Entschiedenes Handeln für Energieeffizienz und saubere Umwelt

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Am 2. September 2014 übernahm er sein Amt als Schweizer Botschafter in Santiago. Er hatte sich diese Bestimmung gewünscht. «Meine Familie und ich waren schon einmal in Lateinamerika gewesen», erzählt Botschafter Dörig, «nämlich in Brasilien, von 2000 bis 2003. Da haben wir uns gedacht, dass es nach vielen Jahren in Asien eine gute Idee wäre, zurückzukommen».

Von Walter Krumbach

Es klappte, «obwohl es bei uns ein sehr beliebter Posten ist, und wir waren sehr glücklich», unterstreicht Botschafter Dörig. «Ja, Lateinamerika ist unter Schweizer Diplomaten einigermaßen exotisch, viele unter uns sprechen die beiden Hauptsprachen Spanisch und Portugiesich, dazu befinden sich etliche Länder in der Transition, das macht sie politisch und auch vor allem wirtschaftlich interessant», erläutert er sein Interesse. «Die lateinische Lebensart und die Kultur liegen uns recht nahe, dazu kommt noch das gute Klima in Chile – und, nicht zu verachten, der gute Wein».
Unter den Schwerpunkten der Beziehungen zwischen Chile und der Schweiz nehmen für die Botschaft in Santiago die über 5.200 in Chile lebenden Schweizer Bürger, einen besonderen Stellenwert ein: «Es gibt viele Zivilstandsfälle zu regeln, neue Pässe müssen ausgestellt und Anfragen beantwortet werden. Es ist wichtig, dass wir uns vor Ort im Krisenfall für die Schweizerinnen und Schweizer in Chile einsetzen können». Dazu kommen die bilateralen Themen politischer und wirtschaftlicher Art: «Chile hat mit der Schweiz seit 2012 einen regelmäßigen jährlichen politischen Dialog angefangen. Parallel dazu gibt es einen Wirtschaftsdialog. Gerade nach meiner Ankunft konnten wir zehn Jahre EFTA-Freihandelsabkommen zwischen der Schweiz, Norwegen, Island, Liechtenstein und Chile feiern».
Botschafter Dörig weist darauf hin, dass der Wirtschaftsaustausch in der letzten 10 Jahren stark zugenommen hat «und wir können in diesem Rahmen wirtschaftliche Probleme mit den chilenischen Behörden sehr sachlich diskutieren». Dazu kommt die lang anhaltende Schweizer Wirtschaftspräsenz im Land: «Alle maßgebenden Schweizer Firmen, wie etwa Nestlé, die Pharmaunternehmen oder auch die bedeutende Aufzugsfirme Schindler sind hier vertreten und investieren sehr stark. Sie haben etwa 20.000 Arbeitsplätze, die sie hier zur Verfügung stellen». Unter den Neuzugängen erinnert er an die Firma Etrion aus Genf, welche an dem großen Solarkraftwerkprojekt El Salvador maßgeblich beteiligt ist.

Mehr erneuerbare Energieträger fördern
Pläne dieser Art liegen den Schweizern am Herzen, zeigen sie doch auf dem Bereich der “sauberen“ Energiequellen ein besonders reges Interesse. Die Botschaft versucht daher, solche Projekte aktiv zu fördern. Die Schweiz hat im 2013 eine neue nationale Energiestrategie verabschiedet und den Austritt aus der Atomenergie entschieden.: «Wir wollen demzufolge mehr alternative Energieträger in den Bereichen Solar- und Windenergie sowie Geothermik, Biomasse und Wasserkraft fördern. Für diese Energien gibt es auch in Chile ein enormes Potential. ».
Botschafter Dörig hat mittlerweile die Überzeugung gewonnen, «dass es im chilenischen Kontext nicht allzu schwer ist, etwas zu bewegen. Das Land hat eine Größe, wo man auch als mittelgroße Botschaft ernsthaft wahrgenommen wird. Mit der neuen Regierung, die für die verschiedenen Reformen auch ausländische Vorbilder sucht, haben wir im Bereich der Bürgerbeteiligung einiges machen können. Das hat bei meiner Vorgängerin Yvonne Baumann, tatkräftig unterstützt durch den 1. Mitarbeiter Frank Schürch, begonnen. Wir haben zwei Mal aus dem ganzen Bereich der Energieerzeugung sowohl staatliche wie auch private Akteure in die Schweiz eingeladen, um ihnen zu zeigen, wie bei uns durch früh angesetzte Bürgerbeteiligung, durch Konsultation der Umweltverbände und anderer Interessierter man trotzdem Projekte realisieren kann, auch in Gebieten, auf die vom Naturschutz her Rücksicht genommen werden muss. Wir haben einige Diskussionen ausgelöst und es sind gewisse Ideen und Vorschläge in hiesige Gesetzesvorlagen eingeflossen. Die chilenische Regierung ist sich mehr und mehr bewusst, dass man hier die Beteiligten und die Bürgerschaft stärker in den Prozess einbeziehen sollte».
Kürzlich unternahm Botschafter Dörig eine Dienstreise nach Coyhaique. In dieser patagonischen Stadt werden ebenso wie Temuco und Vitacura Pilotprojekte durchgeführt, um sie energieeffizienter zu machen. «Das kann zum Beispiel heißen, dass in Coyhaique, statt Nassholz zum Heizen zu verwenden, man auf Trockenholz umsteigt oder neue Holzbrenner installiert, und die Verschmutzung radikal senkt», betont er; «es ist paradox: Coyhaique liegt in der schönen patagonischen Landschaft, aber hat die höchsten Luftverschmutzungswerte Chiles, doppelt so hoch wie in Santiago». Die Schweizer Botschaft ist zusammen mit den chilenischen Behörden darum bemüht, mit Expertenund technischen Lösungen vor Ort aktiv zu werden».
Edgar Dörig ist in der Ortschaft Oberbüren, in der Nähe von St.Gallen, in der Ostschweiz, geboren. Er studierte an der Universität St.Gallen für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (HSG) Jura. Zur diplomatischen Laufbahn kam er über «einen mehrstufigen Prozess. Ich habe mich für Politologie interessiert und habe das Fach auch studiert. Später war ich im Ausland, in Brügge, wo ich ein Nachdiplomstudium wahrnahm und war damit eigentlich prädestiniert für eine Tätigkeit im Bereich Schweiz-Europa».
Vier Jahre war Edgar Dörig im Justizministerium tätig. Es war zurzeit der großen Diskussion über den europäischen Wirtschaftsraum. In der darauffolgenden Volksabstimmung wurde dieser vom Schweizer Volk Ende 1992 knapp abgelehnt. Dörig blieb noch einige Jahre im Ministerium, meldete sich aber im Folgenden zur Diplomatenlaufbahn-Aufnahmeprüfung. Die bestand er und seitdem gestaltet sich sein Berufsleben international. Brasilien, China und Japan waren vor Chile seine Auslandsposten.
Mit der Frage konfrontiert, welche Auslandsposten er aus geographischen Gründen einem Kollegen empfehlen würde, meint er: «Das ist natürlich eine sehr persönliche Wahl. Bei mir ist es so, dass ich mich eher für größere Länder interessiere, die eine gewisse Entwicklung durchgemacht haben und für die Schweiz relevant sind». Überraschend fügt er dem hinzu: «Chile spielt hier eine wichtige Rolle, multilateral sehr aktiv, und OECD-Land seit einigen Jahren. Die Chilenen haben klare Regeln, sind von der Mentalität her zuverlässig; man kann daher mit ihnen Projekte realisieren, und es macht auch Spaß».

Land mit Blick in den Weltraum
Es kommen noch einige Dimensionen dazu, wie Botschafter Dörig es nennt: «Wir haben hier einen wichtigen Ableger der Europäischen Space Organisation (ESO) mit den bekannten und besten Teleskopen weltweit. Chile öffnet einem den Horizont gegen den Weltraum und auch gegen das Meer hin». Er weist auf das Projekt «Race for Water Odyssey» hin, das bereits angelaufen ist. Auf einem Trimaran-Segler ist eine Gruppe von schweizerischen und französischen Forschern unterwegs, die die ganze Welt umsegeln und dabei bei den fünf großen Plastikmüllhalden vorbeifahren werden, um die Welt auf dieses Problem aufmerksam zu machen: «Diese Riesenfelder, die insgesamt 24 Mal die Fläche Frankreichs bedecken, sind unterschiedlich dick – es sind Millionen von Tonnen, die da herumschwimmen, in die Nahrungskette hineingehen und die Strände verschmutzen – die Regierungen und das allgemeine Publikum sollen sensibilisiert werden, damit etwas unternommen wird. Dieser Trimaran wird am 8.Mai in Valparaíso ankommen, und am 15. zur Osterinsel weitersegeln. Wir haben uns zusammen mit anderen Schweizer Botschaften und swissnex-Forschungsbüros weltweit zur Verfügung gestellt, um die Bekanntmachung dieses Projekts zu koordinieren».
Aber auch für die Freizeit ist für Botschafter Dörig Chile wie gerufen. Wenn einer aus einem Alpenland kommt, gerne Ski und Snowboard fährt, dann ist er in den Anden bestens bedient. «Snowboard habe ich im hohen Alter von 45 Jahren noch gelernt», scherzt er, «und als Familie reisen wir auch sehr, sehr gerne».
Ehefrau und Kinder haben sich gut eingelebt: «Die Chilenen – das muss man sagen – empfangen einen sehr herzlich und positiv. Das ist uns sogleich aufgefallen». Natürlich ist hier nicht alles perfekt, besonders für jemanden, der aus einem der bestorganisierten Länder der Welt kommt. Botschafter Dörig formuliert es äußerst taktvoll: «Der einzige Bereich wo ich etwas negativ überrascht war, ist diese vorherrschende Bürokratie, nicht nur bei den öffentlichen Dienstleistungen, sondern auch, wenn man zum Beispiel ein Bankkonto öffnen möchte – es ist doch mit ziemlich viel Aufwand verbunden…»

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