Akademischer Austausch zwischen der USACH und deutschen Universitäten

Technologietransfer, Know-how-Austausch und zunehmend bilaterale Projekte 

Die Verwaltungs- und Wirtschaftsfakultät der USACH betreut jährlich um die 170 Austauschstudenten aus aller Welt. Foto: Walter Krumbach
Die Verwaltungs- und Wirtschaftsfakultät der USACH betreut jährlich um die 170 Austauschstudenten aus aller Welt. Foto: Walter Krumbach


Der akademische Austausch zwischen deutschen Universitäten und der Universidad de Santiago hat eine lange Tradition. Er begann bereits zu Zeiten des Vorvorgängers der USACH, der Escuela de Artes y Oficios, die 1848 gegründet wurde.

 

Von Walter Krumbach

Francisco Castañeda, Leiter der Abteilung für Internationale Beziehungen der Verwaltungs- und Wirtschaftsfakultät der USACH, weist im Cóndor-Gespräch auf die zahlreichen deutschen Hochschulen hin, mit denen allein die Facultad de Administración y Economía (FAE) der chilenischen Hochschule gegenwärtig ein Abkommen hat (siehe Info-Kasten). Professor Castañeda ist aufgrund seiner Tätigkeit oft im Ausland. An der Universität Bamberg hielt er zum Beispiel im Januar dieses Jahres einen Vortrag über die Entwicklungspolitik in Lateinamerika seit den 1960er Jahren.

Die FAE-Austauschstudenten absolvieren in der Regel ein Semester an deutschen Universitäten, welches in englischer Sprache erteilt wird. «Wir breiten sie darauf mit einem Deutschkursus vor, damit sie eine Grundlage in der Landessprache haben», berichtet Castañeda, «sodass einige später erneut nach Deutschland reisen, um dort zu arbeiten beziehungsweise ihre Studien fortzusetzen».

Pro Semester entsendet die FAE mindestens 10 Studenten nach Deutschland, versichert Castañeda, «und pro Jahr empfangen wir um die 30 Deutsche, die bevorzugt Wirtschaftsingenieurwesen studieren. Wenn wir sie mit den Studenten aus anderen Regionen der Welt zusammenzählen, dann kommen wir auf etwa 170».

Schon mehrmals ließen Gäste aus Deutschland verlauten, «an der USACH das wahre Chile kennengelernt zu haben», verrät Castañeda, «in dem strebsame, fleißige Menschen lernen, die sich im Ausland fortbilden und somit nicht nur ihre Kenntnisse, sondern auch ihre Lebensanschauung vervollkommnen.» Der Professor betont: «Ein Student, der von seiner Austauschzeit zurückkehrt, ist völlig verändert. Er hat ein ganz anderes Selbstwertgefühl, kennt sich im Englischen wie im Deutschen aus, hat Europa bereist und sich dabei eine neue Lebensanschauung zu eigen gemacht.»

Das von den deutschen Studenten erhaltene Feedback ist denkbar gut, hebt Castañeda hervor: «Sie mögen die engen Beziehungen, die sie hier zu Professoren und Dienststellen knüpfen können. Sie sind zudem mit dem guten Unterrichtsniveau zufrieden.» Das Land bietet ihnen Sicherheit, und seine Einwohner sind freundlich und zuvorkommend. Dazu kommen die vielfältigen Landschafts- und Klimazonen Chiles, die für neugierige Reisende besonders attraktiv sind. Zum anderen spricht der Akademiker über die Leistungen der chilenischen Austauschstudenten seinen Stolz aus: «Die Rate an Versagern in Deutschland ist gleich null!»     

Die Frage drängt sich auf, was einen deutschen Studenten veranlassen kann, im fernen Chile ein Praktikum auf dem Gebiet der Wirtschaft zu absolvieren: «Zunächst möchten sie Lateinamerika kennenlernen und ihr Spanisch verbessern», hat Castañeda feststellen können. «Spanisch ist heutzutage eine Geschäftssprache. In Europa ist für zahlreiche Firmen, die ihren Fokus in Spanien oder Lateinamerika haben, die spanische Sprache ein Muss.» Deutsche Gaststudenten haben zudem oft verlauten lassen, dass sie «zunächst geringe Erwartungen hatten, dann aber zugeben müssen, dass das Land ziemlich dynamisch und besser als sie dachten ist. Dem fügen sie hinzu, dass unser akademisches Niveau dem ihrigen absolut ebenbürtig ist».    

Ein Gebiet, auf dem laut Francisco Castañeda Chile viel von Deutschland lernen kann, ist das des Technologietransfers: «Zur gleichen Zeit muss in der angewandten Forschung ein Weg freigelegt werden», meint er. «Dies hat einen direkten Zusammenhang mit der Übertragung von Kenntnissen von den Unternehmen zu den Universitäten. Das bedeutet, dass unsere Professoren an bestimmten Firmen Praktika absolvieren, um ihre Lebensläufe auf den neuesten Stand zu bringen und sich über die letzten Markttrends zu informieren. Fast alle deutschen Universitäten haben eine starke Verbindung mit den Firmen ihrer Umgebung. Das ist ein Punkt, von dem wir lernen sollten. Gleichfalls sollten wir gemeinsame Forschungsprojekte ausfindig machen, sowohl auf theoretischer Ebene als auch auf der angewandten Forschung.»

Große Wichtigkeit misst Professor Castañeda der Verbesserung des Englisch-Niveaus der USACH-Austauschstudenten bei: «Das ist noch wichtiger als die Geldmittel! Die meisten Austauschprogramme – außer Literatur und Philosophie natürlich – werden in englischer Sprache erteilt, weshalb es äußerst wichtig ist, sie gut zu beherrschen.»

Francisco Castañeda ist während seiner langjährigen Tätigkeit an der FAE/USACH von verschiedenen Universitäten im deutschsprachigen Raum (Bamberg, Bielefeld, Graz) als Gastprofessor eingeladen worden. «Dieser Akademiker-Austausch muss erweitert werden, damit wir gemeinsame Forschungsprojekte erzeugen können», unterstreicht er, «das geht von der theoretischen Untersuchung über Papers bis zur Lehre des Technologietransfers».

In den letzten Jahren konnten laut Castañeda zunehmend bilaterale Projekte erfolgreich ausgearbeitet werden, weil von chilenischer Seite auf europäische Art reagiert wurde, nämlich, indem Verantwortung und Zuverlässigkeit an den Tag gelegt wurde. Das sei in der Zusammenarbeit mit Europäern ein Muss. Der Akademiker bringt es auf den Punkt, indem er einen Tipp gibt, den er in einem kurzen Satz zusammenfasst: «Answer the e-mails!»

Deutsche Universitäten, die mit der Verwaltungs- und Wirtschaftsfakultät (FAE) der USACH ein Abkommen haben

Leuphana Universität Lüneburg
Passau TU
Universität Bamberg
Bergakademie Freiberg
University of Applied Sciences Münster
University of Applied Sciences Bielefeld
RheinMain University of Applied Sciences
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen
Westsächsische Hochschule Zwickau (WHZ)
University of Applied Sciences Neu Ulm (Bayern)
University of Applied Sciences Worms
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
Friedrich Alexander Universität (FAU) -Erlangen – Nürnberg
Technische Universität Dresden

   

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