Whale Watching in Chile: Die Meeresriesen hautnah erleben

Buckel-, Zwerg- und sogar Blauwale können gesichtet werden

Wale beobachten: Aufgrund seiner langen Küste und dem reichen Nahrungsvorkommen für die Meeresriesen ist Chile fürs Whale watching bestens geeignet.
Wale beobachten: Aufgrund seiner langen Küste und dem reichen Nahrungsvorkommen für die Meeresriesen ist Chile fürs Whale watching bestens geeignet.

 

Chile ist nach Brasilien das Land, wo man am meisten Wale beobachten kann. Schätzungsweise 15 Arten gibt es weltweit, mehr als die Hälfte davon zieht die fast 5.000 Kilometer lange Küste des Landes entlang.

 

Von Fernanda Neisskenwirth

Faszination Wale: Sie sind die größten Lebewesen der Welt – Blauwale zum Beispiel werden 30 Meter lang und wiegen bis zu 180 Tonnen; sie können bis zu 200 Jahre alt werden; sie leben im Meer – sind aber Säugetiere; und trotz all dieser Besonderheiten wissen wir noch so wenig über sie.

Diejenigen, die in Chile zu sehen sind, folgen meistens einen Migrationszyklus. Im chilenischen Winter befinden sie sich in tropischen Gewässern, um sich dort zu vermehren, weil das wärmere Wasser dafür ideal ist. Danach schwimmen sie Richtung Süden, wo sie Nahrung suchen. Da vor den chilenischen Küsten der Humboldt- und der Südantarktis-Strom aufeinandertreffen, herrscht dort ein kaltes- und sauerstoffreiches Wasser, was auch mehr Nährstoffe und deswegen mehr Nahrung enthält. Deswegen sind zwischen November und April an verschieden Küstenabschnitten des Landes am meisten Wale zu sehen.

Sie ernähren sich hauptsächlich von Krill und können Täglich bis zu zwei Tonnen fressen, erklärt der Präsident der Organisation Phantalassa, Frederic Toro. «Man kennt die genauen Migrationswege nicht, und man untersucht noch, ob überhaupt alle Wale dorthin schwimmen.»

 
Wale und der Klimawandel

Greg Landreth und seine Frau Keri Pashuk navigieren und wohnen schon seit fast 30 Jahren auf ihrer Segeljacht «Northanger» und beobachten Wale im südlichsten Teil der Erde. Greg führt eine Untersuchung durch, deren Ziel ist zu verstehen, warum im 2015 mehr als 350 Wale in den Küsten Patagoniens gestrandet sind. Bis jetzt weiß man nur, dass die Veränderung der Meerestemperatur dabei eine Rolle spielt.

«Man hat zudem bemerkt, dass die Routen der Wale sich in den letzten Jahren enorm verändert haben. Im Beagle-Kanal gab es früher keine zu sehen, heutzutage findet man sehr viele. Das hat auf jeden Fall etwas mit dem Klimawandel zu tun.»

Buckel-, Zwerg- und sogar Blauwale können in den chilenischen Gewässern gesichtet werden. Mehrere Ausgangspunkte bieten sich fürs Whale watching an.
Buckel-, Zwerg- und sogar Blauwale können in den chilenischen Gewässern gesichtet werden. Mehrere Ausgangspunkte bieten sich fürs Whale watching an.

Seit Anfang der 1980er Jahre ist in Chile die Waljagd verboten. Seit 2008 stehen die Tiere zudem unter dem besonderen Schutz als «Monumento Nacional». Die meisten Arten, die einmal vom Aussterben bedroht waren, gelten heute «nur noch» als gefährdet.

In Chile gibt es vier Orte, wo man während der Hauptsaison am besten Wale sichten kann. Sie reichen vom nördlichsten bis zum südlichsten Zipfel. Und mit ein bisschen Geduld und Glück sieht man dann einen Meereskoloss im Wasser – ein unvergleichlich schönes Erlebnis.

 

Reserva Nacional Pinguinos de Humbolt

Die Reserva Nacional umfasst drei Inseln: Chañaral, Damas und Choros. Vor Ort sind Buckel-, Zwerg und sogar Blauwale während der Migration zu sehen. Sie kommen aus den Tropen und machen dort einen Zwischenstopp, um später in Richtung Antarktis weiterzuziehen.

Die Insel Chañaral befindet sich auf der Höhe von Chañaral de Aceituno, cirka 120 Kilometer nördlich von La Serena. Die Gegend besitzt wahrscheinlich den einfachsten Zugang, denn für manche glücklichen Besucher sind Wale aus der Küste schon zu sehen.

 

Caleta Puñihuil

In der Region de los Lagos, in der Umgebung der Insel Chiloé, wurde der weltweite Rekord an Blauwalbesichtigungen auf der Südhalbkugel verzeichnet. Schätzungsweise mehr als 300 Exemplare sind dort zu bewundern. Experten raten Besuchern die Caleta Puñihuil (25 Kilometer von Ancud) als Ausgangsort zu wählen. Dort befinden sich auch mehrere spezialisierte Agenturen mit den geeigneten Boten. Die Ortschaft liegt fürs Whale watching besonders günstig, da dort viel Krill und Phytoplankton den Säugetieren zur Nahrungsaufnahme dienen.

 

Melinka

Ein bisschen versteckter befindet sich die Ortschaft Melinka, im Archipiélago de las Guaitecas, in der Region von Aysén. Die Anfahrt ist zwar ein bisschen komplizierter als nördlichere Aussichtspunkte, aber der Weg soll sich lohnen, denn seitdem im Jahr 2003 der Meeresbiologe Rodrigo Hucke eine Studie über neue Ernährungsmöglichkeiten und Erholung der Blauwale veröffentlichte, hat sich dort der entsprechende Tourismus entwickelt. «Archipiélagos de la Patagonia» beispielsweise ist ein spezialisiertes Unternehmen, das Bote für bis zu 28 Passagieren bereithält. Wer Glück hat, kann Blau-, Buckel-, Sei- und sogar Schwertwale sehen.

 

Parque Marino Francisco Coloane

Der Parque Marino Francisco Coloane ist der südlichste erreichbar Punkt, von dem aus Wale beobachtet werden können. In der Nähe der Insel Carlos III. sind sehr gut Buckel- und Sei-Wale zu sehen – von den Buckelwalen sollen schon mehr 100 Exemplare gesichtet worden seien. Der Park gilt nicht nur aufgrund der Meeresriesen als besonders magisch, sondern vor allem aufgrund seiner Landschaft aus Urwäldern, Bergen und Kanälen.

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