Urlaub in der Reserva Biológica de Huilo Huilo

Wald, Wasser, Wandern

Hotel Nothofagus in Huilo Huilo
Urlaub im Wald: das Nothofagus Hotel & Spa von Huilo Huilo. Fotos: Arne Dettmann

Zurück zur Natur und die Ferien zwischen Bäumen verbringen – die Reserva Biológica Huilo Huilo im patagonischen Urwald macht´s möglich.

Von Arne Dettmann

Dichtes Gedränge herrscht am Busbahnhof in Santiago de Chile. Bedrohlich eingepfercht stehen wir zwischen den Touristenlastern und lassen unsere Rucksäcke verstauen. Busse zwängen sich durch die engen Straßen, kommen und fahren ab, dazwischen ein undurchschaubares Menschengewimmel. Von hetzenden Urlaubern bekommt man Reisetaschen in den Rücken gestoßen, man selbst tritt anderen auf die Füße und entschuldigt sich. Stress pur. Bloß schnell die Fenstervorhänge zuziehen, um das Grauen nicht zu sehen.

Als wir die Vorhänge wieder aufmachen, sind wir nach einer Nachtfahrt in einer anderen Welt. Die Türen schließen sich, der Bus fährt ab und lässt uns frühmorgens einsam auf einer Landstraße zwischen den Ortschaften Neltume und Puerto Fuy zurück. Hohe Bäume blicken auf uns herab, nur Vogelgezwitscher ist zu vernehmen. Natur pur.

Spektakuläres Hotel Nothofagus und Hirsche aus nächster Nähe

Und diese Umkehrung der Verhältnisse – weniger Beton, mehr Bäume – ist es auch, die sich konsequent durch die Unterkünfte der im Jahr 2000 gegründeten Reserva Biológica Huilo Huilo durchzieht. Am spektakulärsten ist wohl das Hotel Nothofagus, eine umgedrehte Pyramide aus Holz, mehrere Stockwerke hoch, mit 55 gemütlichen Zimmern ausgestattet und einer Rundumblick-Terrasse auf dem Dach. Einzig die Panorama-Scheiben erinnern daran, dass hier der Mensch auch mit künstlichen Werkstoffen Hand angelegt hat. Kleine knifflige Aufgabe am Rande: Versuchen Sie bei Ihrem Besuch doch einmal, wo Sie irgendwo Stahl ausfindig machen.

Rothirsche in der Reserva Biológica Huilo Huilo
Von einem Laufsteg aus kann der Besucher die Fütterung der Hirsche beobachten.

Über hölzerne Laufstege in drei bis vier Meter Höhe gelangen wir zu unseren Unterkünften, dem Canopy Village. Dutzende Hütten für zwei bis acht Personen liegen hier mitten im Wald verteilt auf Pfählen, darunter laufen aus Europa stammende Rothirsche in ihrem Gehege. Zur Fütterungszeit sind sie zum Greifen nahe.

Canopy Village in Huilo Huilo
Das Canopy Village von Huilo Huilo: rustikale Unterkünfte zwischen den Bäumen

Zur Reserva Biológica gehört auch die Stiftung Huilo Huilo, die sich dem Schutz des Südandenhirsches Huemul verschrieben hat. Ein Geweih tragendes Männchen dieser Gattung ziert zusammen mit dem riesigen Vogel Kondor das chilenische Nationalwappen. Zwanzig dieser gefährdeten Huemule leben derzeit in einem umzäunten 200 Hektar umfassenden Reservat. Und irgendwo da draußen in der Wildnis streunen auch der gefährdete Puma sowie der Pudu als kleinster Hirsch der Welt, kaum größer als ein Hase. Noch viel kleiner ist allerdings der Darwin-Frosch, gerade einmal drei Zentimeter groß und ebenfalls ein endemischer Einwohner von Huilo Huilo.

Blick auf wunderschöne Wälder und einen schneeweißen Vulkan

Einen fantastischen Überblick über das 2007 deklarierte Biosphärenreservat – ein von der Unesco anerkanntes Großschutzgebiet, in der eine nachhaltige Entwicklung verwirklicht werden soll – erhält der Besucher bei einer Seilbahnfahrt. Von der Aussichtsplattform des Teleférico Cóndor Andino geht der Blick gen Südwesten zum Gletscher bedeckten Doppelvulkan Mocho Choshuenco. Er bildet einen weißen Tupfer in der Landschaft, rundherum umgeben vom satten Grün des gemäßigten Regenwaldes.

Teleférico Cóndor Andino in Huilo Huilo
Fantastischer Blick auf Huilo Huilo: Mit der Seilbahn geht es 14 Minuten lang auf 1.125 Meter Höhe.

Das gesamte Gebiet des UN-Biosphärenreservats ist so groß wie das Bundesland Rheinland-Pfalz. Die Reserva Biológica Huilo Huilo, gegründet von den Schweizer-Chilenen Víctor Petermann und Ivonne Reifschneider, liegt als Teil in dieser Zone. Der hohe Anspruch dieses Konzeptes aus ökologischer, wirtschaftlicher und sozialer Nachhaltigkeit scheint umgesetzt worden zu sein: Von hier oben sind die Hotelanlagen praktisch kaum zu sehen, so behutsam fügen sie sich in die Landschaft ein. Wo einst Sägewerke jahrzehntelang die wichtigsten Arbeitgeber für die ansässige Bevölkerung darstellten, ist nun der Tourismus rund um den Wald eine wichtige Einkommensquelle geworden.

Forelle und Lachs am Pirehueico-See

Auf dem Wanderweg Sendero Hoffmann taucht der Gast dann schließlich ein in die Welt aus Bäumen und Pflanzen. Immer geht es parallel zum Fluss Fuy entlang, dessen Wasser mal kleine natürliche Stufen hinunterrauscht und an ruhigeren Stellen zum Baden einlädt. Auch Angler des Fliegenfischens kommen hier auf ihre Kosten. Wer dennoch nichts am Haken herauszieht, der setzt seinen Weg fort und gelangt schließlich in die kleine Ortschaft Puerto Fuy am Pirehueico-See an, wo Forelle und Lachs in Restaurants serviert werden.

See Pirehueico und Vulkan Mocho Choshuenco bei Huilo Huilo
Angeln am Pirehueico-See: Im Hintergrund der schneebedeckte Vulkan Mocho Choshuenco.

Von hier aus legt auch die Fähre «Hua Hum» in Richtung des Hafens Pirehueico ab. Anderthalb Stunden dauert die Fahrt; dann ist es nicht mehr weit bis ins argentinische San Martín de los Andes.

Badespaß im Wald und frisch gezapftes Bier aus der Cervecería Petermann

Doch warum zurück in die Zivilisation? Mit dem Salto del Puma und dem Salto del Huilo Huilo lassen sich zwei spektakuläre Wasserfälle bewundern. Auf dieser Seite des Reservats führt zudem der Sendero Truful zweieinhalb Stunden lang durch einen Wald, der stellenweise so dicht ist, dass nur noch spärlich Sonnenlicht durch das Blätterdach fällt. Abenteuer pur! Wir stolpern nicht mehr über fremde Füße, sondern sperriges Wurzelwerk.

Cervecería Petermann in Huilo Huilo
Was für eine Erfrischung: frischer Gerstensaft aus der Bierbrauerei Petermann

Nach so vielen Entdeckungsreisen ist der Großstadtmensch froh, eine Pause einzulegen und sich bewirten zu lassen. In der Bierbrauerei Petermann fließt der hauseigene Gerstensaft direkt aus den Brautanks in zünftige Humpen, und zwar von hell über bernsteinfarben bis dunkel. Dazu serviert das Restaurant selbstgemachte Pizza.

Piscina Exterior Lawenko in Huilo Huilo
Piscina Exterior Lawenko: Badespaß für die gesamte Familie

Wer dann noch mehr Entspannung benötigt, springt in die Wellness- und Wasserwelt von Huilo Huilo. Ein beheiztes Schwimmbecken für Erwachsene und ein weiteres für Kinder mit einer Rutsche ausgestattet sowie ein Freibecken im Wald sorgen für den gediegenen Ausgang des Tages. Insbesondere in der Bäderwelt sieht der Gast einmal mehr, dass hier nicht die Bäume im Weg standen, sondern in die Infrastruktur integriert wurden: Rund um und sogar im Becken wachsen die Urwaldriesen weiter empor. Ferien im Wald können so schön sein!

Reiseziel Huilo Huilo

Geographie

Die Reserva Biológica Huilo Huilo liegt in Chiles XIV. Región de Los Ríos auf den Gebieten der Gemeinden Panguipulli und Futrono, der Reserva Nacional Mocho Choshuenco und in Nachbarschaft zu den Orten Neltume, Puerto Fuy sowie Puerto Pirehueico. Der Valdivianische Regenwald – die Stadt Valdivia befindet sich 112 Kilometer von Puerto Fuy entfernt in der Nähe der chilenischen Pazifikküste – reicht als immergrünes, kaltgemäßigtes Ökosystem bis hierher an den Rand der Andenkette.

Die Zone ist mit einer hohen Anzahl an Regentagen gesegnet, die jährliche Niederschlagsmenge beträgt in Neltume im Durchschnitt 1.925 mm. Zum Vergleich: In Hamburg fallen im Durchschnitt 738 mm innerhalb eines Jahres. Die Jahresmitteltemperatur in Huilo Huilo beträgt 9,9 Grad Celsius, wobei es in den sommerlichen Monaten von November bis März über 20 Grad warm werden kann.

45 Meter hohe Bäume und 20 Farnarten

Das Dach des Waldes reicht bis zu 45 Meter hoch, zu den vorherrschenden Baumarten zählen unter anderem Coigüe (Nothofagus dombeyi) und Raulí (Nothofagus alpina). Ganze 20 Farnarten wurden hier registriert, dazu gesellt sich eine beeindruckende Vielfalt aus der Vogelwelt: Alleine 81 Arten konnten nachgewiesen werden, darunter der Chucao (Scelorchilus rubecula) mit seinen rötlichen Federn, der sich an das Leben am Boden gewöhnt hat und von der Reserva Huilo Huilo zum Emblem gewählt wurde.

Der Doppelvulkan Mocho Choshuenco (2.422m und 2.415 m) ist von einem Gletscher bedeckt, der letzte Ausbruch wurde 1864 registriert. Der benachbarte blau-grün farbene See Pirehueico wird aus dem Schneewasser der Anden gespeist und weist eine maximale Tiefe von 145 Metern auf.

Anreise

Von Santiago aus die Autobahn Carretera 5 Sur bis nach Lanco (780 km), dann auf der Carretera Internacional CH 203 weiter in Richtung Panguipulli, vorbei am gleichnamigen See, weiter gen Puerto Fuy-Choshuenco. Kurz nach der Ortschaft Neltume auf einer Anhöhe im Sektor Llallalca befindet sich der Eingang zur Reserva Huilo Huilo.

Die Buslinie Tur Bus fährt von Santiago aus bis nach Panguipulli, wo anschließend ein lokaler Bus bis zur Reserva genommen werden muss. Der Anbieter Buses Tepual fährt bis nach Neltume oder alternativ bis nach Puerto Fuy, so dass der Reisende zuvor beim Fahrer Bescheid sagen und dann bei der Reserva Huilo Huilo aussteigen kann.

Unterkunft

Fünf Hotels stehen zur Auswahl: Das beeindruckende Nothofagus Hotel & Spa, das zum Komplex gehörende Hotel Reino Fungi sowie das kaskadenförmige Hotel Montaña Mágica. Dazu kommt die Nawelpi Lodge und das in Puerto Fuy gelegene Marina del Fuy. In der Kategorie Hütten und Apartments gibt es die Cabañas del Bosque und den Club Huillín. Das Canopy Village, der Camping-Platz und eine weitere Unterkunft für Rucksacktouristen runden das Angebot von komfortabel bis kostengünstig ab.

Aktivitäten

Wanderwege und Bergsteigen, Reitausflüge, Canopy, Mountainbike, Skifahren, Fliegenfischen, Rafting, Kajak, Thermalbäder – die Reserva Huilo Huilo hat einiges zu bieten. Empfehlenswert ist zudem die Seilbahn Teleférico Cóndor Andino und das Museum Rakin Mapu, das mit der Geschichte zu indigenen Völkern und Geologie aufwartet. Das freundliche Personal der Reserva Huilo Huilo gibt gerne Auskunft.

Alle Informationen im Internet unter www.huilohuilo.com

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