Chiles erster demokratischer Präsident nach der Diktatur ist tot

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Santiago de Chile (dpa/ade) – Der chilenische Ex-Präsident Patricio Aylwin ist im Alter von 97 Jahren gestorben. Aylwin verstarb am Dienstagmorgen (Ortszeit) in seinem Wohnhaus in Santiago de Chile, wie das Präsidialamt bestätigte. Die Beerdigung fand heute, am Freitag, den 22. April, in Santiago de Chile statt.

Der Christdemokrat war das erste demokratisch gewählte Staatsoberhaupt nach der Militärdiktatur von Augusto Pinochet (1973-1990). Er initiierte in seiner ersten Amtszeit von 1990 bis 1994 den chilenischen Transitionsprozess. Aylwins Politik war geprägt von Vorsicht und Zurückhaltung, um den Weg zum demokratischen Rechtsstaat nicht zu gefährden.

«Chile hat einen Demokraten verloren, der sich darauf verstand, über Unstimmigkeiten und Differenzen hinweg einen gemeinsamen Nenner zu finden», schrieb Chiles Staatschefin Michelle Bachelet auf Facebook. Als Präsident habe Aylwin einen großen Teil zur Einheit und zum Wiederaufbau Chiles beigetragen. Bachelet ordnete eine dreitägige Staatstrauer an und sagte ihre Reise zum Klimagipfel in New York ab.

Aylwin wurde am 26. November 1918 in Viña del Mar geboren. Er studierte Jura, Politik und Sozialwissenschaften an der Universidad de Chile und war dort sowie später an der Universidad Católica als Professor tätig. Er engagierte sich früh politisch und war mehrere Male Vorsitzender der Demócrata Cristiana (DC), der Christdemokratischen Partei Chiles.

Im Jahr 1965 wurde er als Senator in den Nationalkongress gewählt. Der als gemäßigt links geltende Politiker Aylwin führte die parlamentarische Opposition gegen Präsident Salvador Allende. Nach dem Putsch durch General Augusto Pinochet 1973 und der Machtübernahme durch das Militär blieb Aylwin bis 1976 Vorsitzender der Christdemokraten. Er trat 1980 gegen die Verfassungsänderung ein, mit der das Pinochet-Regime seine Macht legitimieren wollte.

Nach der Volksabstimmung 1988, bei der sich die Mehrheit der chilenischen Bevölkerung gegen eine Fortführung der Amtszeit Pinochets aussprach, wurde Aylwin zum Kandidaten des Mitte-links-Bündnisses Concertación und schließlich am 14. Dezember 1989 zum Staatspräsidenten gewählt.

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