Entdecker der Mine Gaby

Dr. Karsten Berg hat immer gespürt, dass er in Chile einen Beitrag leisten kann. Als er 1980 seine Doktorarbeit in Geologie an der TU Berlin vorbereitete, gab ihm sein betreuender Professor die Möglichkeit nach Argentinien oder Chile zu gehen. Karsten Berg wählte Chile. Er hat es nie bereut. Und der Beitrag, den er geleistet hat, kann sich sehen lassen: Er hat eines der neuen Kupfervorkommen von Codelco entdeckt – die Mine Gaby.

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Auf dem Schreibtisch von Karsten Berg in Ñuñoa liegt eine Pistolen-ähnliche Gerätschaft – ein geochemischer XRF-Detektor. «Er hat so viel wie ein BMW gekostet», sagt Karsten Berg über die Anschaffung, die er vor drei Jahren für seine Firma Explorerberg E.I.R.L. getätigt hat. Die «Pistole» zeigt mittels schwach ionisierender Strahlung an, wie hoch der Gehalt von Kupfer und anderen Metallgehalten auf einem zu prospektierenden Gelände ist.

Die Entdeckung des Kupfervorkommens Gaby war jedoch lange vor der Anschaffung dieser Geochemie-Pistole. Von 1991 bis 2004 gehörte Karsten Berg zum Pool der beratenden Explorations-Geologen von Codelco, die neue Lagerstätten für den staatlichen Kupferriesen suchen. «Als ich bei Codelco im 7. Stock in Calle Huerfanos anfing, waren wir fünf Geologen, nach der Entdeckung von Gaby waren es dann hundert», beschreibt er die Entwicklung dieses Spezialgebiets.

Zwischen 1995 und 1996 wurde der Deutsche, der in Goslar, in den Harzer Bergen, aufgewachsen ist, von Codelco mit der Exploration beauftragt, die schließlich zur Entdeckung eines neuen oberflächennahen Kupfervorkommens hundert Kilometer südlich von Calama, Region Antofagasta, geführt hat. Im Jahr 2008 wurde die Lagerstätte als neue Division unter dem Namen Gabriela Mistral eingeweiht. 150.000 Tonnen Kupfer baut das Unternehmen dort nun jährlich ab. In etwa 15 Jahren soll dort 584 Mt an kupferhaltigem Gestein mit einem durchschnittlichen Gehalt von 0,41 Prozent Kupfer geschürft werden können.

«Früher konnte man Vorkommen mit einem Gehalt von einem Prozent Kupfer finden. Das waren dann ‚Prime-Projekte’», erzählt Karsten Berg. Diese Zeiten sind anscheinend jedoch vorbei. Obwohl große Unternehmen «mit langem Atem» und teuerster Ausstattung in den Höhenlagen der Andenkordilleren immer noch das suchen, was in der Bergbaubranche den beeindruckenden Namen «GOD» hat, was die Abkürzung von «Giant Ore Deposits» ist, also gigantische Erzvorkommen.

Die gigantischen Lagerstätten überlässt Karsten Berg heutzutage anderen. «Wir sind eine kleine Explorationsfirma und gehen aus Kostengründen nicht in die Vor- und Hochkordilleren. Dort muss immer Wasser und Proviant für die Camps von weit her transportiert werden», erklärt er einen wichtigen Kostenfaktor. So hat sich Exploraberg auf die Lagerstätten konzentriert, auf die seit einigen Jahren die Fachwelt in Chile schaut. Sie sind unter dem Namen «IOCG» (Eisen, Oxyde, Kupfer, Gold) bekannt und in der Küstenkordilleren sozusagen gleich rechts und links neben der Panamericana zu finden.

«Diese IOCG Vorkommen sind zwar kleiner als die Kupfer-Porphyre, dafür aber konzentrierter. So wird nicht so viel Abraum produziert», erklärt Berg, wie es beim Übertagebau zum Beispiel in Chuquicamata oder der Escondida-Mine ist, wo zwiebelähnlich eine Schicht nach der anderen abgetragen werden muss und der Abraum immer größer wird, da immer mehr „taubes“ Gestein mitgefördert werden muss bei der Gewinnung von Kupferkonzentraten.

Die klassische Exploration sei schwieriger geworden. Gute Lagerstätten zu finden kann zehn Jahre dauern. »Ein High-Risk-Geschäft«, sagt Karsten Berg. «In Peru sieht man zurzeit mehr Chancen, aber ich sage: In Chile wird man immer mehr an Kupfer finden als in Peru.» Immerhin hat der Deutsche nicht nur die Mine Gaby entdeckt, sondern 2003 auch «Casualidad», ebenfalls für Codelco und erste firmeneigene IOCG-Lagerstätte, in der III. Region von Atacama, jedoch näher zur Küste, unweit von Taltal.

Neben den Dienstleistungen für kleine lokale Bergbaufirmen und Investoren hat Explorerberg noch ein zweites Standbein – die Solarenergie. In diesem Bereich gehen für Karsten Berg derzeit langgehegte Träume in Erfüllung, denn der Deutsche ist auch in Chile, weil es ihm ein Anliegen ist, dazu beizutragen, dass «unser Raumschiff Erde gerettet wird». Dazu hat er schon zu Zeiten mit technischen Zeichnungen für große Solarkraftwerke in der Atacama-Wüste geworben, als das für die meisten nur nach Material für Science-Fiction-Filme aussah.

So gründete er 1989 in Santiago Geo-Ambiente Consultores mit dem Ziel, ein solares Aufwindkraftwerk, das von den deutschen Bauingenieuren Schlaich, Bergermann und Partner unter anderem für die Atacama-Wüste entwickelt worden war, Wirklichkeit werden zu lassen. Die Zeit war jedoch nicht reif. Das Projekt wurde nie durchgeführt. Heute, 25 Jahre später, wird die spanische Firma Abengoa das erste solarthermische Kraftwerk in der Atacama-Wüste bauen, das Strom ins Netz einspeisen wird.

Daran ist Exploraberg zwar nicht beteiligt, aber als chilenischer Koordinator der internationalen Stiftung Desertec gehört er seit Anfang 2013 zu denjenigen, die auf gesellschaftspolitischer Ebene den Weg für den Einzug der Solarenergie in Chile mit geebnet haben. Die Desertec Foundation ist eine gemeinnützige Stiftung mit Sitz in Hamburg und Berlin, die sich der Vision einer globalen Versorgung mit erneuerbaren Energien aus Wüstenregionen verschrieben hat. Sie ist weltweit tätig und fördert mit ihrer Arbeit die Umsetzung vor allem von solarthermischen Kraftwerken mit dem Ziel, schnell große Kapazitäten erneuerbarer Energie für einen wachsenden Weltenergiebedarf zur Verfügung zu stellen und damit vielen Menschen den Zugang zu einer nachhaltigen und CO2-freien Energieversorgung zu ermöglichen.

Die Stiftung hatte 2009 zusammen mit mehreren führenden, überwiegend deutschen Unternehmen die Dii GmbH gegründet, die große Solarkraftwerke in Nordafrika und dem Nahen Osten bauen und mit diesem Strom zum Teil auch Europa versorgen wollte. Dieses gigantische Vorhaben ist im vergangenen Jahr jedoch vorerst gescheitert, nachdem große Unternehmen wie Siemens, Eon und Bosch aus diesem Industrieverband wieder ausgetreten waren. Seitdem widmet sich Desertec ihrer ursprünglichen Kampagnenarbeit pro Solarenergie in den Wüstenregionen.

Mit dem massiven Einzug der Solarenergie in Chile würde Karsten Berg eines seiner größten Anliegen verwirklicht sehen – baldmöglichst unabhängig von fossilen Energieimporten zu sein. Um sich für die Förderung nachhaltiger Energien und Technologien in Chile einzusetzen, war er schon 1988 in die Umweltorganisation Comité Nacional pro Defensa de la Fauna y Flora (Codeff) eingetreten und hatte sich in den darauffolgenden Jahren im Direktorium darüber hinaus auch für die Araukarien Südchiles und die Pehuenches von Quinquén, Region Araucanía, engagiert. Vor einigen Jahren war er technischer Leiter einer Arbeitsgruppe für Erneuerbare Energien und Energieeffizienz der Deutsch-Chilenischen Industrie- und Handelskammer (Camchal).

Heute, als 63-jähriger Vater von zwei erwachsenen Kindern und seit Kurzem Großvater, sieht er nach mehr als 30 Jahren Leben in Chile mit großer Befriedigung, dass “seine” Mine Gaby inzwischen ein solarthermisches Kraftwerk für die Prozesswärme zur Kupferkathoden-Gewinnung installiert hat.

 

Petra Wilken

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