Pickelhaube, Gulaschkanone und Dreiecktuch

Deutscher Einfluss im chilenischen Militär: eine preußische Pickelhaube im Museo Histórico Militar
Deutscher Einfluss im chilenischen Militär: eine preußische Pickelhaube im Museo Histórico Militar

 

Von Arne Dettmann

Es gibt leider nicht sehr viele alte historische Gebäude in Chile, die einen Besuch lohnen. Zumal wenn sie abseits liegen von den Haupttourismuswegen. Doch das Edificio Alcázar, in dem sich das Militärhistorische Museum in der Nähe des Parque O´Higgins im Stadtzentrum befindet, ist einen Abstecher wert.
Die Bauarbeiten für das Gebäude im eklektizistischen Stil des Neoklassizismus begannen 1887; Architekt war der Franzose Victor Henry de Villeneuve. Zur Fertigstellung 1901 zog die Militärschule ein und hatte ihren Sitz bis 1958 inne. Anschließend wurden hier Unteroffiziere ausgebildet. Der zweitstöckige Bau mit einer Mansarde als Dachgeschoss wurde 1990 zum nationalen Monument erklärt. Seit 1997 beherbergt es das el Museo Histórico y Militar de Chile – und auch diese Sammlung zu besichtigen lohnt allemal.

Das Edificio Alcázar im Zentrum von Santiago de Chile
Das Edificio Alcázar im Zentrum von Santiago de Chile

Säbel, Kanonen, Uniformen, Musikinstrumente und natürlich jede Menge Schießeisen: Wer sich für die Geschichte des chilenischen Militärwesens interessiert, das wiederum eng mit der Historie des Landes verknüpft ist, kommt hier voll auf seine Kosten. Die didaktisch hervorragend präsentierten Exponate spannen einen weiten Bogen von den Anfängen der Konquista und dem Konflikt mit den Mapuche im Arauco-Krieg über die Kolonialzeit hin zur Unabhängigkeit und den Salpeterkrieg bis in unsere heutigen Tage.

Essen auf Rädern beim Heer: eine sogenannte Gulaschkanone
Essen auf Rädern beim Heer: eine sogenannte Gulaschkanone

Den deutschen Besucher werden sicherlich besonders Ausstellungsstücke aus seiner Heimat interessieren. Zur Erinnerung: Nach dem Salpeter- oder auch Pazifischer Krieg (1879-1884) gegen Peru und Bolivien holte sich Chile deutsche Militärberater ins Land, die eine Modernisierung des Heeres vorantrieben. Der preußische Artilleriehauptmann Emil Körner brachte es im Chilenischen Bürgerkrieg 1891 sogar zum General und wurde 1900 Generalinspekteur des Heeres. Preußisch-deutsche Reminiszenzen wie die Pickelhaube, Gulaschkanone – eine fahrbare Feldküche – und ein Dreiecktuch sind im Museum zu bewundern.

Das Militärhistorische Museum Chiles widmet eine Abteilung den Mapuche und ihrer Geschichte.
Das Militärhistorische Museum Chiles widmet eine Abteilung den Mapuche und ihrer Geschichte.

Letzteres wurde von dem deutschen Arzt Johann Friedrich August von Esmarch (1823-1908) erfunden. Der Begründer des zivilen Samariterwesens führte nicht nur dieses Verbandmittel, sondern auch Beinschienen und Verbandspäckchen in Kriegschirurgie und Erste Hilfe ein. Übrigens: Der Norddeutsche benutzte zur Behandlung von Prellungen und Abszessen kühlende Eisbeutel, was ihm den Spitznamen «Fiete Isbüdel» einbrachte.
Was für das Historische Museum der Carabineros im Santiaguiner Stadtteil Providencia gilt, trifft auch auf das Museo Histórico y Militar de Chile zu: Eine exzellente Präsentation der Exponante, die den Besucher orientiert, aber auch provoziert und Fragen aufwirft. Laut Museumsleitung stellt ein Großteil der Gäste Schulklassen, die im Museum Bildungsinhalte vermittelt bekommen und sich mit der Geschichte ihres Landes auseinandersetzen sollen. Für auswärtige Besucher gibt es eine Handy-Applikation zum Herunterladen, die auf Spanisch und Englisch durch die einzelnen Säle führt.

Info: Museo Histórico y Militar de Chile, Av. Blanco Encalada 1550, Santiago Centro, zwischen Metro Parque O´Higgins und Toesca, Telefon 2 26 94 99 00, Internet www.mhm.cl; Öffnungszeiten dienstags bis freitags von 9.30 bis 17 Uhr, samstags und sonntags von 10 bis 17 Uhr; Eintritt frei.

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