Edzard Baron zu Knyphausen, Unternehmer

Öffnet Pforten zu Chiles Kultur

Edzard Baron zu Knyphausen, Unternehmer Foto: Silvia Kählert

Er stammt aus einem ostfriesischen Adelsgeschlecht – Edzard Baron zu Knyphausen hat es aber immer eher in den Süden gezogen. Viel Sonne brauchen auch die beiden Produkte, für die sich der Unternehmer einsetzt: Sein eigener Carmenère aus dem Aconcagua-Tal und die Fotovoltaikanlagen der Firma Kraftwerk.

Eigentlich ist der aktive Adelige schon seit sechs Jahren pensioniert: Bis dahin hat er bei Ferrostaal (FS) gearbeitet.Das deutsche Handelsunternehmen für Industrieanlagen mit Sitz in Essen stellte ihn direkt nach seinem Studium der Volkswirtschaftslehre an der Universität Freiburg und der Universität Sankt Gallen in der Schweiz ein. «Gleich bei Berufseinstieg habe ich erklärt, dass ich möglichst bald nach Südamerika möchte», erzählt er. Sein 14 Jahre älterer Bruder verbrachte nach der Schule ein Jahr in Chile, Uruguay und Argentinien und hatte ihn neugierig gemacht.

Nach vier Jahren war es soweit: Der Volkswirt wurde von Ferrostaal nach Santiago entsandt. Hier lernte er auch seine chilenische Frau Cecilia kennen. Eigentlich stand für beide fest, dass es irgendwann nach Deutschland gehen würde. Dann kam es aber doch ganz anders. Die Firma entsandte ihn nach vier Jahren als Geschäftsführer nach Houston in Texas. Dort wurden die drei Kinder geboren. Und anstatt von dort nach Deutschland zu ziehen, reizte ihn dann doch das Angebot, 1994 wieder als Geschäftsführer der Ferrostaal nach Chile zurückzukehren. «Der Zeitpunkt nach Deutschland zu ziehen kam nicht und ehrlich gesagt: Ich fühle mich hier rundum wohl», sagt er überzeugt.

Nach 14 Jahren beschloss die Familie eine neue spannende Aufgabe anzunehmen und für vier Jahre nach Mexiko zu ziehen: Cecilia als Kulturattachée für Chiles Botschaft und Edzard als Geschäftsführer der dortigen FS Organisation. Schließlich zog es sie wieder zurück nach Chile. Ganz besonders seit seine Frau und er 2007 beschlossen die ehemalige Hacienda Santa Teresa de Llay-Llay zu kaufen, ist er in Chile fest verwurzelt. Baron zu Knyphausens Frau widmet sich privat und beruflich der Kunst und Architektur:  Cecilia García-Huidobro leitet das Museo Violeta Parra und ist Vorstandsmitglied der Corporación del Patrimonio Marítimo de Chile. Daher gefiel beiden auf Anhieb das von der Belle Epoque inspirierte 1906 erbaute Landgut im Acancagua-Tal. «Nach dem Erdbeben 2010 war es stark beschädigt – aber durch die gute alte Bausubstanz fiel es nicht zusammen». Inzwischen ist es schon längst wunderschön restauriert. «Da es ein denkmalgeschütztes Gutshaus ist, hat der Staat finanziell geholfen. Damit auch andere etwas davon haben, öffnen wir zum Beispiel am Día del Patrimonio unsere Pforten. 300 Personen schauten es sich im Mai an», freut sich der Kunstliebhaber. Das Landgut inspirierte das Ehepaar auch die Asociación de Propietarios de Casas Históricas, Jardínes y Parques de Chile zu gründen, um den Mitgliedern die privaten Kulturgüter Chiles zeigen zu können und den Eigentümern die Möglichkeit zu geben, staatliche Mittel für ihren Erhalt zu bekommen.

Edzard zu Knyphausens Eltern und Geschwister lebten, seit er zehn Jahre alt ist, selber in einem Schloss. «Mein Vater übernahm den landwirtschaftlichen Betrieb der Familie. Daher zogen wir in das Schloss Bodelschwingh im Ruhrgebiet», erzählt er. Dieses sich immer noch im Familienbesitz befindende Wasserschloss im Renaissancestil mit Parkanlage konnte den Jungen und seine Mutter damals nicht darüber hinwegtrösten, dass sie nun mitten im Ruhrgebiet lebten. Beide trauerten dem schönen Rheingau nach, wo der Baron aufgewachsen war. Sein Ururgroßvater väterlicherseits hatte 1818 ein von den Zisterzienser-Mönchen im 12. Jahrhundert gegründetes Winzergut gekauft. Dieses gehört heute immer noch der Familie zu Knyphausen. Und so schließt sich der Kreis: Bei der Hacienda Santa Teresa baut der gebürtige Rheingauer Carmenère an, der zum Teil im deutschen Weingut seiner Familie verkauft wird. Die Hacienda bietet den Riesling aus dem Rheingau auch in Chile an.

Die chilenische Sonne brachte Edzard zu Knyphausen vor vier Jahren auch darauf, bei der Firma Kraftwerk einzusteigen: «Unsere Fotovoltaikanlagen haben den Vorteil, dass dank dem Batteriebetrieb die Energie gespeichert werden kann und auch morgens und abends zur Verfügung steht. Insbesondere Bergbau-Unternehmen und kleine Luxus-Hotels sind die Abnehmer.» Dabei verkauft die Firma nicht die Anlage, sondern erzeugt und verkauft den Strom. Seit zwei Jahren laufe das Geschäft wegen der stabileren Preise besser: «Wir planen gerade unsere erste Anlage auf der Osterinsel.» Die Perspektiven für erneuerbare Energien seien gut: Bereits 25 Prozent des Stroms in ganz Chile werde durch Wind, Wasser und Sonne produziert.

Wenn der umtriebige Unternehmer auch in Chile eine zweite Heimat gefunden hat, einmal im Jahr besucht er mindestens seine Familie und Freunde in Deutschland. «Je älter ich werde, umso mehr zieht es mich dahin», gibt er zu. Immerhin lebt auch seine älteste Tochter Cosima seit 14 Jahren in Berlin. Als freischaffende Künstlerin schlägt sie eher ihrer Mutter nach. Gleichwohl ist auch der Baron in Chile Anlaufpunkt für seine eigene große Familie. Die meisten seiner 20 Neffen waren schon einmal bei ihm in Chile. Im vergangenen Jahr besuchten ihn alle seine fünf Geschwister mit Anhang in der Hacienda Santa Teresa. Schmunzelnd meint Edzard zu Knyphausen: «Was die Größe der Familie angeht, bin ich chilenischer als meine Frau.»

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