Papst besucht Frauengefängnis in Chile

Pontifex betont soziale Reintegration

Papst Franziskus besucht das Frauengefängnis von San Joaquín in Santiago de Chile.
Papst Franziskus besucht das Frauengefängnis von San Joaquín in Santiago de Chile.

 

In der Strafanstalt San Joaquín mahnt der Pontifex im Kampf gegen die Kriminalität mehr Präventionsmaßnahmen an. Die Frauen ermutigt das katholische Kirchenoberhaupt dazu, die Hoffnung nicht aufzugeben und sich auf die Zeit nach der Haftstrafe vorzubereiten.

 

Santiago de Chile (dpa) – Beim Besuch eines Frauengefängnisses in der chilenischen Hauptstadt Santiago hat Papst Franziskus für eine zweite Chance für die Häftlinge geworben. «Die Gesellschaft hat die Pflicht, alle wieder aufzunehmen», sagte das katholische Kirchenoberhaupt am Dienstag in der Strafanstalt San Joaquín. Er ermutigte die Frauen, die Hoffnung nicht zu verlieren und sich auf die Zeit nach der Strafe vorzubereiten.

Die Häftlinge begrüßten den Papst mit einer selbstkomponierten Hymne über ihre Wünsche und Hoffnungen. Franziskus segnete die Frauen und ihre Kinder. «Der Freiheit beraubt zu sein, ist nicht gleichbedeutend mit dem Verlust von Träumen und Hoffnungen. Der Freiheit beraubt sein ist nicht das Gleiche wie der Würde beraubt zu sein», sagte der Pontifex. Die Vollzugsbeamten rief er dazu auf, die inhaftierten Frauen mit Respekt zu behandeln: «Würde ist ansteckender als die Grippe. Würde bringt Würde hervor.»

Schwester Nelly León berichtete, dass viele der Häftlinge aus einfachen Verhältnissen stammen: «Leider wird in Chile die Armut eingesperrt.» Die Strafgefangene Janeth erzählte von ihrem Leben hinter Gittern und bat um Vergebung für ihre Taten. «Danke, dass du uns diese Haltung in Erinnerung rufst, ohne die wir entmenschlichen», sagte der Papst. «Wir alle müssen um Vergebung bitten.» Als er das Bibelzitat «Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein» anstimmte, fielen die Frauen mit ein.

«Das Schlimmste ist nicht, eingesperrt zu sein, sondern nicht für unsere Kinder da sein zu können. Nichts und niemand kann eine Mutter ersetzen», sagte die Gefangene Janeth. «Wir bitten um Barmherzigkeit mit unseren Kindern.»

Franziskus warb für mehr Prävention statt Repression im Strafvollzug. «Wir alle wissen, dass die Haft sich oftmals leider auf eine Bestrafung beschränkt, ohne angemessene Mittel anzubieten, um Prozesse in Gang zu setzen», sagte der Papst. «Die öffentliche Sicherheit sollte nicht auf Maßnahmen größerer Kontrolle beschränkt werden, sondern sie sollte mit präventiven Vorkehrungen, mit Arbeit, Bildung und mehr Gemeinschaft gestärkt werden.»

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