Ernesto Fidel, das Phantomkind von La Paz

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Evo Morales steht unter Druck. Eine Affäre un den verschollenen Sohn Ernesto Fidel schadet dem Image des bolivianischen Präsidenten. Die Ex-Geliebte (Foto) landet dafür im Gefängnis.


Eine plötzlich aufgetauchte Geliebte, ein verschollener Sohn, ein Präsident beim Vaterschaftstest. Bolivien erlebt eine Seifenoper, inklusive Festnahmen – seither geht es für Evo Morales bergab.

La Paz (dpa) – Es war alles so schön für Evo Morales. Im Januar referiert er zum zehnjährigen Amtsjubiläum fünf Stunden lang einen Erfolg nach dem anderen. Draußen in der sengenden Hitze fallen die ersten Soldaten seiner Leibgarde um, einer fast ins Bajonett. Kein Präsident führt Bolivien so lange wie der frühere Kokabauer, mit dem Geld aus dem Gasgeschäft hat er zum Beispiel La Paz das weltweit größte urbane Seilbahnnetz beschert. Doch die Sonnenkönig-Zeiten sind nun passé.

Es ist eine Seifenoper, eine Telenovela, die sich kein Regisseur besser hätte ausdenken könnte. Los ging es Anfang Februar mit einer Veröffentlichung des Journalisten Carlos Valverde. Er enthüllt mitten im Wahlkampf für ein Referendum, das Morales per Verfassungsänderung die Option auf eine vierte Amtszeit bis 2025 bescheren soll, eine pikante Liebesaffäre mit der damals 19-jährigen Gabriela Zapata 2007.

Daraus soll ein Sohn hervorgegangen sein (Morales hat zwei weitere mit anderen Frauen), der – passend für einen sozialistischen Vater – den Namen Ernesto Fidel bekam. Morales räumte das ein, der Sohn sei aber kurz nach der Geburt gestorben. Doch damit begann die Story erst.

Zapata stieg in den Folgejahren rasch auf und wurde schließlich Managerin beim chinesischen Unternehmen CAMC Engineering. Dieses bekam vom bolivianischen Staat Aufträge für rund 570 Millionen US-Dollar.

Für die Opposition ein gefundenes Fressen: Vetternwirtschaft lautete der Vorwurf. Morales sagte, er habe den Kontakt damals abgebrochen, dann tauchten aktuelle Bilder auf, die sie zusammen zeigten. Morales verlor schließlich das Referendum am 21. Februar knapp, die erste schwere Niederlage für den indigenen Staatschef vom Stamm der Aymara.

Und seither klebt dem Hobby-Fußballer, der Gegenspieler schon einmal etwas ruppig umtritt, das Pech an den Füßen. Morales beschimpfte Valverde als «CNN-Korrespondenten in Bolivien», zudem sei er «ein Drogenhändler». Der US-Sender erklärte, Valverde sei gar nicht ihr Korrespondent. Er wurde zu den Enthüllungen nur von CNN interviewt.

Dann wurde das Ganze zum Krimi: Kurz nach der Pleite beim Referendum wurde Zapata festgenommen – wegen des Vorwurfs der Bereicherung und Vetternwirtschaft. Sie sitzt bis heute im Frauengefängnis in La Paz.

Morales bestreitet alle Vorwürfe, aber sein Saubermann-Image hat schweren Schaden genommen. Dann behauptete Zapata, der Sohn Ernesto Fidel sei gar nicht gestorben, er lebe noch – und bezeugte das vor einem Familienrichter. Ende April musste Morales bei einem Institut vorfahren, um einen Vaterschaftstest zu machen.

Zapata wurde aus dem Gefängnis zu dem Test-Institut gebracht. Sie verweigerte aber einen Test, weil sie erst kurz nach Morales‘ Abfahrt dort war und auf einen gemeinsamen Test der Beiden zusammen mit dem Sohn bestand, der angeblich «in fünf Minuten» hätte dorthin gebracht werden können.

«Der Sohn wurde am 30. April 2007 um 11.30 Uhr in La Paz geboren», behauptet ihr Anwalt Eduardo León. Demnach wäre er neun. Aber selbst der Enthüllungsjournalist Valverde, der sich wie Zapata bedroht fühlt, sagt inzwischen, es gebe diesen Sohn gar nicht.

Am Dienstag nun eine weitere Nuance: Die Tante Zapatas, die mehrfach öffentlich gesagt hatte, der Sohn lebe, wurde festgenommen; der Vorwurf lautet auf Menschenhandel. Angehörige glauben, sie solle mundtot gemacht werden. Auch der Anwalt León wurde von der Polizei festgenommen.

Justiz und Parlament werden durch den Fall mächtig auf Trab gehalten. Eine Richterin hat die «physische Inexistenz» des Kindes attestiert – aber Zapata befürchtet, dass ihr das Kind sofort weggenommen würde. Aus dem Gefängnis legt sie per Telefoninterview mit einem Radiosender nochmal nach: Sie sei sogar zweimal von Morales schwanger gewesen.

Noch ein weiteres Kind? Nein, hier wurde abgetrieben. Wenn es denn stimmt. Und Morales? Der wettert: «Alles Lüge.» Eine Verschwörung der Rechten stecke dahinter. Dem Volk sagt er gerne, er sei Junggeselle und kenne doch nur eine Liebe: «Ich bin mit Bolivien verheiratet.»

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