Zeiten des Wandels: «Superwahljahr» 2018 in Lateinamerika

Wichtige Entscheidungen in Brasilien, Mexiko, Venezuela, Kuba, Kolumbien und Argentinien

Luiz Inácio Lula da Silva, Raúl Castro und Mauricio Macri: In Brasilien, Kuba und Argentinien stehen in diesem Jahr Wahlen an.
Luiz Inácio Lula da Silva, Raúl Castro und Mauricio Macri: In Brasilien, Kuba und Argentinien stehen in diesem Jahr Wahlen an.

In Kuba könnte die Castro-Ära enden, in Venezuela geht es um Diktatur oder Neuanfang, in Brasilien feiert womöglich «Lula» ein Comeback. In Lateinamerika stehen 2018 wichtige Weichenstellungen an.

 

Rio de Janeiro (dpa) – In Zeiten wachsender Unsicherheiten weltweit wird Lateinamerika für europäische Unternehmen wieder interessanter. Passend dazu hofft man auf den Abschluss eines Freihandelsabkommens zwischen der EU und dem südamerikanischen Mercosur-Verbund. Von Brasilien bis Mexiko: Selten stand der Doppelkontinent in so vielen Ländern vor so wichtigen Entscheidungen.

 

Brasilien

Das fünftgrößte Land der Welt wird zur Wundertüte 2018. Trotz politischer Dauerkrise und Korruptionsermittlungen gegen Hunderte Politiker wächst die Wirtschaft wieder langsam. Bei der Präsidentschaftswahl im Oktober könnte es das Comeback des einstigen linken Hoffnungsträgers Luiz Inácio Lula da Silva geben – sofern er nicht wegen anhängiger Korruptionsprozesse im Gefängnis landet. Die Stimmung ist angespannt: Hilfen für arme Bürger wurden gekürzt, 13 Millionen sind arbeitslos. Und die unter Sparzwängen leidende Polizei verliert die Kontrolle. Es gibt im Schnitt sieben Tötungsdelikte pro Stunde.
 

Kuba

2018 könnte für Kuba eine historische Zäsur bringen. Im April will Präsident Raúl Castro abtreten. Mit Spannung wird erwartet, ob der Nachfolger des Bruders von Revolutionsführer Fidel Castro echte Reformen auf der sozialistischen Karibikinsel umsetzt und die Öffnung forciert.
 

Mexiko

Im Juli wird in Mexiko ein neuer Präsident gewählt. Nach den jüngsten Umfragen gilt ein alter Hase im Politgeschäft als Favorit: Der Linkspopulist Andrés Manuel López Obrador. Er könnte den Konflikt mit Washington weiter befeuern. Mit dem geplanten Bau einer Grenzmauer, einem härteren Vorgehen gegen illegale Einwanderer und der Neuverhandlung des Nafta-Freihandelsabkommens hielt US-Präsident Donald Trump schon 2017 die Nachbarn in Atem. Nach fünf Jahren im Amt ist Staatschef Enrique Peña Nieto äußerst unbeliebt. Die Sicherheitslage ist noch immer desolat: Die Festnahmen wichtiger Drogenbosse haben zu einer Zersplitterung der Verbrechersyndikate geführt, die sich nun erbittert bekämpfen.

 

Venezuela

Das Land entwickelt sich immer mehr zur ersten Diktatur in Südamerika. Mit der Entmachtung des Parlaments und zunehmender Repression gegen die Opposition haben die Sozialisten um Präsident Nicolás Maduro die Macht gefestigt. Die Wahl des neuen Präsidenten könnte daher auf Frühjahr 2018 vorgezogen werden. Da Maduro mehrere Oppositionsparteien ausschließen will, könnte er einen äußerst fragwürdigen Sieg erringen. Aber die Krise und die weltweit höchste Inflation im ölreichsten Land der Welt bergen das Zeug zu einer Gewaltexplosion. Zudem droht dem Land die Pleite.
 
Kolumbien
Einer der Hoffnungsträger in der Region – auch deutsche Unternehmen setzten verstärkt auf das Land wegen des historischen Friedensprozesses. Gelingt es, den Kokaanbau zurückzudrängen oder übernehmen andere Banden das Kokaingeschäft? Entscheidend ist, wer bei der Wahl im Mai 2018 Nachfolger von Präsident Juan Manuel Santos wird, der nicht mehr antreten darf.
 

Argentinien

Die konservative Regierung von Präsident Mauricio Macri arbeitet an der Abkehr von der linken, dirigistischen Politik der Vorgängerin Cristina Fernández de Kirchner. Ausländische Unternehmen investieren wieder und der Export von Soja und Fleisch soll weiter steigen. Eine Rezession wurde überwunden. Mit dem Rückenwind eines Siegs bei den Parlamentswahlen im Oktober will Macri Reformen im Steuerwesen, beim Arbeitsrecht und den Renten. Problematisch sind das Defizit und die Inflation, die Menschen leiden unter hohen Lebenshaltungskosten. Die G20-Präsidentschaft will man nutzen, um sich der Welt als attraktiver Investitionsstandort zu präsentieren. Der Gipfel findet in Buenos Aires mitten in der Stadt statt. Macri kann nur hoffen, dass ihm ein «zweites Hamburg» erspart bleibt.

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