Arno Wicki, Botschafter der Schweiz in Chile

«Die Schweiz ist der zehntgrößte ausländische Investor in Chile»

Arno Wicki, Botschafter der Schweiz in Chile
Arno Wicki, Botschafter der Schweiz in Chile

 

Dieser November ist der Monat der Schweizerischen Botschaft. Sie feiert nicht nur das 100-jährige Bestehen der diplomatischen Beziehungen mit Chile, sondern organisiert und begleitet zudem mehrere herausragende kulturelle, wirtschaftliche und soziale Events. Viel zu tun für Botschafter Arno Wicki und sein Team.

 

Von Petra Wilken

Arno Wicki ist von Haus aus Politikwissenschaftler. Nach dem Studium an der Universität Lausanne ging er nach Miami und machte dort einen ersten Master in internationalen Beziehungen. Mit dieser Ausbildung wurde er bei den Vereinten Nationen zunächst in New York angestellt und anschließend für eine friedenserhaltende Mission nach Haiti entsandt.

Danach ging er in die Schweiz zurück, wo er mit einer Stelle beim Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) seine Karriere im diplomatischen Dienst begann. Während eines ersten Einsatzes an der Schweizerischen Botschaft in Spanien absolvierte er einen zweiten Masterstudiengang in internationalen Beziehungen an der Universidad Complutense de Madrid. Es folgten Einsätze bei der Ständigen Vertretung der Schweiz bei den Vereinten Nationen in Genf und an der Botschaft in Washington, wo er unter anderem für Wirtschaftsfragen zuständig war.

«Dann kam ein siebenjähriger Wechsel in den Privatsektor», erzählt Wicki. Das war bei der Zurich Insurance Group. Doch danach ging er in den diplomatischen Dienst zurück, wo er in der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) für den Bereich Humanitäre Hilfe und Katastrophenschutz zuständig war.

 

Rund 5.500 eingeschriebene Schweizer Bürger in Chile

Mit dieser vielseitigen Berufserfahrung wurde er im Juli dieses Jahres Schweizer Botschafter in Chile. Auf die Frage, was er sich besonders vorgenommen hat, nennt er die politischen Beziehungen mit der neuen Regierung, die Betreuung der rund 5.500 eingeschriebenen Schweizer Bürger und die Wirtschaft.

Besonders aktuell für die Botschaft ist dieses Jahr das 100-jährige Jubiläum der diplomatischen Präsenz der Schweiz in Chile. Im Jahre 1918 entschied der schweizerische Bundesrat, diplomatische Beziehungen mit Chile aufzunehmen und ließ 1918 den Gesandten de Pury in Chile akkreditieren. Im selben Jahr wurde auch zum ersten Mal ein Konsul in Santiago ernannt. «Wir nehmen das Jubiläum zum Anlass, die Entwicklungen der diplomatischen Beziehungen zu vertiefen und publizierten einen geschichtlichen Abriss. Wir nutzen die Publikation auch dazu, das Geschichtsverständnis und die Identität der großen Schweizer Gemeinschaft in Chile zu fördern», meint Wicki.

Was die Wirtschaft betrifft, wird Ende November eine hochrangige Delegation Chile besuchen. Im Zentrum steht die Weiterentwicklung der Wirtschaftsbeziehungen zwischen Chile und der Schweiz. Eine neue Broschüre, die zum Anlass dieses Besuchs verfasst wurde, streicht vor allem die Bedeutung der Schweizer Investitionen in Chile hervor: «Die volkswirtschaftliche Analyse hat ergeben, dass die Schweiz der zehntgrößte ausländische Investor in Chile ist. 200 schweizerische Firmen sind hier ansässig und haben mehr als 30.000 Arbeitsplätze geschaffen», so Wicki.

 

Zusammenarbeit auf gleicher Augenhöhe

Die Botschaft begleitet auch zahlreiche Projekte in den unterschiedlichsten Bereichen. «Konkrete Projekte, welche die Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern bereichern, und die Zusammenarbeit auf gleicher Augenhöhe sind mir sehr wichtig», sagt Wicki. «Chile hat solide Institutionen. Da gibt es viel Potenzial zu positivem Wandel.»

Durch seine frühere leitende Position bei der DEZA kennt sich Arno Wicki in den Projekten der Agentur in Lateinamerika bestens aus. Eine bedeutende Initiative ist SuizAgua, bei der es darum geht, das Wassermanagement von Unternehmen zu verbessern. Ein anderes langjähriges Programm hat die Verbesserung der Luftqualität zum Ziel und sieht zum Beispiel Filter für Dieselpartikel von Bussen und Baumaschinen vor. Das Projekt hat einen multinationalen Ansatz und ist neben Santiago auch in Lima, Bogota und Mexiko tätig. «Es geht darum, voneinander zu lernen. Die Erfahrungen von Santiago im Bereich der Abgasminderung im öffentlichen Verkehr werden weitergegeben», erläutert Wicki.

 

Projekte in Kunst, Kultur und Umweltschutz

Mit zwei Projekten im sozialen und Umweltbereich in der Gemeinde Renca möchte der Botschafter dazu beitragen, dass Diskussionen ausgelöst werden. Eine Initiative zielte darauf ab, dass sozialschwache Familien Energiekosten im Haushalt einsparen. Beim zweiten Projekt geht es um die Prävention von Gewalt gegen Kinder, das von Unicef zusammen mit einer lokalen Nichtregierungsorganisation durchgeführt wird und das Ende November mit internationalen Experten gestartet wird.

Im Kulturbereich begehen die Schweiz und Chile derzeit neue Wege und organisieren sogenannte Residenzen für Künstler in wissenschaftlichen Einrichtungen, um während dieser Zeit ein Kunstwerk zu erstellen. So werden der Schweizer Künstler Alan Bogana und die chilenische Multimedia-Künstlerin Nicole L`Huillier in den chilenischen Observatorien der European Southern Observatory (ESO) und dann beim CERN in Genf, der Europäischen Organisation für Kernforschung, künstlerisch tätig sein. «Grundlagen-wissenschaft und Kunst haben etwas gemeinsam: Sie schaffen beide etwas Neues», erklärt der Botschafter das Konzept.

Eine weitere kulturelle Initiative, die Arno Wicki begeistert, ist eine Ausstellung von Fotos, die das schweizerische Ehepaar Frédéric und Dorly Marmillod zwischen 1938 und 1958 von Erstbesteigungen in den Anden aufgenommen haben. Die Fotoausstellung wird bis Mitte Dezember im Schweizer Club in Ñuñoa zu sehen sein. Sie wird heute, am 16. November, anlässlich des Jahrestreffens der rund 20 Schweizer Vereine in Chile eröffnet.

Print Friendly, PDF & Email

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.