Schlechte Lesekompetenz der Chilenen

Mehr als 44 Prozent der Chilenen zwischen 15 und 65 Jahren sind funktionale Analphabeten. Die jetzt veröffentlichte zweite Studie über die Lesekompetenz in Chile deckt schwere Lücken im Bildungssystem auf.

Es ist nach 15 Jahren die zweite Studie über die Lesekompetenz sowie das Verständnis von Texten, Grafiken und Zahlen. Die vom Zentrum für Mikrodaten der Universidad de Chile präsentierten Ergebnisse sind erschreckend.

Fast 30 Prozent der Chilenen mit Universitätsabschluss haben große Probleme, schriftliche oder grafische Informationen zu verstehen. 44,3 Prozent der Chilenen zwischen 15 und 65 Jahren sind sogenannte funktionale Analphabeten. Will heißen: Sie sind nicht in der Lage, einen Text zu lesen, die Informationen herauszuarbeiten und diese in ihrem täglichen Leben anzuwenden, wie die Tageszeitung «El Mercurio» berichtet. Damit hat sich die Lesekompetenz seit der letzten Untersuchung 1998 kaum merklich verbessert. Damals lag der Prozentsatz noch bei 47,7 Prozent.

Auch der Leiter des Zentrums für Mikrodaten, David Bravo, ist bestürzt über das Abschneiden der Befragten. Vor allem, da in den letzten Jahren die weiterführende Schule (enseñanza media) verpflichtend wurde und auch die Universitäten einen enormen Zuwachs an Studienanfängern verzeichnen. «Wir hatten erwartet, dass die Steigerung des Bildungsniveaus, zumindest in der Generation zwischen 15 und 30, die in der vergangenen Untersuchung noch nicht dabei war, zu einer Verbesserung geführt hätte. Doch das ist nicht passiert. Das ist wahrscheinlich der beunruhigendste Teil der Studie», erklärt Bravo.

Zum Vergleich: Eine Studie der Universität Hamburg ergab 2011, dass in Deutschland weniger als 15 Prozent der Bevölkerung funktionale Analphabeten sind.

 

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Von Daniel Stoecker

Lesen Sie auf den nächsten Seiten über das Projekt „Lesefüchse“ an der Sankt-Thomas-Morus-Schule sowie über den Weltalphabetisierungstag

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