«Wir wollen 800 Millionen Menschen ernähren»

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Argentinien ist eine Agrarmacht. In einigen Jahren will das Land am Rio de la Plata bis zu 800 Millionen Menschen mit seinen Produkten ernähren können. Ein großer Absatzmarkt soll dabei Europa werden. Besonders große Hoffnungen setzt man in Kanzlerin Angela Merkel.

Buenos Aires (dpa) – Argentiniens Präsident Mauricio Macri ist für Europas Regierungen ein Hoffnungsträger in Südamerika. Sie setzen auf das Wirtschaftspotenzial des Landes, gerade wo Brasilien sich in einer schweren Krise befindet. Vor einem Besuch in Paris, Brüssel und Berlin äußerte sich Macri im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur und vier anderen deutschen Medien dazu, wie er den Agrarsektor ausbauen will, was er an Angela Merkel bewundert und wie er mehr Urlauber aus Europa an den La Plata locken will.

 

Sehen Sie eine neue Dynamik für ein Freihandelsabkommen zwischen Mercosur und EU?

Wir haben endlich die ersten Übereinkünfte getroffen. Wir wissen, dass es Jahre erfordern wird. Der technologische Beitrag Europas kann für uns sehr wichtig sein. Und wir wollen unsere Möglichkeiten im Agrar-Exportbereich verbessern.

 

Wie lange wird es brauchen, bis Argentinien das Erbe der linken Kirchner-Regierung überwunden hat?

Es ist, als ob ein Mieter die Wohnung absolut kaputt verlassen hat. Die erste Zeit ist dann noch schlimmer – man muss alles umbauen, neue Rohre und Kabel legen. In diesem Prozess befinden wir uns. Nächstes Jahr werden wir wachsen.

Argentinien produziert heute Nahrung für 400 Millionen Menschen, in sechs Jahren werden wir 800 Menschen ernähren können. Das Wind- und Sonnenenergie-Potenzial ist enorm. Wir haben die zweitgrößten Schiefergas-Reserven der Welt. Und ich hoffe, dass Lufthansa mehr Flüge nach Argentinien starten wird. Wenn die Deutschen entdecken, wie ein Urlaub in Argentinien sein kann, reisen sie nie mehr an die spanische Küste. Wir planen, Ausländern die Mehrwertsteuer für Hotelübernachtungen zurückzugeben.

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Warum soll ein deutsches Unternehmen nach den ständig wechselnden Spielregeln in Argentinien wieder investieren?

Weil wir Argentinier nach der traumatischen Erfahrung der vergangenen 12 und auch 25 Jahre gelernt haben. Wir haben ohne eigene Mehrheit im Parlament alle unsere Initiativen durchgebracht, auch mit Unterstützung jener, die bis vor Kurzem in der Regierung waren. Dies zeigt den Weg: Es steht außer Frage, dass wir uns der Welt anschließen müssen, dass die Zukunft im Aufbau von Netzen und nicht in der Errichtung von Barrieren liegt, dass wir unsere Produktivität steigern müssen. 

 

Warum kommt aber bisher die Ankurbelung der Wirtschaft nicht so in Tritt wie erwartet?

Die Landwirtschaft, der große Motor der argentinischen Wirtschaft, erlebt bereits eine Investitionsrevolution. Bei den öffentlichen Bauten hatten wir in den ersten Monaten einige Schwierigkeiten. Aber jetzt starten wir den größten Infrastrukturplan der Geschichte Argentiniens, bei dem ich hoffe, dass die deutschen Unternehmen mitmachen.

Im zweiten Halbjahr wird es einen starken Rückgang der Inflation geben. Die in Argentinien ansässigen multinationalen Unternehmen haben bereits investiert. Ich erwarte, dass zu den Investitionen im Energiebereich andere hinzukommen. Das zweite Halbjahr wird besser als das erste.

 

Was schätzen Sie an Bundeskanzlerin Merkel?

Ich habe enormen Respekt und Bewunderung vor den Führungsqualitäten von Bundeskanzlerin Merkel. Sie ist eine Frau, die mit Überzeugung handelt, sehr couragiert in einem sehr schwierigen Moment Europas und sie spielt eine führende Rolle. Ich hoffe, wir finden eine Agenda der Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern. Deutschland ist ein Partner, der schon lange Jahre im Land tätig ist, Mercedes, Volkswagen und viele andere Unternehmen mehr. Ich glaube, der Moment ist gekommen, um die Beziehungen zu intensivieren.

 

Wie schätzen Sie Argentiniens Perspektiven ein, unter Ihrer Präsidentschaft eine führende Rolle in Südamerika anzunehmen?

Als Präsident habe ich viele Probleme zwischen den Ländern der Region gelöst. Wir sind eine Region, in der es keine kriegerischen Auseinandersetzungen, keine religiösen Konflikte gibt. Wir haben qualitativ hochwertige Rohstoffe, wir können zur Welternährung und zur Erzeugung erneuerbarer Energien beitragen. Das sind enorme Vorteile. Ich glaube, die Attraktivität der Region mit Argentinien in einer regionalen Führungsrolle ist wichtig. Ich hoffe auf Hunderte Fabriken, die neu in meinem Land gebaut werden, um den Argentiniern Arbeitsplätze zu verschaffen.

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