Die geplante Seilbahn Bicentenario in Santiago de Chile

Dem Verkehrschaos entschweben

Seilbahn Bicentenario: Darstellung der zukünftigen Seilbahnstation Ciudad Empresarial im Santiaguiner Stadtteil Huechuraba.
Seilbahn Bicentenario: Darstellung der zukünftigen Seilbahnstation Ciudad Empresarial im Santiaguiner Stadtteil Huechuraba.

 

Die geplante Seilbahn «Bicentenario» in Santiago de Chile soll die Stadtteile Providencia und Huechuraba in nur 11 Minuten Fahrtzeit miteinander verbinden. Heute braucht man für die gleiche Strecke mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder mit dem Auto um die 40 Minuten.

 

Von Fernanda Neißkenwirth

Die 3,4 Kilometer lange Seilbahn soll 2022 fertig gestellt werden und über drei Stationen verfügen. Die erste ist für die Kreuzung Thayer Ojeda mit Nueva Providencia vorgesehen, die Zwischenstation am Cerro San Cristóbal (östlich vom Antilén-Schwimmbad) und die dritte in der Ciudad Empresarial (Avenida El Parque mit Santa Clara). Die Seilbahn mit ihren 148 Gondeln wird eine Kapazität von 6.000 Fahrgästen – 3.000 in jeder Fahrtrichtung – pro Stunde aufweisen. Jede Kabine hat eine Kapazität von 10 Passagieren und soll im 12-Sekunden-Takt fahren.

Bis zum 23. November sind Firmen dazu aufgerufen, sich für das Projekt zu bewerben; der Baubeginn ist für das Jahr 2020 anvisiert. Bisher haben 18 Unternehmen Interesse an der Ausschreibung gezeigt. Die Kosten belaufen sich laut Schätzungen auf 80 Millionen US-Dollar.

Der Verwaltungsleiter für die Metropolregion, Claudio Orrego, erhofft sich von der Seilbahn mehrere Vorteile: Die Seilbahn sei umweltfreundlich, da sie abgasfrei ist; sie soll dazu beitragen, den Straßenverkehr zu entlasten; sie werde dank der verkürzten Fahrtzeiten die Lebensqualität der Menschen verbessern; und last but not least wird die Seilbahn auch eine neue Touristenattraktion in Santiago darstellen.

Die geplante Seilbahn Bicentenario in Santiago de Chile wird über drei Stationen verfügen.
Die geplante Seilbahn Bicentenario in Santiago de Chile wird über drei Stationen verfügen.

Kritik am Projekt wurde dennoch laut. Die Bürgermeisterin von Providencia, Evelyn Matthei, hat den Bau der Station an der Ecke Thayer Ojeda mit der Plaza Nueva Zelanda vehement abgelehnt. Die Gegend zwischen der Metro Tobalaba und dem Eingang zur Einkaufsmall Costanera Center sei bereits hoffnungslos von Passanten überlaufen. Diese Situation würde außerdem noch durch die baldige Öffnung der Büros im 64 Stockwerke hohen Torre Costanera Center und die zukünftige Einweihung der neuen Metrolinie 7 verschärft.

Die verantwortlichen Politiker diskutieren daher derzeit, wie die Seilbahn dennoch in das Stadtbild eingefügt werden kann. Verkehrsexperten verweisen allerdings darauf, dass nicht so sehr die Seilbahn selbst das Hauptproblem sei. Der Direktor der Fakultät für Architektur an der Universidad Diego Portales, Ricardo Abuauad, erklärte kürzlich in einem Interview mit dem Radiosender Bío Bío, dass der gesamte öffentliche Personennahverkehr verbessert werden müsste.

Alle städteplanerischen Projekte der vergangenen Jahre hätten als Ziel gehabt, das Straßen- und Stadtautobahnnetz zu erweitern – mit Erfolg. Doch das habe gleichzeitig zu einem Anstieg der privaten Wagennutzung geführt. Was Santiago aber – eine Stadt, die laut der jüngsten Volkszählung über 40 Prozent der Bevölkerung auf sich konzentriert, brauche, sei ein besseres öffentliches Verkehrssystem und deren Vernetzung mit weiteren Transportmittel, wie zum Beispiel Fahrrad und eben der Seilbahn.

Der Experte empfiehlt zudem, eine zentrale Behörde für Stadtplanung einzurichten, da bisher Verkehrsprojekte wie die Seilbahn in der Verantwortung von den Bürgermeistern der betroffenen Gemeinden liegen, die nur die Interessen ihrer eigenen Kommunen vertreten.

 

Seilbahnen in Südamerika

Die Seilbahn in der bolivianischen Hauptstadt La Paz
Die Seilbahn in der bolivianischen Hauptstadt La Paz

Sollte die geplante Seilbahn in Chiles Hauptstadt fertig gestellt werden, wird sie allerdings längst nicht die einzige in Südamerika sein. Der in Stadtplanung spezialisierte Architekt, Francisco Schmidt, hebt im Gespräch mit dem Cóndor zwei zwei bedeutende Seilbahnen auf dem Subkontinent hervor, die ein gutes Beispiel aufgrund ihrer positiven Auswirkungen abgeben. Das sind die Seilbahnen in La Paz (Bolivien) und Medellín (Kolumbien).

Der Teleférico de Medellín in Kolumbien
Überwindung von Höhenunterschieden: Der Teleférico de Medellín in Kolumbien

Beide haben es auf eine effiziente Weise geschafft als Transportmittel für Massenverkehr zwischen dem Zentrum und der Peripherie zu dienen. Gemein haben sie außerdem, dass sie sich in einer extrem bergigen Gegend befinden, an dem sie Orte mit enormen Höhenunterschieden verbinden. «Diese Seilbahnen können als zukunftsweisend eingestuft werden, da sie auf High-Tech basieren, sozial gleichberechtigt von vielen Menschen aller Einkommensschichten benutzt werden und eine umweltfreundliche Lösung darstellen.»

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