Ex-Arzt der Colonia Dignidad soll in Deutschland ins Gefängnis

Hartmut Hopp in Deutschland: In Chile wurde das ehemalige Mitglied der Colonia Dignidad zu fünf Jahren Haft verurteilt. Die könnte der Arzt nun vielleicht in Deutschland absitzen.
Hartmut Hopp in Deutschland: In Chile wurde das ehemalige Mitglied der Colonia Dignidad zu fünf Jahren Haft verurteilt. Die könnte der Arzt nun vielleicht in Deutschland absitzen.

Sind die Tage des einstigen Sektenarztes der Colonia Dignidad in Freiheit gezählt? Die Staatsanwaltschaft Krefeld hat beantragt, Hopp in Deutschland ins Gefängnis zu stecken. Das Urteil stammt aus Chile.

Krefeld (dpa) – Der ehemalige Arzt der berüchtigten Deutschen-Sekte Colonia Dignidad im Süden Chiles, Hartmut Hopp, soll in Deutschland ins Gefängnis. Die Staatsanwaltschaft Krefeld beantragte beim Landgericht, die gegen Hopp in Chile verhängte Freiheitsstrafe von fünf Jahren in Deutschland zu vollstrecken. Hopp war 2011 in Chile wegen Beihilfe zu sexuellem Kindesmissbrauch in 16 Fällen verurteilt worden. Er hatte sich aber nach Deutschland abgesetzt. Weil er als Deutscher nicht an Chile ausgeliefert werden darf, beantragte Chile die Vollstreckung der Strafe in Deutschland.

Hopp soll die rechte Hand des 2010 gestorbenen Sektenführers Paul Schäfer gewesen sein, der 2006 wegen Kindesmissbrauchs in Chile zu 20 Jahren Haft verurteilt worden war. Die Sekte war Anfang der 1960er Jahre aus Siegburg bei Bonn nach Südamerika ausgewandert. In der streng von der Außenwelt abgeschotteten landwirtschaftlichen Siedlung Colonia Dignidad (Kolonie der Würde) etwa 350 Kilometer südlich von Chiles Hauptstadt Santiago errichtete Schäfer ein rechtsgerichtetes autoritäres Regime.

Die Mitglieder schufteten nur für Kost und Logis, und Schäfers Wort war Gesetz. Die Bewohner durften die abgelegene Siedlung nur mit seiner Genehmigung verlassen. Während der Militärdiktatur unter Augusto Pinochet wurden politische Häftlinge dort gefoltert und ermordet. Schäfer verging sich Zeugenaussagen zufolge über Jahre regelmäßig an Minderjährigen. Nach dem Ende der Pinochet-Zeit 1990 dauerte es noch Jahre, bis die chilenische Justiz gegen die Sekte vorging. Schäfer tauchte 1996 unter, wurde später in Argentinien gefasst und in Chile verurteilt.

Hopp hatte die Tatvorwürfe zurückgewiesen. Sie entbehrten jeder Grundlage. Der 72-Jährige lebt seit Jahren in Krefeld. Nach Einschätzung seines Anwalts wird dies auch so bleiben. Notfalls werde man den Rechtsweg bis zur Verfassungsbeschwerde ausschöpfen. «Das chilenische Urteil ist in einer Reihe von Punkten nach deutschen Strafprozess-Grundsätzen sehr bedenklich», sagte der Rechtsanwalt. Dies werde man nun dem Landgericht darlegen.

Der Kinofilm «Colonia Dignidad» von Florian Gallenberger hatte das Interesse am Fall Hopp in diesem Jahr wieder aufleben lassen. Der deutsche Oscarpreisträger hat die Vorgänge in der Colonia Dignidad mit den prominenten Hauptdarstellern Emma Watson und Daniel Brühl verfilmt.

Das Europäische Center für Verfassungs- und Menschenrechte (ECCHR) in Berlin begrüßte die Entscheidung der Staatsanwaltschaft Krefeld. «Die deutsche Justiz muss jetzt endlich dafür sorgen, dass Hartmut Hopp seine Strafe wegen Beihilfe zum sexuellen Missbrauch an Kindern verbüßt», sagte ECCHR-Generalsekretär Wolfgang Kaleck und wies auf die Gefahr einer Flucht Hopps hin.

Die Opfer der Verbrechen in der Colonia Dignidad warteten schon viel zu lange auf Gerechtigkeit aus Deutschland. Auch das Auswärtige Amt sei gefragt. «Die kürzlich freigegebenen Akten des Auswärtigen Amtes müssen jetzt mit Blick auf neue Beweismittel und Ermittlungsansätze ausgewertet werden.»

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