Caroline Gräfin Wolff Metternich – eine Nachfahrin von Sissi

Mit Adel nicht viel am Hut

Caroline Valérie Maria Gräfin Wolff Metternich mit einer Fotografie von Kaiserin Elisabeth mit ihrem Hund Houseguard aus dem Jahr 1865. Foto: Petra Wilken
Caroline Valérie Maria Gräfin Wolff Metternich mit einer Fotografie von Kaiserin Elisabeth mit ihrem Hund Houseguard aus dem Jahr 1865. Foto: Petra Wilken

 

Caroline Valérie Maria Gräfin Wolff Metternich war sieben, als sie die Sissi-Filme zum ersten Mal sah. Sie fand sie etwas kitschig. Ob das Leben ihrer Ur-Ur-Ur-Großmutter wohl so war wie im Film? Selbst die direkte Nachfahrin der österreichisch-ungarischen Kaiserin kann das schwer beurteilen.

 

Von Petra Wilken

Die 36-jährige deutsche Gräfin lebt seit 2015 in Chile, weil ihr Mann, der argentinische Diplomat Juan José Beretervide, als stellvertretender Konsul hierher entsandt wurde. Wenn es nicht formell zugeht, nennt sie sich Caroline Metternich, der Einfachheit halber. Am Telefon klingt sie «ganz normal». Gräfin ist nach deutschem Recht Teil des Namens.

Das Ehepaar wohnt mit seinen vier Kindern in einem zehnten Stock in der Nähe der Escuela Militar. Die geräumige Wohnung ist mit antiken Möbeln ausgestattet, an den Wänden hängen Ahnenporträts, ein Hauch von Schloss-Schönbrunn-Nostalgie scheint in der Luft zu liegen. «Mein Mann interessiert sich für Ahnenforschung und ist Antiquitäten-Sammler», erklärt die dunkelhaarige Caroline Metternich. «Zum Glück sind Antiquitäten in Chile bedeutend teurer als in Argentinien. Deshalb gibt es hier nicht so oft neue Möbel», fügt sie hinzu. Also doch «ganz normal».

Über Kaiserin Elisabeth von Österreich-Ungarn (1837-1898), genannt Sissi oder Sisi, habe sie auch keine anderen Informationen als die, die der Öffentlichkeit gemeinhin zugänglich seien, meint sie. Die beliebten österreichischen Heimatfilme «Sissi» aus den 1950er Jahren mit Romy Schneider und Karl-Heinz Böhm in den Hauptrollen haben mit dazu beigetragen, dass Liebe und Leiden der schönen Kaiserin zur Legende wurden.

Mit nur 15 Jahren wurde die bayerische Herzogstochter mit dem jungen Kaiser Franz Joseph von Österreich verheiratet, obwohl sie Cousins ersten Grades waren. «Die Habsburger waren bekannt für ihre Heiratspolitik. Sie waren alle untereinander verwandt», kommentiert Caroline Metternich. Mit 17 Jahren brachte Sissi ihr erstes Kind zur Welt, Sophia, die mit zwei Jahren starb. Ihr Sohn Rudolf kam als junger Erwachsener um. Es wurde nie bekannt, ob es ein Unfall oder Selbstmord war. «Es war ein wenig wie bei König Ludwig II. von Bayern, der unter mysteriösen Umständen im Starnberger See ertrank. Sissi und er waren Cousins ersten Grades. Sie sahen sich ähnlich und mochten sich. Beide hatten Probleme mit der Hofetikette», weiß Caroline zu berichten.

Unter ihren vier Kindern soll Marie Valérie Sissis Lieblingstochter gewesen sein. Sie war Carolines Ur-Urgroßmutter, die zehn Kinder bekam. Das vierte war  Hedwig zu Stollberg-Stollberg, die Großmutter ihres Vaters.

Carolines Nachname Metternich lässt eine Verwandtschaft mit dem bedeutenden Fürsten und Staatsmann Klemens Wenzel von Metternich (1773-1859) vermuten, doch das ist nicht der Fall. «Mit dem Fürsten sind wir nicht direkt verwandt. Die Linie geht vor dem Fürsten Metternich auseinander. Wir sind Grafen aus der Bonner Gegend», erklärt sie.

Wie kann man sich das Leben als Adels-Nachfahre heute vorstellen? «Die meisten leben normal. Es gibt so etwas wie ein Clanverhalten. Wir sind über ganz Europa verteilt. Egal ob in Salzburg, Wien, Brüssel oder Berlin, man ist immer willkommen. Es gibt welche, die ein Schloss geerbt haben. Aber das ist auch ein Klotz am Bein. Alle, die ein Schloss haben, müssen da viel reinstecken, um es zu erhalten.»

Caroline hat kein Schloss geerbt. Der Vater, von Beruf Elektroingenieur, hat unter anderem in Afrika gelebt, und heute im Ruhestand hat er sich in Griechenland niedergelassen. «Er lebt spartanisch. Mit Adel hat er nie viel am Hut gehabt. An seinem ersten Schultag hat man ihm die Wange geschmirgelt. Die Mitschüler wollten sehen, ob er blaues Blut hat», erzählt sie. Ihre Eltern sind getrennt. Ihre Mutter stammt aus Rumänien – auch sie ist Nachfahrin einer Adelsfamilie.

1982 in München geboren, ist Caroline als Kind viel umgezogen. Mit gemischten Gefühlen erinnert sie sich an eine Zeit, in der sie in Durbach in Baden-Württemberg lebten. «Im Dorf wusste jeder, wo ich wohnte – im Gräflich-Wolff-Metternich’schen Weingut meines Großvaters. Ich fühlte mich so transparent. Das eine oder andere Mädchen wollte einfach mal kommen, um zu wissen wie man wohnt.» Den Adelsstand empfand sie oftmals als Bürde. «Ich bin Legasthenikerin. Als ich Kind war, wurde das auf die Wittelsbacher geschoben, also gemeint, dass es durch Inzucht ausgelöst wurde», erzählt sie.  

Nach dem Abitur ging sie nach Brüssel und machte eine Ausbildung in Illusionsmalerei. «In Schlössern, zum Beispiel in Versailles, ist vieles, was aussieht wie Marmor, nur aufgemalt», erklärt sie. Sie fand eine Anstellung bei einer Agentur, die Feste in Schlössern in Belgien, Deutschland, Italien, Griechenland und Frankreich dekorierte. Auf diese Art kam sie vermutlich in mehr Schlössern herum als andere in ihrer Familie.

In Brüssel lernte sie ihren Mann kennen, mit dem sie zuerst nach Buenos Aires ging und dann nach Chile kam. Sie brachte eine Tochter mit in die Ehe, Maria del Consuelo, die heute elf Jahre alt ist. Danach wurden die Zwillinge Josefina und Constantino (7) und Pia (5) geboren. Die Kinder gehen auf die Alianza Francesa, da die Versetzung von Land zu Land im französischen System der Auslandsschulen reibungsloser sei als im deutschen. «Es ist schon eine Herausforderung, die Wurzeln der Kinder aufrecht zu erhalten», meint Caroline.

Was bedeutet Sissi heute für sie? Fühlt sie sich mit ihr verbunden? «Ich glaube, dass sie viel gelitten hat. Ich kann mir vorstellen, dass sie lieber simpler hätte leben wollen als mit dieser Show von Etikette am Hof.»

Eine letzte Frage kann ich mir nicht verkneifen: War es wie im Film, hat der Kaiser sie so geliebt? «Ich glaube, er hat sie sehr geliebt. Beide haben sich zudem sehr respektiert. Trotzdem hatte Sissi kein Problem, als der Kaiser später eine Mätresse hatte.» Glück und Schicksalsjahre einer Kaiserin.

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