«Bei Erneuerbaren Energien hinkt Chile hinterher»

«Klimawoche» der Konrad-Adenauer-Stiftung

Teilnehmer der ersten Gesprächsrunde auf der Klimawoche: Die Moderatorin Paula Molina, Journalistin bei Radio Cooperativa, Carolina Goic, DC-Senatorin und Präsidentschaftskandidatin, Marina Hermosilla Diez von dem Unternehmerverband gegen den Klimawandel, Patricio Camoglino vom Büro für Nachhaltigkeit an der Universidad Católica, sowie der Journalist und Autor Raúl Sohr. Foto: Arne Dettmann
Teilnehmer der ersten Gesprächsrunde auf der Klimawoche: Die Moderatorin Paula Molina, Journalistin bei Radio Cooperativa, Carolina Goic, DC-Senatorin und Präsidentschaftskandidatin, Marina Hermosilla Diez von dem Unternehmerverband gegen den Klimawandel, Patricio Camoglino vom Büro für Nachhaltigkeit an der Universidad Católica, sowie der Journalist und Autor Raúl Sohr. Foto: Arne Dettmann

 

Chile habe zwar den Weg der Erneuerbaren Energien eingeschlagen, hätte dort aber schon viel weiter sein können, kritisierte der Journalist und Autor Raúl Sohr zum Auftakt der «Klimawoche» der Konrad-Adenauer-Stiftung an diesem Dienstag.

 

Von Arne Dettmann

«In Sachen Erneuerbare Energien ist Chile ein Spätzünder und hinkt hinterher. Erst seit zwei Legislaturperioden gibt es ein Energieministerium, vorher existierte nicht einmal eine nationale Strategie bei der Energieversorgung», erklärte Raúl Sohr und zählte Brasilien und Deutschland auf, wo sich grüner Strom dank der Politik viel stärker entwickelt habe. Das in Chile eingeführte Modell zur Vergütung von Strom aus kleinen Photovoltaik- oder Windkraftanlagen – genannt Netbilling – bezeichnete er dagegen als «Netbullying», weil die Privathaushalte für ihren erzeugten Strom 50 Prozent weniger bezahlt bekämen als die großen Energieerzeuger, also sprich gemobbt werden. «Deutschland ist Vorreiter bei regenerativen Energiequellen, weil der Wille dazu da war. Wenn dieser in Chile nicht vorhanden ist, dann geht es so weiter wie bisher.»

Carolina Goic, Präsidentschaftskandidatin der Christdemokratischen Partei (DC) Chiles, teilte diese Einschätzung. Der Einsatz des fossilen Brennstoffes Kohle erhalte in Chile weiterhin Unterstützung, «ein Ding der Unmöglichkeit», entrüstete sich Goic. «Offenbar ist die Lobby dieser Branche bei uns absolut präsent.» Sie forderte, dass der Staat klare Regeln zu Gunsten von Erneuerbaren Energien schaffen müsse und die Unternehmen dann mitziehen sollten. «Jetzt ist die Gelegenheit die Zukunft anders zu gestalten.»

Marina Hermosilla Diez als Vorsitzende der Unternehmervereinigung gegen den Klimawandel appellierte an die Firmen, sich den Herausforderungen zu stellen, Verantwortung zu übernehmen und den Klimaschutz in ihr Handeln aufzunehmen – ein Aufruf, dessen Nutzen Raúl Sohr stark in Zweifel zog: Die Haupteinnahmequelle Chiles sei der Bergbau, erwiderte er. Und dort herrsche noch immer eine konservative Einstellung vor, die Erneuerbare Energien als unsicher betrachte und fossile Quellen bevorzuge.

Dabei könnte Chile zu 100 Prozent seinen Bedarf aus Erneuerbaren Energien decken, erklärte der österreichisch-chilenische Journalist, der mehrere Bücher zu diesem Themenkomplex veröffentlicht hat. Chile verfüge im Norden nicht nur über eine extrem hohe Sonneneinstrahlung, ideal für Solaranlagen, sondern könnte dank seiner vielen Vulkane auch Geothermie nutzen, deren Potenzial er auf 16.000 MW bezifferte. «Doch wir verwenden davon genau null.» In Neuseeland liefere Erdwärme dagegen schon 1.000 MW des elektrischen Stroms. «Wenn das dort geht, warum nicht bei uns?»

Die Konferenz am Dienstag bildete den Auftakt zur Klimawoche, die noch bis diesen Freitag in den Räumen der Telefónica-Stiftung stattfand. Zur Eröffnung waren auch der chilenische Umweltminister Marcelo Mena sowie der deutsche Botschafter Rolf Schulze erschienen. Dieser unterstrich in seiner Rede die Unterstützung seines Landes durch die hiesige Arbeit der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), der Fraunhofer-Gesellschaft sowie der Deutsch-Chilenischen Industrie- und Handelskammer (Camchal). Zudem erinnerte er daran, dass das deutsche Unternehmen wpd zukünftig einen Windpark mit 50 Rotoren in der Araucanía errichten werde, dessen Investitionsvolumen sich auf 300 Millionen US-Dollar belaufe.

Die Veranstaltungsreihe mit dem Titel «Nachhaltiges Santiago – Gemeinsam gegen den Klimawandel» beinhaltete neben Vorträgen und Konferenzen auch Workshops für Schulen sowie eine Messe für nachhaltiges Bauen.

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