Film, Theater und Immobilien

Der Langspielfilm «Sieben Jahre in Tibet» von Jean-Jacques Annaud basiert auf einer wahren Begebenheit: Der österreichische Bergsteiger Heinrich Harrer (Brad Pitt) fährt Ende der 1930er Jahre in den Himalaya, um den Nanga Parbat zu besteigen. Seine schwangere Frau ist von der Reise gar nicht erbaut. Sie hat großen Kummer, weil das Kind in Abwesenheit seines Vaters auf die Welt kommen wird. Harrer beauftragt seinen Freund Horst Immendorf, sich während seiner Abwesenheit um Ingrid zu kümmern.

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Texto foto: Gerardo Ebert: «Charakterrollen liegen mir sehr, weil man die innerlich ausspielen muss.» Foto: Walter Krumbach

Ingrid Harrer reicht während der kriegsbedingten verlängerten Abwesenheit ihres Mannes die Scheidung ein und Immendorf nimmt sich seinen Beschützer-Auftrag so zu Herzen, dass er Ingrid heiratet.

Die Rolle des Horst Immendorf spielte Gerardo Ebert. Er bekam sie «durch Zufall», wie er meint. Ebert war gerade damit beschäftigt, von Argentinien nach Chile überzusiedeln, als ein Freund aus Buenos Aires, der in der Filmbranche arbeitete, ihn anrief, um ihm nahezulegen, sich zu bewerben. Gerardo Ebert reiste kurz entschlossen nach Uspallata, wo in den argentinischen Voranden die Dreharbeiten bereits begonnen hatten. Im Gran Hotel sprach er bei dem Regisseur Jean Jacques Annaud vor: «Ein toller Regisseur», ruft Ebert bewundernd aus, «das Interview dauerte kaum drei Minuten. Er hat mich einige Dinge gefragt und daraufhin nix weiter gesagt. Ich war platt. Am nächsten Tag wurde mir dann mitgeteilt, dass ich die Rolle bekommen hatte».

Zehn Tage dauerten die Aufnahmen, an denen Ebert teilnahm. Danach hatte er abermals Gelegenheit, mit Annaud zu sprechen, der ihm nun sagte: «Es war eigentlich ein Risiko für mich, einen nicht professionellen Schauspieler zu engagieren, aber ich bin sehr zufrieden, weil Du eine sehr gute Arbeit geleistet hast. Ich habe keine Szene wegen Dir wiederholen müssen. Du bist ein talentierter Mann!»

Die spontane Meinung des berühmten Filmemachers beeindruckte Ebert tief. Dieser gute Kontakt hätte Ebert wahrscheinlich weitere Filmrollen beschert, «aber damals war mir klar, dass ich mich auf meine neue Stellung in Chile konzentrieren musste. Ob es das Rechte war oder nicht, weiß ich nicht. Jedenfalls war es ein sehr schönes Erlebnis», schmunzelt er.

 

Debüt als Räuber

Gerardo Ebert wurde in Buenos Aires geboren. Als er drei Jahre alt war, zog die Familie nach Santiago. Der Vater arbeitete in der Lederindustrie. Diese Branche war damals in Chile nicht bedeutend, weshalb er sich eine Möglichkeit der beruflichen Entwicklung erhoffte. Er baute eine Gerberei auf und blieb mit seiner Familie zehn Jahre im Land. Gerardo besuchte die Deutsche Schule an der Straße Lota und später die neue Schule an der Kennedy. Die Oberstufe machte er an der Goethe-Schule in Buenos Aires und danach studierte er an der Staatlichen Universität Argentiniens Betriebswirtschaftslehre.

Seine künstlerische Ader entdeckte er in der Schule: «Man hat mich aufgefordert, bei der „Dreigroschenoper“ mitzuspielen». Gerardo übernahm eine Räuber-Rolle, was ihm einen Heidenspaß machte. Während seiner Berufsausbildung machte er zwei Jahre einen Theaterkursus mit Carlos Gandolfo, einem renommierten argentinischen Regisseur, womit er seine Kenntnisse der Schauspielkunst vervollkommnete.

Nach seinem Universitätsabschluss ging er für fünf Jahre nach Deutschland und ließ sich danach in Chile nieder, wo er die guten Bekanntschaften aus der Kindheit auffrischte: «Die Kindheit prägt», stellt er fest, «und deswegen hatte ich immer einen guten Draht zu Chile. Ich sah hier eine gute Zukunft für mich, was sich später dann auch bestätigt hat».

Seit 1995 lebt Gerardo Ebert in Chile. Er nahm zunächst eine Stellung bei Transoceánica ein, wo er die Wirtschaftsabteilung der Puyehue-Thermalbäder betreute. «Es war eine sehr schöne Zeit», erinnert er sich, «wir haben damals die Struktur optimiert und die Zusammenarbeit mit den Agenturen angekurbelt».

Danach übernahm er die Geschäftsleitung des Hotels Rugendas in Santiago sowie des Gran Hotel Pucón: «Das war meine letzte Anstellung», präzisiert er, «danach begann ich, auf eigenem Fuß Beratungen im Bereich Dienstleistungen zu machen».

Seit 2008 ist Gerardo Ebert Immobilienmakler. Er betreibt eine eigene Agentur, die Häuser und Appartements zum Verkauf sowie zur Vermietung anbietet. «Ich bin gerade dabei, eine neue Nische zu öffnen», verrät er, «es gibt einen Markt für anspruchsvolle Ausländer und Investoren, die größere Anwesen erwerben wollen. Der Punkt ist, dass man wissen muss, wie man an diese Kunden kommt; und ich bin dabei, ihn auszuarbeiten».

1998 kam Gerardo Ebert als Schauspieler zum Theater auf dem Berg der Familie von Kiesling. Nach seiner bisherigen Lieblingsrolle befragt, zweifelt er: «Das ist schwer zu sagen», versichert er, «aber die erste große Rolle, die ich spielte und sehr genossen habe, war die des Attinghausen im „Wilhelm Tell“, ein alter Mann, der auf der Bühne stirbt». Damals führte der inzwischen verschiedene Peter von Kiesling Regie, der mit Eberts Leistung äußerst zufrieden war.

Ebenso wohl fühlte er sich in der Rolle des Inspektors in der «Mausefalle» von Agatha Christie, sowie im letzten Stück, das auf der Freilichtbühne gegeben wurde, wo er die Hauptrolle von J. B. Priestleys «Ein Inspektor kommt» innehatte.

 

Theater ist harte Arbeit

Wer viel Theater spielt, pflegt eine Traumrolle zu haben. Das ist bei Gerardo Ebert zwar nicht der Fall, obwohl er weiß, dass er Charakterrollen vorzieht: «Ich glaube nicht, dass ich ein Komödiant bin. Ich neige eher zu Charakter- und kontrastreichen Rollen, wo man verschiedene Nuancen schaffen und dann ausdrücken muss».

Das war, glaubt er, in Agatha Christies Werk der Fall: «Der Inspektor war da ein ziemlich verrückter Kerl, ein Psychopath. Charakterrollen liegen mir sehr, weil man die innerlich ausspielen muss, damit sie auch herüberkommen. Solche Rollen muss man vorher sehr gut studieren. Es genügt nicht, einen Text auswendig zu wissen. Man kann ihn zwar gut aussprechen, aber das Publikum würde merken, dass keine Stärke dahinter steckt. Daher ist auf dem Theater die Vorbereitung, diese innerliche Arbeit, sehr wichtig».

Gerardo Ebert redet mit großem Enthusiasmus von seinem Steckenpferd, obwohl Theaterarbeit sehr harte Arbeit sein kann. Schon allein die etlichen Fahrten zu den Proben auf den Berg an den Wochenenden erfordern eine große Liebe zur Sache. «Ja, es ist ein großer Zeitaufwand», meint er, «man ist praktisch das ganze Wochenende nicht zu Hause, es ist in der Sommerhitze recht anstrengend, aber dies ändert sich, wenn die Gruppe das Stück beherrscht. Dann fängt das Spiel erst richtig an, man merkt, dass man drin ist. Es macht, je mehr man sich der Premiere nähert, immer mehr Spaß, weil alles viel besser fließt».

Gerardo Ebert ist nun schon viele Jahre mit dabei: «Es hat sich unter den Mitwirkenden eine Freundschaft entwickelt, und dazu kommt die Atmosphäre des Amphitheaters. Der Blick von den Bergen auf das Tal von Santiago ist einmalig! Wir investieren unsere Zeit, weil es uns Spaß macht und weil wir am Ende wissen, dass es sich gelohnt hat.»

Gegenwärtig ist Gerardo Ebert übrigens wieder beim Film tätig. Er spielt im chilenischen Film «En tierra de aguas», einem Familiendrama, den bösen Schwiegersohn. Eine Charakterrolle, wie er sie mag. Der Premierentermin steht noch nicht fest, Ebert schätzt aber, dass der Film gegen Ende des Jahres in die Kinos kommt.

 

Walter Krumbach

 

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