Cóndor fragt nach – kurz und bündig: René Fuchslocher Raddatz, Rechtsanwalt

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René Fuchslocher wuchs in Osorno auf, wo er auch die Deutschen Schule besuchte. Anschließend studierte er an der Universidad Católica de Chile Jura und machte sein Magister in Steuerecht an der Universidad Adolfo Ibáñez. Seit zehn Jahren wohnt er in Puerto Montt, wo er mit seinem Geschäftspartner die Kanzlei Fuchslocher, Bogdanic & Asociados gegründet hat, die besonders in Zivil-, Gesellschafts-, Steuer- und Verwaltungsrecht tätig ist. Dazu ist der 38-Jährige Mitglied in verschiedenen Institutionen der deutsch-chilenischen Gemeinschaft: als Erster Vorsitzender des Deutschen Vereins zu Puerto Montt und Vorstandmitglied der Corporación de Beneficencia Osorno (Deutsche Klinik in Osorno) sowie von Agrollanquihue A.G. (Verband der Landwirte der Provinz Llanquihue). René Fuchslocher ist mit Ana María Rojas verheiratet, das Paar hat mit Emilia (9) und René (7) zwei Kinder.

Was wollten Sie als Kind werden?
Mechaniker, da mein Großvater eine Werkstatt hatte, in der mein Vater auch tätig war und jetzt der Besitzer ist. Es kam anders: Nun arbeitet mit ihm mein Bruder, da meine Schwester auch Juristin ist.

Wenn Sie wieder auf die Welt kämen, würden Sie den gleichen Beruf ergreifen?
Auf jedem Fall. Als Jurist hat man verschiedene Arbeitsmöglichkeiten und – was mir am liebsten ist – man kann immer eigenständig arbeiten.

Wer war und ist Ihr Vorbild?
Meine Vorfahren aufgrund ihrer Kapazität Arbeit zu bewältigen

Wofür sind Sie Ihren Eltern dankbar?
Für ihr Lebensbeispiel und ihre bedingungslose Liebe

Was war Ihr schlechtestes Schulfach?
Sport bis zur 6. Klasse ungefähr. Dann schaffte ich es allerdings dank meiner Eltern und der Geduld meiner Lehrer, über meinen eigenen Schatten zu springen und es bis zum chilenischen Leichtathletik-Nationalteam zu bringen.

Was macht Sie glücklich?
Freie Zeit mit meiner Frau und unseren Kindern zu haben.

Was macht Ihnen Angst?
Das Böse, zu dem manche Leute bereit sind, um ihre egoistischen Ziele zu erreichen.

Worauf könnten Sie verzichten?
Mein Büro in Puerto Montt, wo ich meistens arbeite, liegt gleich vor dem Hauptplatz der Stadt. So könnte ich auf den Lärm und besonders Demonstrationen gerne verzichten.

Was ist Ihnen peinlich?
Die deutsche Sprache nicht völlig zu beherrschen, besonders die juristischen Begriffe.

Wen beneiden Sie?
Alle, die treu an eine Religion glauben.

Mit wem würden Sie nie tauschen wollen?
Mit einem Lügner

Wen würden Sie gerne einmal treffen?
Alle meine Verwandte, die noch in Deutschland leben. Bisher habe ich mehrere Fuchslocher-Namen in einem Denkmal vor dem Alten Rathaus in Esslingen gefunden, die ich gerne persönlich treffen würde.

Was würden Sie niemals tun?
Mein gegebenes Wort nicht einhalten

Was regt Sie auf?
Die Faulheit und die Unwissenheit regen mich sehr auf. Sie sind der Pflug, der den Boden für das Übel in der Welt bereitet.

Was ertragen Sie mit Humor?
Meine vielen Fehler im Alltagsleben. Doch manchmal kommt der Humor leider zu kurz.

Über welche eigenen Schwächen ärgern Sie sich?
Dass mir Schweigen so schwer fällt.

Weshalb würden Sie nie aus Chile auswandern?
In Chile, besonders im Süden, wo ich geboren wurde und heutzutage lebe, gibt es noch zu viel zu machen. Ich halte es für eine persönliche Pflicht, bei der Entwicklung dieser wunderschönen und reichen Zone zu helfen.

Wenn Sie einen Tag Präsident wären, was würden Sie ändern?
Ich würde den Kauf von großen Grundstücken begrenzen. Der Kauf von Flächen, die einen Einfluss auf den Anschluss und die Lebensbedingungen der benachbarten Gemeinden haben, sollte einem Entwicklungsplan unterliegen.

Was sollten die Chilenen ernster nehmen?
Die Souveränität ihres Landes

Welches Buch lesen Sie gerade?
Ich lese gleichzeitig drei Bücher: «Magellan» von Stefan Zweig, «Das geduldige Fleisch» von Willi Heinrich, und «Los Brahm. De Werl a Puerto Montt. Una familia de inmigrantes westfalianos 1864-2014» von Enrique Brahm. Das erste hat mir ein guter Freund geliehen, der zweite war ein Geburtstagsgeschenk meiner Eltern, und das dritte hat mir der Vater des Autors geliehen. Dieser Autor war mein Professor im Fach Rechtsgeschichte und sehr wichtig in meinem Studium.  

Was ist Ihr Lieblingsgericht?
Die Kohlrouladen. Sie sind ein typisches Wintergericht von meiner Mutter und erinnern mich an den langen und schönen Unterhaltungen, die wir bei Tisch noch ab und zu führen.

Was machen Sie am liebsten in Ihrer Freizeit?
Alles, was ich auf unserer Parzelle am Strand in Ilque, 25 km westlich von Puerto Montt, machen kann: im Garten Arbeiten, Obstbäume pflücken, baden, SUP-Surfen und dann ein Bier mit meiner Familie und unseren Freunden am Lagerfeuer trinken.

Bei welchem Film haben Sie geweint?
Bei «Si mis campos hablaran». Es ist ein alter Film von José Bohr, der die Geschichte der ersten deutschen Siedler im Süden Chile erzählt. Das Skript wurde von Conrado Fuchslocher geschrieben nach einem Buch vom berühmten Schriftsteller Francisco Coloane. Im Jahr 1954 wurde der Film im Festival von Cannes aufgeführt.

Welchen Frauentyp finden Sie anziehend?
Frauen, die wie meine sind: tüchtig aber zart, friedfertig aber mutig.

Wem wollten Sie schon lange ein Kompliment machen?
Meinen Mitarbeitern. Manchmal bin ich zu hart mit ihnen und vergesse, dass sie jünger sind.

Was sollte Ihnen später einmal nachgesagt werden?
Er hat tatkräftig für die Zukunft der Deutsch-Chilenen im Süden Chiles gearbeitet.

Wie lautet Ihr Lebensmotto
«Furchtlos und treu», so wie das Motto meines Lieblings-Fußballteams in Deutschland: der VfB Stuttgart.

 

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