Begleiter der chilenischen Reformprozesse

Seit Januar diesen Jahres leitet Holger Haibach das Büro der Konrad-Adenauer-Stiftung in Santiago. Vorher war er für das Büro der politischen Stiftung in Namibia zuständig. Chile ist der zweite Auslandseinsatz des früheren Bundestagsabgeordneten, der sich aus der aktiven Politik zurückgezogen hat, um Erfahrungen im entwicklungspolitischen Bereich zu sammeln.

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Den Rückzug aus der aktiven Politik hat Holger Haibach nicht bereut. Die Erfahrungen im Süden Afrikas fand er wichtig und bereichernd. «Man bekommt einen ganz neuen Blick aufs eigene Land und wächst durch das Leben in einem anderen Kulturkreis», betont der gebürtige Hesse. Er hält es für ein Privileg, in einem anderen Land leben und arbeiten zu können. «Und wenn es dann auch noch so viel bietet wie Chile oder Namibia», fügt er hinzu.
In offiziellen Veröffentlichungen über den CDU-Politiker steht, dass Holger Haibach aus Usingen im Taunus, nördlich von Bad Homburg, stammt. Doch eigentlich ist er 1971 in Rod an der Weil geboren und aufgewachsen, aber das ist so klein, dass es niemand mehr kennt: 750 Einwohner. Das Abitur machte er 1991 in Usingen und studierte anschließend Altphilolologie mit den Fächern Latein, Geschichte und Altgriechisch an der Universität Gießen. Schon als Schüler trat er 1989 in die Junge Union und 1990 auch in die CDU ein. Noch während des Studiums arbeitete er nebenher im Wahlkreisbüro einer Landtagsabgeordneten. Nach Ende des Studiums nahm er eine Stelle als persönlicher Referent des Landrates des Hochtaunuskreises an.

Mit 31 in den Bundestag
Mit 22 gehörte er schon dem Kreistag des Hochtaunuskreises an, mit 31 zog er zum ersten Mal in den Bundestag ein. Insgesamt ist er dreimal für den Wahlkreis seines Heimatortes direkt in den Bundestag gewählt worden. Schon seine Arbeit als Abgeordneter war geprägt von seinem Interesse für Entwicklungspolitik und Menschenrechte: Von 2005 bis 2009 war er stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für Menschenrechte und humanitäre Hilfe, um anschließend das Amt des entwicklungspolitischen Sprechers der CDU/CSU-Bundestagsfraktion zu übernehmen. Zudem engagierte er sich im Tibet-Gesprächskreis, einem überfraktionellen Kreis von Bundestagsabgeordneten, der die Aufgabe übernommen hatte, im Parlament ein Bewusstsein für die Problematik des Tibets und seine Exilregierung zu schaffen.
«Doch 2011 entschied ich, mich aus der aktiven Politik zurückzuziehen und für die Konrad-Adenauer-Stiftung zu arbeiten», erzählt Holger Haibach. Die KAS – wie sie nach ihrer Abkürzung genannt wird – ist eine von sechs politischen, parteinahen Stiftungen, die es in der Bundesrepublik gibt. Alle sind benannt nach herausragenden Persönlichkeiten in der Geschichte der jeweiligen Parteien: Friedrich Ebert (SPD), Friedrich Naumann (FDP), Hanns Seidel-Stiftung (CSU), die Heinrich-Böll-Stiftung (Bündnis 90/Die Grünen) und die Rosa-Luxemburg-Stiftung (Die Linke).
Ganz kurz zusammengefasst haben sich die parteinahen Stiftungen die politische Bildung der Bevölkerung und die Entwicklungszusammenarbeit zur Aufgabe gemacht. Finanziert werden sie durch Mittel von drei Bundesministerien und dem Auswärtigen Amt sowie durch Spenden. «Das System der politischen Stiftungen ist sehr speziell», erklärt Haibach. «Sie sind unabhängig und werden nicht von den Parteien finanziert», betont er.

KAS-Büros in 85 Ländern
Die Idee der Konrad-Adenauer-Stiftung, die 1955 gegründet worden ist, sei von zwei Weltkriegen geprägt gewesen. Man habe die Erfahrung mit dem Prozess der Demokratiebildung auch in anderen Ländern vermitteln wollen. Heute jedoch sei die Rolle der Konrad-Adenauer-Stiftung, die in 85 Ländern Büros unterhält, anders als vor 50 Jahren. «Wir haben zwei Funktionen«, verdeutlicht Haibach. «Eine ist sozusagen eine ‚Seismographen-Funktion‘, indem wir nach Europa ein Bild des jeweiligen Landes vermitteln. Die andere Aufgabe sei es, gesellschaftliche Prozesse zu begleiten und mit den politischen Parteien des Landes zusammenzuarbeiten.
«Wir haben einen anderen Anspruch als die Durchführungsorganisationen der Entwicklungszusammenarbeit, wir machen kein ‚Institution Building‘, wir begleiten Diskussionen und helfen, Plattformen dafür bereitzustellen». Das Spannende daran sei, dass sich die Arbeit natürlich in jedem Land ganz anders gestalte. So hat die Adenauer-Stiftung zum Beispiel auch ein Büro in Washington. Dort gibt es natürlich andere Aufgaben als in Windhoek, der Hauptstadt von Namibia. Das frühere Deutsch-Südwestafrika erlangte 1990 die Unabhängigkeit von Südafrika.
«Namibia ist ein Entwicklungsland. Chile ist alles andere als ein Entwicklungsland», bringt Haibach die Verschiedenheit seiner beiden Auslandserfahrungen kurz auf den Punkt. Dennoch hat er auch Parallelen gefunden. «In Namibia wird täglich die Allgemeine Zeitung auf Deutsch herausgegeben. Sie wird von 20.000 Deutschstämmigen gelesen. Es ist die dritte, vierte oder fünfte Generation, aber das kulturelle Erbe wird bewahrt, die Sprache, der deutsche Sportklub, die deutsche Schule», erzählt er.

Von Chile angenehm überrascht
Er freut sich, mit dem Cóndor auch in Chile eine deutschsprachige Zeitung vorgefunden zu haben. Auch wenn die deutschstämmige Gemeinschaft nicht vergleichbar ist mit Namibia, das deutsche Kolonie war, so ist er dennoch auch hier von den Bemühungen der Bewahrung der deutschen Kultur angenehm überrascht.
Ansonsten ist – außer in Bezug auf überwältigende Naturschönheiten – vieles anders hier in Lateinamerika. In Chile ist die Konrad-Adenauer-Stiftung bereits seit 1962 vertreten. Sicherlich hat auch die Existenz einer christdemokratischen «Schwesterpartei», der Partido Demócrata Cristiano (PDC) dazu beigetragen, dass es mit Chile schon lange enge Verbindungen gibt.
«Im Moment begleiten wir alle Reformprozesse Chiles, die Verfassungsreform, die Bildungs- und die Steuerreform.» In ihren Projekten und Programmen arbeitet die Stiftung ebenso mit staatlichen Institutionen wie mit Universitäten und mit Organisationen der Zivilgesellschaft zusammen. «Wir wollen vermitteln, was für uns soziale Marktwirtschaft ausmacht», sagt Haibach. Deshalb ist ein Partner in Chile zum Beispiel der Thinktank „Espacio Público“, der zum Thema Verbraucherschutz arbeitet. Haibachs persönliche Vorliebe in Chile ist das Thema Erneuerbare Energien.
Bei all diesen Herausforderungen bleibt für private Interessen wenig Zeit. Doch Holger Haibach hat sich eines fest vorgenommen: Er wird so viel wie möglich reisen, denn «Chile ist ja ein tolles Land, das kommt erschwerend hinzu», meint er ironisch.

Petra Wilken

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