Dr.-Ing. Erwin Plett: Als Leitfigur der Energie ausgezeichnet

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Der Deutsch-Chilene Dr.-Ing. Erwin Plett hat Ende September auf dem Energie Ingenieurwesen Weltkongress (WEEC) in Washington DC die Auszeichnung «Legends in Energy» erhalten. Der Ingenieur ist damit für seine Vorreiterrolle in energieeffizienter Beleuchtung geehrt worden.

Von Petra Wilken

Wenn Erwin Plett über Licht, Energie und Nachhaltigkeit ins Erzählen kommt, dann strotzt es nur so vor Zahlen und geschichtlichen Anekdoten. Die Menschheit habe sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert, seit Edison die Glühbirne erfunden hat, findet er. Nach seiner Ansicht war das Feuer der Fackeln unserer Vor-Vorfahren tatsächlich effizienter als die Beleuchtung, die wir heute anknipsen.

Als der Homo erectus vor 1,6 Millionen Jahren Holz verbrannte, entstanden laut Plett zwei Prozent Beleuchtung und 98 Prozent Wärme. Wenn Homo sapiens heute in Chile das Licht einschaltet, dann liegt die Lichtausbeute sogar darunter. Das rechnet Plett so:

«Da wir in Chile selbst kaum fossile Brennstoffe haben, holen wir Erdgas zum Beispiel aus Indonesien. Zum Transport muss es in Flüssiggas umgewandelt werden, wozu es auf sage und schreibe minus 162 Grad Celsius runtergekühlt werden muss. Dazu braucht man viel Energie. Wenn das Erdgas in Chile ankommt, wird es wieder in einer Verdampfungsanlage in Quintero in Gas umgewandelt. Dann wird es durch Pipelines nach Santiago transportiert, um es letztendlich in einem Gas-Stromwerk in Renca in wenig Strom und viel Restwärme zu verwandeln. Dann wird dieser teure Strom in einer sehr billigen Glühbirne zu Hause vergeudet. Ergebnis: die Energieeffizienz beträgt nur 1,7 Prozent. Und um dieses Geschäft zu betreiben, hat jemand 6,5 Milliarden Dollar investiert. Wer zahlt letztendlich brav monatlich diese offene Rechnung?»

Für Erwin Plett ist das Verhalten unserer heutigen Gesellschaft unverantwortlich. «Die Pflanzen in der Natur stellen aus Wasser und Kohlendioxid mit der Sonnenenergie mittels Photosynthese Zellulose und Holz her. Wie lange hat die Erde gebraucht, um sie als Kohle oder Öl zu speichern? Sagen wir mal zwei Milliarden Jahre. Und wie lange werden wir brauchen, um diese Energievorräte zu verbrennen? Nur 200 Jahre!» Sein Motto lautet: «Wir haben die Erde nicht von unseren Vorfahren geerbt, sondern nur von unseren Kindern ausgeliehen».

Der promovierte Ingenieur setzt mit seiner Firma Alfa Lux auf moderne, effiziente LED-Beleuchtung und Solarenergie. «Mit fünf Prozent der Fläche der Atacamawüste könnte man ganz Südamerika mit Strom versorgen. Also – erneuerbare Energie ist in Chile reichlich da und wird täglich gratis frei Haus geliefert», erklärt er. Die Frage ist dann noch, wie sie effizienter genutzt werden kann. «Bei der Nutzung unserer besten LED-Beleuchtung liegt der Anteil des Lichtes immerhin bei 73 Prozent und der der Wärme bei nur 27 Prozent. Die herkömmliche Glühbirne brachte es auf nur fünf Prozent Stromeffizienz.»

Doch es geht Plett nicht nur um die Nachhaltigkeit, wenn er eine Lanze für seine moderne LED-Beleuchtung bricht. Von Bedeutung sind auch die Gefahren für die Gesundheit und die Umwelt, die von den bisher gebräuchlichen Neonleuchten ausgehen.

So sind die inzwischen weltweit verbotenen gewöhnlichen Glühbirnen seit 1880 nur eine große Energie-Verschwendung, und die schon 1895 patentierten ersten Neonröhren und die heutigen so genannten Sparlampen sind quecksilberhaltig und werden daher gesetzlich als Sondermüll eingestuft. «Wenn sie kaputtgehen, bloß nicht mit dem Staubsauger drangehen! Wenn das Quecksilber gasförmig wird, ist es sehr toxisch», warnt er.

Zudem setzt sich Erwin Plett für «Human Centric Lighting» (HCL) ein – also Beleuchtung, bei der der Mensch im Mittelpunkt steht. Dahinter steckt, dass bei der Kunstlichtplanung der Schlaf-Wach-Rhythmus des Menschen, also die innere biologische Uhr, berücksichtigt wird.

«Um konzentriert arbeiten oder studieren zu können, braucht man kaltes Licht wie die Mittagssonne. Ein warmes Licht gibt mir physiologisch das Signal, dass jetzt die Sonne untergeht und ich schlafen muss. Wir sperren aber die Leute mit warmen Licht in ein Büro ein, und fordern „Jetzt arbeitet mal schön“», sagt Plett ironisch.

Mit intelligenter LED-Beleuchtung hingegen ist es heute technisch möglich, mit verschiedenen Farbtemperaturen und Beleuchtungsstärken den Verlauf des Tageslichts nachzuempfinden, einfach «zurück zur Natur». In erster Linie geht es dabei um die tägliche Aktivierung des Menschen (circadianer Rhythmus) mittels kaltweißer Lichtfarben, wie es in der Natur seit jeher täglich geschieht.

Die Vorteile der guten, intelligenten LED-Lampen liegen also auf der Hand. Ihre Energieeffizienz sei weitaus höher, sie seien extrem langlebiger als herkömmliche Birnen oder Sparlampen, zudem sorgten sie noch dafür, dass die Produktivität der Menschen steige und sie sich dabei auch noch viel wohler fühlen. Dafür müsse nur der höhere Anschaffungspreis in Kauf genommen werden.

Erwin Plett ist menschliche Solidarität wichtig. Als er jetzt in Washington beim WEEC 2016 die Ehrung erhielt, habe er Jordanien Dankeschön gesagt. Warum? «Weil sie bei einer einheimischen Bevölkerung von sieben Millionen seit Jahrzehnten über zwei Millionen Palestinenser Flüchtlinge und jetzt nochmal zwei Millionen syrische Flüchtlinge aufgenommen haben. Dass unsere Generation keinen Krieg erlebt hat, ist ein großes Glück. Wir leben auf der Sonnenseite, aber wenn hier ein Krieg anfangen würde, möchte ich das Recht haben, meine Kinder zu packen und zu fliehen», meint er.

Sein Vater hatte sich auch gegen den Krieg entschieden. Das war 1939. Werner Plett arbeitete als Kaufmann in einem typischen Hamburger Import-Export Kontor und wurde nach Südamerika zur Inspektion der Niederlassungen geschickt. «Er entschied sich, nicht mehr zurückzugehen. Obwohl ihm Hautfarbe, Religion und Sprache hier fremd waren, durfte er doch in Chile bleiben, dank der hiesigen Willkommenskultur. Seine Nachfahren haben nun in Chile eindeutig, aber problemlos einen Migrationshintergrund, wie es heute im Amtsdeutschen heißt. Und alle seine Kinder besuchten die Deutsche Schule hier in der neuen Heimat und durften in die eigene Kirche gehen, ohne Pegida-Montagsdemonstrationen», führt Plett aus.

Sein Sohn, Erwin Plett, begab sich auf seine Spuren und blieb fast 20 Jahre in Deutschland. An der Universität Karlsruhe machte er dann seinen Doktor. Zum Post-Doktorandenaufenthalt ging die junge Familie für ein Jahr nach Wisconsin in den USA. Danach lebten die Pletts weiter in Deutschland, unter anderem in Hamburg, in der Pfalz und in Nordrhein-Westfalen. Doch als ein verlockendes Arbeitsangebot in der Pharmaindustrie kam, beschloss die Familie nach Chile zurückzugehen. «Das war 1996 und Chile war voll im Wirtschaftswachstum, während in Deutschland unter Jugendlichen diese Null-Bock-Stimmung herrschte».

Für die Themen, auf die er sich in Chile spezialisiert hat, ist Pletts deutsches Netzwerk von großer Hilfe. Als langjähriger Vizepräsident des Alumniclubs des KIT, Karlsruher Institut für Technologie, hat er mehrere Experten-Seminare hier organisiert. «Das KIT hat den Zugang zu nachhaltigen Energietechnologien. Mit ihnen kann er in Chile etwas Handfestes dafür tun, dass das Land seine Abhängigkeit von der Einfuhr fossiler Brennstoffe verringert.»

Seinen aktiven kulturellen Beitrag zur deutsch-chilenischen Gemeinschaft leistet Dr. Plett nun seit 20 Jahren in der Mitwirkung beim Theater auf dem Berg und in der begeisterten Teilnahme am Chor Divertimento.

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