Er ist erst kürzlich zum Vorstandsmitglied der Corporación Cultural der Frutillarer Musikwochen ernannt worden. Emilio Luppi, ein Mann der jahrzehntelang in der Milchindustrie tätig war und sich als großer Musikliebhaber bezeichnet, unterhielt sich mit dem Cóndor über seine Ansichten und die Pläne, die gegenwärtig in dieser Einrichtung ausgearbeitet werden. Ein wichtiges Thema, wo doch Frutillar mehr und mehr zum internationalen Kulturzentrum heranwächst.
Cóndor: Wie kam es zu Deiner Ernennung zum Beirat der Corporación Cultural?
Emilio Luppi:
Es war recht eigenartig, denn ich hatte mit den Musikwochen keinen näheren Kontakt, außer natürlich dass ich seit vielen Jahren Mitglied der Corporación bin, aber nicht direkt an ihren Aktivitäten teilnahm. Nun bin ich pensioniert und dank meines Vaters, Emilio Luppi Gallardo, der ein sehr bekannter Musiklehrer in der Provinz Llanquihue war – und sein Schatten ist auf mich gefallen – haben sich einige Freundschaftsnetze gebildet, die zu meiner Ernennung als Vorstandsmitglied geführt haben. Es ist die erste Saison der Musikwochen, an der ich als Vorstandsmitglied der Corporación Cultural teilnehme. Ich befinde mich zurzeit in einem Lernprozess und denke, dass dabei viel Gutes gelingen kann.
Was tatest Du beruflich bis zu Deiner Pensionierung?
Ich arbeitete seit 1972 an der hiesigen Molkerei, die sich heute Lácteos Frutillar nennt und wo ich die letzten Jahre als Verwalter angestellt war.
Warum bist Du Mitglied der Musikwochen geworden?
Als ich seinerzeit in Frutillar mit meiner Arbeit begann, haben mir die leitenden Angestellten der Molkerei nahegelegt, Mitglied zu werden. Das tat ich dann auch, aber nicht etwa aus fehlendem Interesse, sondern aus Zeitmangel bin ich nie richtig aktiv geworden. Mit dem Ruhestand hat sich das geändert.
Die Konzerte hast Du aber sicherlich besucht?
Klar, meistens ging ich hin. Außerdem spielte ich in verschiedenen Ensembles mit, die mein Vater leitete. Schon mit 14 Jahren spielte ich im Blasorchester von Loncotoro Klarinette. Als die Kapelle der Schule Germania von Puerto Varas gegründet wurde, war ich von Anfang an dabei. Ebenso das Ensemble von Frutillar, bei dem ich Gründungsmitglied, Klarinettist und später auch Saxophonist war.
Es ist allgemein bekannt, dass die Semanas Musicales recht bescheiden als Laienchorveranstaltungen begonnen haben. Heute ist der Ablauf hochprofessionell und das Festival ist zum wichtigsten des chilenischen Sommers schlechthin geworden. Es ist somit eine große Verantwortung, die auf Euren Schultern lastet. Wie stellst Du Dir die Zukunft vor?
Ich denke, dass die Professionalisierung hierbei eine wichtige Rolle spielt. Bisher war die Organisation der Festspiele mit viel Arbeit und ebensoviel gutem Willen verbunden. Ich hoffe, dass dieser Tatbestand sich in Zukunft nicht ändert. Wie oft beobachtet man, dass Dinge, die sich zusehends vergrößern, ihren Horizont verlieren, was zum Beispiel die Umgangsformen und die menschliche Wärme anbetrifft. Dieser Geist muss im Vorstand fortbestehen und ich denke, dass Flora Inostroza eine Könnerin ist, deren Leistungen von grundlegendem Wert gewesen sind. Wir sollten alle besorgt sein, diese Richtung auch in Zukunft einzuschlagen. Sämtliche Vorstandsmitglieder tun ihre Arbeit ad honorem mit großer Lust, dass alles gut gelingen möge. Das ist der Geist, der uns regiert.
Gegenwärtig ist Frutillar darum bemüht, das Teatro del Lago im Novemeber fertigzustellen und einzuweihen. Das ist bekanntlich ein Bicentenario-Projekt, welches erfüllt werden muss. Werdet Ihr das schaffen?
Dazu ist zu sagen, dass hier zwei Wege beschritten werden. Einer von der Corporación Semanas Musicales und der andere von der Corporación Teatro del Lago, die von einer anderen Institution geleitet wird. Wir als Musikwochen sind in einem geringen Prozentsatz an diesem Projekt beteiligt. Was uns heute am meisten sorgt, ist, dass sich die Musikwochen finanzieren. Andererseits ist die Gesellschaft des Theaters darum bemüht, den Bau zu finanzieren und zeitig fertigzustellen. Wir haben ein Abkommen mit ihnen, welches uns das Recht einräumt, während der sommerlichen Musikwochen kostenlos von dem Theater Gebrauch machen zu können.
Bisher muss derjenige, der in den Musikwochen auftritt, sich darum bewerben. Nun, da Frutillar die Schwelle zum international bekannten Festival überschritten hat, glaubst Du an die Möglichkeit, hierbei etwas ändern zu können? Man kann ja nicht von Weltberühmtheiten verlangen, dass sie sich um einen Auftritt bemühen und doch hätte man sie gerne in Frutillar auf der Bühne.
Idealerweise sollten die Frutillarer Musikwochen sich in ein Tor verwandeln, das sich zur Welt öffnet, damit hauptsächlich die jungen Kräfte eine Plattform haben, die so wichtig erscheint, dass wir sie nicht einmal rufen müssen, damit sie kommen. Frutillar ist eine Art Sprungbrett in die Musikwelt. Zum anderen kommen auch Künstler mit Prestige und Lebenslauf. Wir müssen einen Mittelweg finden, damit auch sie hier auftreten können.
Wenn man wie Du in einen Vorstand gewählt wird, dann hat man üblicherweise den Wunsch, einen persönlichen Beitrag zu leisten. Und der wäre in Deinem Fall?
Schwer zu sagen, ich fange ja gerade erst an. Ich habe mir vorerst zum Ziel gesetzt, die Musikwochen gut kennenzulernen. Wenn ich damit soweit bin, dann denke ich, mit einigen Ideen Beiträge leisten zu können.
Welchen Stellenplatz hat die Musik in Deiner Freizeitgestaltung?
In meiner Freizeit spiele ich Akkordeon. Damit verbringe ich mehrere Stunden am Tag. Dazu singe ich im Männerchor von Frutillar und bin in der Stadtplanung beteiligt.
In der Stadt hat sich in letzter Zeit einiges geändert, so zum Beispiel der Straßenzugang zum Teatro del Lago. Seid Ihr an diesen Projekten beteiligt?
Der Bürgermeister ist zurzeit damit beschäftigt, ein Projekt zur Neugestaltung der Straße auszuarbeiten, die an dem See entlangläuft. Der nördliche Teil ist bereits entschieden. Später soll die südliche Teilstrecke, wo das Theater steht, geändert werden. Wir sind darüber mit dem Rathaus im Gespräch. Das Teatro del Lago plant ebenso, ein integrales Projekt vorzulegen.
Alle Beteiligten messen wir der Tatsache große Wichtigkeit bei, dass das typische an unserer Stadt, ihr Stil, erhalten bleibt und dass dies, wenn Änderungen durchgeführt werden, berücksichtigt wird. Wer Frutillar besucht, der möchte sich an der Naturschönheit und an der einzigartigen Architektur unserer Stadt erfreuen. Unsere Aufgabe ist es daher, diese um jeden Preis zu pflegen.
Dabei wünschen wir Euch Erfolg. Vielen Dank auch für dieses
Gespräch.
Walter Krumbach
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