«Ohne Zweifel werden Dioxine freigesetzt»

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Der Cóndor sprach mit Sara Larraín, Geschäftsführerin der NGO Chile Sustentable, über den Brand auf der Mülldeponie Santa Marta in Talagante, der die gesamte Region Metropolitana seit Sonntag, 17. Januar, mit einer übel riechenden Rauchwolke überzieht. Das Interview wurde am vierten Tag nach Bekanntwerden des Brandes geführt, an dem noch immer keine eindeutigen Informationen über die Gefährlichkeit des Rauches vorliegen, dem rund sechs Millionen Einwohner ausgesetzt sind. Ebenso gibt es keine Klarheit darüber, wann das Feuer gelöscht werden kann.

Cóndor: Ist die Wolke über Santiago giftig?
Sara Larraín: Die Emissionen, die in die Atmosphäre gelangen, enthalten ganz eindeutig eine Reihe von chemischen Elementen. Santa Marta ist eine Deponie für Hausabfälle, jedoch gibt es ohne Zweifel eine große Menge an Plastik, das verbrennt. Somit sind auch Dioxine im Rauch. Und natürlich ist der Abfall auch mit Batterien und Haushaltsgeräten vermischt. Die Abfälle sind nicht hundert Prozent organisch. Deshalb entstehen ganz eindeutig Dioxine und Schwermetalle. Diese Gase sind giftig. Es sind inzwischen vier Tage, an denen ganz Santiago dem ausgesetzt ist. Diese Partikel gelangen in die Lungen der Menschen.

Wie kann man sich schützen?
Eine Maske schützt zumindest vor den Partikeln, die den giftigen Elementen sozusagen als Transportvehikel dienen. Vor allem für kleine Kinder und für kranke Menschen ist dies ein sanitärer Notfall.

Welche Auswirkungen kann das auf die Gesundheit haben?
Die Auswirkungen von Dioxinen auf die Gesundheit werden nicht von heute auf morgen festgestellt. Dioxine haben Langzeitwirkungen. Eine Konsequenz kann Lungenkrebs sein.

humo-1Wie lange wird es noch dauern, bis der Brand gelöscht ist?
Die Verwaltung hat es nicht geschafft, darauf eine Antwort zu geben. Wir sind äußerst besorgt, weil weder das Unternehmen noch die Regierung über ein Risiko- oder Notfallmanagement verfügt, um die Bevölkerung zu schützen.

Gab es Fahrlässigkeit von Seiten des Unternehmens?
Es ist Sonnabend und Sonntag vergangen, und das Unternehmen hat die Behörden nicht informiert. Die Verantwortung ist nicht rechtzeitig übernommen worden. Wir hoffen, dass die Firma und die Behörden die Konsequenzen daraus ziehen werden.

Wie kam es zum Brand?
Das Problem, das auf Santa Marta entstanden ist, hat zwei Dimensionen: Am Sonnabend ist es zu einem Erdrutsch auf der Mülldeponie gekommen, der das System zerstört hat, das das Methangas abfängt. Das hat zu schrecklichem Gestank geführt, denn die Mülldeponie liegt gänzlich unter freiem Himmel. Anlieger haben daraufhin Fotos mit einer Drohne gemacht.
Das zweite schwerwiegende Problem ist, dass die Infrastruktur der Deponie in Brand geraten ist. Es verbrennen die Abdichtungsfolien, die davor schützen, dass die schwarzen Schlacken in den Untergrund versickern.

Frau Larraín, wir danken Ihnen für das Gespräch.
Mit Sara Larraín sprachen Petra Wilken und Arne Dettmann.

Zahlreiche Sanktionszahlungen für Santa Marta


humo-3Die Mülldeponie Santa Marta ist kein unbeschriebenes Blatt. Seit ihrer Inbetriebnahme im Jahr 2002 war sie Zielscheibe von 37 Untersuchungen durch staatliche Gesundheits- und Umweltschutzeinrichtungen. Dabei kam es zu Strafzahlungen von 227 Millionen Pesos, weil die Anlagenbetreiber gegen gesetzliche Auflagen verstießen. Der aktuelle Brand auf der Halde, die in den vergangenen 13 Jahren insgesamt zwölf Millionen Tonnen Müll akkumuliert hat, könnte eine Sanktionszahlung von bis zu 5.300 Millionen Pesos nach sich ziehen.


Laut dem Internetlexikon Wikipedia können Müllhaldenbrände, die nicht schnell genug entdeckt und bekämpft werden, tief in den Müllberg eindringen und dort als Schwelbrand über Monate brennen und hochgiftige Abgase produzieren. Bei der Bekämpfung müssen oft Wasserwerfer eingesetzt werden; tiefer liegende Brandnester könnten nur mit Löschlanzen erreicht werden. Insbesondere Deponien mit nicht verdichteten organischen Materialien könnten sich selbst entzünden oder durch fremde Einwirkung in Brand geraten.

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