Deutschland spendet 140 Millionen Pesos ans Rote Kreuz

Brandkatastrophe in Chile

Deutschland spendet an das Rote Kreuz Chile
Symbolische Übergabe der Spende: der deutsche Botschafter Rolf Schulze (zweiter v. li.), Patricio Acosta, Vorsitzender des Roten Kreuzes Chile, und der chilenische Außenminister Heraldo Muñoz

Die Bundesregierung hat dem Roten Kreuz Chile 140 Millionen Pesos (umgerechnet rund 200.000 Euro) gespendet, um die Löscharbeiten zu unterstützen und den Opfern der Brandkatastrophe Hilfe zukommen zu lassen. Der Kampf gegen die schweren Feuer geht unterdessen weiter.

Von Arne Dettmann

«Chile und Deutschland verbindet eine enge, traditionsreiche Freundschaft, die nicht nur auf Wörtern beruht», erklärte der deutsche Botschafter in Chile, Rolf Schulze, am Mittwoch im Sitz vom Roten Kreuz in Santiago und übergab symbolisch einen Scheck der Bundesregierung in Höhe von 140 Millionen Pesos. Mit der Spende will die Hilfsgesellschaft unter anderem Brandschutzmasken, -helme, -brillen und -handschuhe kaufen, die für die Brandbekämpfung dringend benötigt werden. Zudem sollen die Opfer der Feuerkatastrophe geholfen werden.

Anwesend waren der chilenische Außenminister Heraldo Muñoz sowie der Vorsitzende des Roten Kreuzes Chiles, Patricio Acosta. Am Tag zuvor hatte der chilenische Staatssekretär Edgardo Riveros von den beiden Bundestagsabgeordneten Franz-Josef Jung und Bernhard Kaster, die sich zu bilateralen Gesprächen in Chile eingefunden hatten, die Zusage dieser Spende erhalten. Botschafter Rolf Schulze betonte zudem, dass Deutschland sowohl bei der Wiederaufforstung der abgebrannten Wälder als auch bei der zukünftigen Brandprävention mit Chile zusammenarbeiten werde.

Der Kampf gegen die schlimmsten Waldbrände in der Geschichte Chiles geht unterdessen weiter. Laut dem Katastrophenschutz Onemi waren bis zum Mittwoch 59 Brände unter Kontrolle gebracht und 9 komplett gelöscht worden; 83 Feuer entfalten aber nach wie vor ihre zerstörerische Kraft. In den vergangenen zwei Wochen sind ungefähr 370.000 Hektar Land durch die Flammen vernichtet worden. Das entspricht der vierfachen Fläche Berlins. Bislang wurden 4.000 Menschen obdachlos, elf kamen ums Leben. Etwa 1.000 Häuser brannten vollständig ab.

Insgesamt sind fast 20.000 Menschen – darunter Feuerwehr, Polizei, Heer, ausländische Hilfskräfte – im Einsatz gegen die Flammen. 32 Hubschrauber und 12 Flugzeuge versuchen aus der Luft die Feuer zu bekämpfen, darunter der sogenannte Supertanker – eine Boeing 747-700 – aus den USA, das größte Löschflugzeug der Welt, das pro Flug 72.000 Liter Wasser abwerfen kann. Auch ein Flugzeug Typ Iljuschin II-76 aus Russland beteiligt sich bei der Brandbekämpfung.

Die Lage im Zentrums Chile um die Hauptstadt Santiago und Valparaíso entspannte sich in der Zwischenzeit. Die unkontrollierten Feuerherde liegen nun verstärkt in den südlichen Regionen Maule und Biobío.

Auch die Suche nach einer Erklärung, was dieses Flammeninferno ausgelöst haben könnte, geht weiter. Bisher wurden 85 Personen wegen des Verdachts der Brandstiftung vorläufig festgenommen. Gegen 21 von ihnen wird konkret ermittelt. Ob eine koordinierte Aktion dahintersteckt und wirklich alle Feuer durch Brandstiftung zu erklären sind, wird derzeit in den Medien und der Öffentlichkeit diskutiert. Auch mangelhafte Instandhaltung der Stromleitungen sowie Brandrodung in der Landwirtschaft gelten als mögliche Quellen. In beiden Szenarien wird wegen Fahrlässigkeit ermittelt. Als Hauptursache für die Ausbreitung der Brände gilt die dramatische Trockenheit bei Temperaturen von über 35 Grad bei starken Winden.

Die Brände haben laut Angaben der chilenischen Forstbetriebe bisher rund 70.000 Hektar Nutzholzfläche zerstört, wie der Verband der chilenischen Holzwirtschaft (Corma) am Dienstag bekannt gab. Der kommerzielle Schaden wird auf 350 Millionen US-Dollar veranschlagt.

Dem in den sozialen Medien kursierenden Gerücht, die Fortbetriebe hätten selbst Feuer gelegt, um für die abgebrannten Waldflächen Versicherungsgelder zu kassieren, wies Corma-Präsident Fernando Raga als «absurd» zurück. Von den kleinen- und mittelständischen Unternehmen würden nur drei Prozent über eine solche Versicherung verfügen. Die Feuerversicherungen der größeren Fortbetriebe würden zudem erst Schadensersatz bei viel höheren Verlustsummen zahlen. Fernando Raga: «Die Hauptinvestition in der Forstwirtschaft liegt in den angebauten Wäldern. Wer würde die Wurzel seines eigenen Geschäfts schon zerstören wollen?»

Das chilenische Landwirtschaftsministerium beziffert die vom Feuer betroffenen Waldflächen mit folgender Aufteilung: 57,1 Prozent Forstgebiete; 21,8 Prozent Buschholz und 18,4 Naturwald; Agrar- und Wohnflächen machen 2,7 Prozent aus. Laut Eduardo Peña, Forstingenieur von der Universidad de Concepción, wird es zwischen 15 bis 20 Jahre dauern, bis sich der Naturwald vollständig vom Feuer erholt und sich sein ursprünglicher Bestand wiederhergestellt hat.

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