Euro-Gegner machen es spannend

Berlin (dpa) – Richtig freuen über die Umfragen kann sich kaum eine Partei. Ein bisschen rauf, ein bisschen runter, eine äußerst knappe Mehrheit für Schwarz-Gelb, kaum Chancen für Rot-Grün. Doch plötzlich sorgen die Außenseiter für Spannung: Die euroskeptische Alternative für Deutschland (AfD) ist im Aufschwung, der Sprung ins Parlament scheint möglich – mit dramatischen Folgen für den Rest der Parteien und für die Regierungsbildung.

Vielleicht war der 20. August 2013 der Tag der Wende. Bis dahin dümpelte der Wahlkampf der AfD vor sich hin, auch Parteichef Bernd Lucke schien kaum mehr mit dem Einzug in den Bundestag zu rechnen. Denn die Eurokrise, das wichtigste Thema der Partei, spielte keine Rolle. Dann aber ließ sich Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) vernehmen: Es werde wohl ein drittes Rettungspaket für Griechenland geben, sagte er, nicht ganz neu, aber vielbeachtet. Das Thema war wieder da, und mit ihm die eurokritische AfD.

Wahlforscher Matthias Jung meint zwar, dass die neue Partei der Union kaum Stimmen wegnehmen werde, denn ihr härtester Konkurrent im Werben um Protestwähler sei die Linkspartei. Dennoch wäre ein AfD-Erfolg vor allem für die Regierung von Angela Merkel (CDU) katastrophal. Für Schwarz-Gelb wäre eine Mehrheit damit praktisch ausgeschlossen.

Die Umfrage-Ergebnisse der Eurokritiker gehen nach oben. Nachdem monatelang höchstens drei Prozent vermeldet wurden, sind es nun plötzlich vier. Viel fehlt nicht mehr, ist die Botschaft. «Euro-Hasser könnten für böse Überraschung sorgen», schreibt «Bild.de».

Die «geordnete Auflösung des Euro-Währungsgebiets» ist die Kernforderung der erst im Frühjahr gegründeten Partei, in der sich vor allem enttäuschte CDU-Sympathisanten zusammengefunden haben. Immer mehr spielt die AfD auch die populistische Karte, denn sie weiß, dass das Potenzial der Unzufriedenen so groß ist wie nie.

Die Parteiführung schließt zwar eine Koalition mit Merkel nicht aus. Wahrscheinlicher aber ist, dass die AfD, wenn sie es in den Bundestag schaffen sollte, lautstark Opposition betreibt.

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