Zweites Musikfestival der Universidad Talca

Beethoven kommt in die chilenische Region

Olaf Niessing
Olaf Niessing

Vom 20. August bis zum 14. September blüht die Universidad Talca musikalisch auf: Mit finanzieller Unterstützung der deutschen Botschaft lädt die Hochschule zu den zweiten Jornadas Musicales de Invierno ein.

 

Von Arne Dettmann

«Alle Menschen werden Brüder» lautet der Titel des vierwöchigen Festivals. Und entsprechend diesem Motto spielt das Orchester der Universität in der Aula Magna zum Eröffnungskonzert die 9. Sinfonie von Beethoven. Elf weitere Konzerte folgen. Darüber hinaus bietet das Festival mehrere Meisterkurse an sowie ein musikwissenschaftliches Seminar zum Thema Beethoven. Dazu hat die Hochschule Professoren aus Deutschland, den USA, Venezuela, Brasilien, Argentinien sowie selbstverständlich Chile eingeladen.

Federführend bei der Organisation dieser Veranstaltungen war wie schon im Vorjahr Olaf Niessing, Leiter der Musikschule. «Sehen Sie zu, dass das Festival größer wird und sich fest etabliert» – mit dieser Aufforderung sei der Rektor der Universität, Dr. Álvaro Rojas, an ihn herangetreten. Ein weiteres Anliegen sei gewesen, die Musik für alle zugänglich zu machen, denn die Region Maule mit ihrer Hauptstadt Talca zählt zu den strukturschwachen und ärmeren Regionen Chiles. «Der Eintritt für alle Konzerte ist daher frei», erklärt Olaf Niessing.

Auch der Kinderchor der Universität verlangt für die Mitglieder keine Extra-Ausgaben hinsichtlich einer einheitlichen Tracht. «Viele Eltern sind finanziell einfach nicht in der Lage, noch zusätzlich Geld für eine solche Kleidung auszugeben», berichtet Olaf Niessing. Die deutsche Botschaft unterstützt das Festival finanziell aber auch noch aus einem anderen Grund: «Musik zu fördern und insbesondere dabei nach dem föderalistischen Prinzip auch die Regionen nicht zu vergessen war uns wichtig», erläutert Kulturreferent Udo Ewertz.

 

Universidad Talca mit Verbindungen zur deutsch-chilenischen Gemeinschaft

Dass Beethoven aber nun nach Talca kommt, ist kein Zufall. Universitätsrektor Dr. Álvaro Rojas besuchte als Kind und Jugendlicher das Liceo Alemán in Santiago, studierte anschließend in Deutschland dank eines Stipendiums der Konrad-Adenauer- sowie der Alexander-von-Humboldt-Stiftung. Er war zudem chilenischer Botschafter in der Bundesrepublik und erhielt 2015 als Auszeichnung das Bundesverdienstkreuz. An der Kooperationsvereinbarung seiner Universität mit dem deutschen Lehrerbildungsinstitut (LBI) war Rojas maßgeblich beteiligt.

Olaf Niessing wiederum kennt Chile schon seit mehr als zwei Jahrzehnten, in denen der studierte Musiker praktisch jährlich als Gastdozent hierher kam. Der Deutsche arbeitete dabei zusammen mit der Escuela de Música der Stiftung Papageno in Villarrica und absolvierte als Mitglied eines Kammermusik-Ensembles Auftritte beim Deutsch-Chilenischen Bund (DCB) sowie beim Goethe-Institut und dem Teatro del Lago. Seit 18 Monaten ist er nun mit seiner Frau und den drei Kindern nach Talca gezogen, wo er an der Universität eine Professur für Violoncello innehat.

Und seit vier Wochen probt er intensiv mit dem Uni-Orchester für das bevorstehende Festival. Das Ensemble umfasst 75 Musiker, hinzukommen zu den Konzerten noch einmal 120 Sänger des Uni-Chores auf die Bühne. In die Aula Magna passen ungefähr 600 Zuhörer. Doch wenn es nach ihm geht, soll das Festival im kommenden Jahr noch größer werden. Olaf Niessing: «Wir wollen Leben in die Bude bringen!»

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