Fabienne Frei, Kulturassistentin an der Schweizer Botschaft

«So ein Leben unterwegs»

Fabienne Frei
Fabienne Frei

 

Fabienne Frei arbeitet seit dreieinhalb Jahren als Kulturassistentin der Schweizer Botschaft in Santiago. Eine spannende und vielseitige Aufgabe, sagt sie. Dass sie mal so viel in der Welt herumkommen würde, hätte die heute 40-jährige Schweizerin zu Beginn ihres Berufsweges nicht gedacht.

 

Von Petra Wilken

Geboren und aufgewachsen ist sie in dem Dorf Schötz im Kanton Luzern, wo schon ihre Eltern zur Welt gekommen und immer geblieben sind. Doch Fabienne wollte raus, als junges Mädchen stellte sie sich vor, Reiseleiterin oder Stewardess zu werden. Doch machte sie eine Ausbildung zur kaufmännischen Angestellten bei einem Stellenvermittlungsbüro. Danach gelangte sie mit der Swisscom, dem großen Unternehmen für Telekommunikation, erst einmal bis in die Hauptstadt, nach Bern.

Die Swisscom ermöglichte ihr 1999 einen viermonatigen Sprachaufenthalt im englischen Bath. Danach ging sie für knapp fünf Monate mit ihrer Schwester auf Asienreise – Indien, Thailand, Laos, Vietnam. Bei ihrer Rückkehr in die Schweiz klappte es dann mit der Stelle, der sie ihre weitere Karriere verdankt: Sie wurde beim Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten, kurz EDA, angestellt, das in anderen Ländern dem Außenministerium entspricht.

Sechs Jahre arbeitete sie im Generalsekretariat in Bern in verschiedenen Funktionen. «Ich habe mich immer wieder für Auslandsstellen beworben, für Bangkok und Singapur zum Beispiel, aber es war schwierig», erzählt sie. Doch 2006 klappte es dann. Es wurde Peking. Die Hauptstadt der Volksrepublik China war damals gerade vollauf damit beschäftigt, sich auf die Olympischen Spiele 2008 vorzubereiten.

Fabienne Frei arbeitete als Assistentin des Botschafters. «Es war alles sehr viel stimulierender als in der Schweiz.» Es gab viele Einladungen, viele Events in der Residenz. Das ‘House of Switzerland’ für die Olympischen Spiele wurde vorbereitet. «Als ich anfing, waren wir 25 Mitarbeiter in der Botschaft. Als ich wegging, hatte sich der Personalbestand verdoppelt. Wir waren über 50 Leute. Da war was los», erinnert sie sich an die Zeit, die sie heute als die beste ihres Lebens bezeichnet.        

Vielleicht liegt es auch daran, dass sie dort ihren Mann kennenlernte. Alfredo ist Kubaner und lernte Chinesisch in Peking. Von dort aus gingen beide zusammen nach Den Haag in Holland, wo ihr Sohn Mael geboren wurde. «Ein keltischer Name», erklärt sie. «Er bedeutet kleiner Prinz.» Auch die Zeit in Holland hat Fabienne Frei sehr gut gefallen. Sie wohnten in Scheveningen, direkt hinter den Dünen am Meer, in dem in den Niederlanden beliebtesten Badeort. «Die Holländer sind sehr freundlich und sehr offen», erinnert sie sich.

«Schon in Peking war es schwer, sich ins Flugzeug zu setzen – und weg ist man. In Holland war es auch so. Man lässt alles zurück, seine sozialen Kontakte, sein Netzwerk und fängt wieder von vorne an», sagt sie bedauernd im Gespräch mit dem Cóndor, denn auch jetzt bereitet sie sich innerlich schon wieder auf einen Abschied vor. Ihre Zeit in Chile geht in wenigen Wochen wieder zu Ende. Als «Versetzbare», wie die in den auswärtigen Dienst Entsandten in der Schweiz heißen, ist die Einsatzzeit pro Land auf vier Jahre beschränkt.

Während sie vorher immer als Assistentin des Botschafters arbeitete, so hat sie hier in Chile ein neues Aufgabengebiet übertragen bekommen. «Die Kulturarbeit ist spannend und vielseitig. Ich habe sie sozusagen im Learning-by-doing übernommen», erklärt sie. Mit Hilfe des Kulturfonds Focus – Fondo Cultural Suizo kann die Botschaft Schweizer Künstler unterstützen, die zum Beispiel zu Festivals nach Chile kommen.

Neben dem Standardprogramm der internationalen Film- und Jazzfestivals hat Fabienne Frei während ihrer Zeit in Chile aber auch andere nicht ganz alltägliche «kulturhistorische Fälle» zu lösen gehabt. Da war zum Beispiel die 93-jährige Chilenin María Paz Subercaseaux, die 40 Jahre lang in der Schweiz gelebt hatte und mit dem Expressionisten Oskar Kokoschka (1886 – 1980) befreundet war. Sie hatte acht Zeichnungen des in der Schweiz lebenden Österreichers in ihrem Besitz. «Bevor sie starb, wollte sie, dass die Bilder in die Schweiz zurückkommen», berichtet die Kulturassistentin. Die Rückführung hatte ihre bürokratischen Tücken, doch letztendlich klappte es.  

Eine weitere Recherche, die die Kunstassistentin beschäftigt, hat mit dem Museum Salvador Allende in Santiago zu tun. Das Museum eröffnet im April eine Ausstellung mit 43 Kunstwerken, die nach dem Putsch 1973 in den Archiven des Museo Nacional de Bellas Artes versteckt worden waren. Es waren Schenkungen, die Chile zwischen 1960 und 1973 aus der Schweiz, den USA, Frankreich und Japan erhalten hatte. Die Botschaft unterstützte jetzt die Nachforschungen der Kuratorin des Museums in der Schweiz, um zu erfahren, wie genau die Bilder nach Chile gekommen waren.

Bevor ihr Einsatz in Chile endet, hat sie noch ein paar weitere Vorgänge abzuschließen. Auch hier fällt ihr der Abschied wieder schwer. Einen Chilenen wird sie mitnehmen: Ihr zweiter Sohn, Yoan – diesmal ein kubanischer Name – ist hier vor einem Jahr geboren worden.

Hat sie sich ihr Leben so vorgestellt, als sie als junges Mädchen in die weite Welt hinaus wollte? «Nein, so ein Leben unterwegs ist doch etwas anderes als Reiseleiterin oder Stewardess zu sein.» Sie bereut nichts, freut sich aber jetzt auch sehr auf Zuhause. Denn nun geht sie mit ihrer Familie in die Schweiz zurück. Dort wird sie als Abteilungsassistentin bei der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) in der Abteilung Lateinamerika und Karibik arbeiten.

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