Weben wie in alten Zeiten

Der riesige Webstuhl ist rund 100 Jahre alt. Teresa Vallejos hat ihn von Marianne Wendt erstanden, die ein bekanntes Textilfachgeschäft in Santiago hatte.
Der riesige Webstuhl ist rund 100 Jahre alt. Teresa Vallejos hat ihn von Marianne Wendt erstanden, die ein bekanntes Textilfachgeschäft in Santiago hatte.

Der hölzerne Webstuhl von Teresa Vallejos ist von imposanter Größe. Er füllt ihr gesamtes Gartenhaus aus und ist bestimmt drei Meter lang, zwei Meter breit und ebenso hoch. Genauso beeindruckend ist sein Alter. Teresa Vallejos ist sich nicht sicher, aber sie schätzt ihn auf bestimmt 100 Jahre.

Von Petra Wilken

Sie hat den Webstuhl vor rund zehn Jahren Marianne Wendt abgekauft, als diese ihr in Santiago in der deutschen Kolonie bekanntes Textilgeschäft aufgab. «Vielleicht bringt er mir ja Glück», hat sie sich gesagt. Das hat er auf alle Fälle, denn die Gewebe, die sie damit herstellen würde, hatte sie sich selbst nicht träumen lassen. Im Show-Room ihres Hauses in El Arrayán sind die feinen Stücke zu besichtigen: Ponchos aller Art, Tücher und Schals, Teppiche, Bettüberwürfe, Decken, Wandbehänge, und sogar Handtaschen.

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Ponchos, Tücher, Teppiche, Bettüberwürfe oder Wandbehänge – Teresa Vallejos webt viele Arten von Textilien.

Alle Produkte sind aus Naturmaterialien hergestellt, aus Schafs-, Alpaca- oder Baumwolle. Die Farben entspringen hauptsächlich der Palette der Erdtöne, dazwischen sanfte Blautöne, und hin und wieder ist ein erfrischender Rotton dabei. Immer wieder experimentiert sie mit Materialien, Farbe, die sie teils auch selbst mischt, und Design. «Dabei war es für mich nie ein kommerzielles Geschäft, sondern eher eine Leidenschaft», erzählt sie. 

Mit Wolle arbeitet die gelernte Landschaftsgärtnerin nun schon rund 45 Jahre. Als sie mit ihrem Mann Kord Holscher, der bei Ultramar angestellt war, Anfang der 70er Jahre in Punta Arenas lebte, schaffte sie sich eine Strickmaschine an. «Als wir in den 80er Jahren in Santiago wohnten, habe ich gestrickt wie verrückt», erzählt sie. In der Deutschen Schule Santiago, auf die ihre Kinder gingen, verkaufte sie Pullover im Lehrerzimmer.

Vor elf Jahren entschied sie sich, Kurse in Textildesign und Färben mit Naturfarben zu nehmen und studierte bei der bekannten chilenischen Textilkünstlerin Pilar Valdés. Seitdem sind sie und ihr Webstuhl unzertrennlich. «Für einen Bettüberwurf zum Beispiel brauche ich zwei Tage. In einer Woche schaffe ich nicht mehr als fünf oder sechs Stücke», macht sie deutlich wie zeitaufwendig die Handarbeit ist. Aber sie habe es immer geliebt, zuhause zu arbeiten – früher ganz in der Nähe ihrer vier Kinder, und heute hat sie einige ihrer 18 Enkel in der Nachbarschaft wohnen.

«In El Arrayán zu wohnen ist ein wenig wie auf dem Land zu leben, und es ist das Viertel der Kunsthandwerker. Bei uns Zuhause haben wir Anfang September eine Kunstausstellung mit vielen Nachbarn gemacht. Dadurch sind wir unser nähergekommen, es ist eine sehr schöne Atmosphäre», erzählt sie. Deshalb kann sie sich auch nach rund 30 Jahren schwer vorstellen, anderswo in Santiago zu leben. Ihr größte Sorge bei dem Gedanken: Wo sollte sie ihren Webstuhl unterbringen?

E-Mail: techevallejos@gmail.com
Facebook: teche vallejos telares

Instagram: teche_vallejos_telares

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