisierung der natürlichen Wasserressourcen per Sonderdekret rückgängig machen und danach in Deckung gehen.

19. Was sollten die Chilenen ernster nehmen?
Den Schutz ihrer wunderschönen Natur und Landschaften, ein Dauer-Kapital, welches als solches kaum wahrgenommen, sondern eher opportunistisch verbraucht wird.

20. Welches Buch lesen Sie gerade?Zur Zeit auf dem Nachttisch Sachbücher: Gavin Menzies «1421 – als China die Welt entdeckte», eine überzeugende Beweisführung dafür, dass die Chinesen schon vor Columbus an den Küsten Amerikas (Süd und Nord) gelandet waren. Peter Scholl Latour: «Die Welt aus den Fugen», den zum Teil unbequemen, aber fundierten Betrachtungen des Autors hätte man in der Politik gerne etwas mehr Aufmerksamkeit schenken können. Umberto Eco: «Die Insel des vorigen Tages», historischer Roman. Krimi: Claudia Piñeiro: «Betibú».

21. Was ist Ihr Lieblingsgericht?
Kartoffelpuffer mit Apfelkompott, möglichst auf Schwarzbrot wie bei meiner Oma, im Kartoffelland Chile leider weithin unbekannt (aber nur einmal im Monat wegen der Kalorien!).

22. Was machen Sie am liebsten in Ihrer Freizeit?
Auf unserer kleinen Granja gibt es immer etwas zu tun, ansonsten Fahrrad fahren, Kurzreisen, im Sommer auch die Hängematte, Grillen, Lesen etc. kommen nicht zu kurz.

23. Bei welchem Film haben Sie geweint?
«Dr. Schiwago», vor annähernd 50 Jahren.

24. Welchen Frauentyp finden Sie anziehend?
Mediterran

25. Wem wollten Sie schon lange ein Kompliment machen?
Ich würde Nicolás Eyzaguirre ein Kompliment dafür machen, die komplexe und politisch ristkante Bildungsreform auf sich genommen zu haben.

26. Was sollte Ihnen später einmal nachgesagt werden?
Korrekt gelebt zu haben

27. Wie lautet Ihr Lebensmotto?
Alles im Leben ist relativ, Glück ist meistens von kurzer Dauer, das Leid anderer ist oft größer als das eigene, Gelassenheit gegenüber dem Unvermeidlichen.

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