Wunderkörner der Inka

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Von Petra Wilken

Zwei der ältesten und nährstoffreichsten Nutzpflanzen der Menschheit waren lange in Vergessenheit geraten. Seit den 1990er Jahren feiern Quinoa und Amarant jedoch ihr Comeback und haben als «heilige Wunderkörner der Inkas» ihren Siegeszug auf dem immer größer werdenden Markt für gesunde, ökologische Ernährung angetreten.
Quinoa (Chenopodium quinoa) und Amarant (Amaranthus) gehören zu der Familie der Fuchsschwanzgewächse und sind somit mit Spinat und Rüben verwandt. Es sind getreideähnliche Pflanzen, die jedoch den Vorteil haben, glutenfrei zu sein und gleichzeitig mehr Mineralien und Vitamine als gängige Getreidearten zu enthalten. In den Anden wurden die anspruchslosen Pflanzen seit tausenden Jahren auf den Höhenlagen angebaut, auf denen Mais nicht mehr gedeihen kann.
Amarant-Samen wurden in knapp 9.000 Jahre alten Gräbern in Mexiko nachgewiesen. Neben Quinoa und Mais waren sie die Hauptnahrungsmittel der Azteken, Maya und Inka. Während der spanischen Eroberungszüge im 16. Jahrhundert wurde der Anbau von Quinoa und Amarant verboten und unter Todesstrafe gestellt, um die einheimischen Völker zu schwächen. Somit blieben die als «unchristlich» eingestuften Nahrungsmittel in Europa bis in das 20. Jahrhundert hinein nahezu unbekannt und gerieten auch in Südamerika in Vergessenheit.
Während es von der Amarant-Pflanze weltweit 60 Arten gibt, die auf allen Kontinenten kultiviert werden, wurde das bis dahin nur in Südamerika angebaute Quinoa erst im Jahr 1993 plötzlich international bekannt. Das lag an einem Bericht der NASA, der die Pflanze für die Nutzung in Raumstationen und Kolonien im Weltall empfahl. Eine einseitige Ernährung mit Quinoa würde den menschlichen Organismus mit allen essentiellen, also lebensnotwendigen Aminosäuren versorgen. Einzigartig ist der hohe Gehalt an Lysin, der in anderen Pflanzen nicht oder nur unzureichend in kleinsten Mengen vorkommt. Die Quinoapflanze besitzt darüber hinaus große Mengen an Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen.
Die Vereinten Nationen erklärten 2013 zum Jahr der Quinoa. Das perfekte Grundnahrungsmittel, das hauptsächlich in Peru, Bolivien und Ecuador angebaut wird, soll helfen, den Hunger auf der Welt, gerade in Zeiten des Klimawandels, zu bekämpfen. Inzwischen hat die Quinoa den Speiseplan der Welt erobert. Die mineralstoffreichen Blätter werden als Gemüse oder Salat verzehrt. Die Samen lassen sich gut anstelle von Reis als Beilage verwenden und werden auch ganz ähnlich, nur kürzere Zeit, in Wasser gekocht. Sie haben einen nussigen, leicht bitteren Geschmack.
Quinoa kann entweder roh oder gekocht verzehrt werden. Grundsätzlich spült man Quinoa vor jedweder Zubereitungsart gut unter fließendem Wasser ab. Für Frisch-«Korn»-Müslis kann Quinoa – genau wie Getreide – geschrotet und eingeweicht werden. Manche rösten das ganze Korn und geben dieses in Müslis oder in Salate.

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