Der Nebelfänger und die blühende Wüste

In Peru wird mit Netzen Luftfeuchtigkeit zu Wasser gesammelt

Netze in Peru zur Sammlung von Luftfeuchtigkeit
Der Gründer des Wassergewinnungsprojekts Abel Cruz Gutíerrez: Mit Hilfe von hunderten Netzen fangen Bauern an der peruanischen Küste den Nebel auf, um Wasser für die Landwirtschaft zu gewinnen. Foto: Georg Ismar/dpa

Perus Wüste ist gebeutelt von langen Trockenphasen und dem Phänomen El Niño. Doch es gibt ein visionäres Projekt gegen den Klimawandel: Mit Netzen wird der Nebel aufgefangen und so Wasser gewonnen.

Tacna (dpa) – Abel Cruz Gutíerrez ist ein Fänger des Nebels. Er will, dass die Wüste grün wird – mit Wasser, das hier im Dorf Pampa Colorada bei der peruanischen Stadt Tacna aus dem oft wabernden Nebel gewonnen wird. Dutzende grüne Netze, meist 20 Quadratmeter groß, sind an Holzgestängen befestigt. Von den Netzen tropft das Wasser in offene Halbrohre und fließt in große Wasserbehälter.

Im März gab es hier eigentlich kein Wasserproblem, ganz im Gegenteil: Peru wurde vom Klimaphänomen «Küsten-El-Niño» gebeutelt – mit verheerenden Überschwemmungen. Der Pazifik war fünf Grad wärmer als normalerweise um diese Jahreszeit. Wegen der stärkeren Verdunstung kam es zu heftigen Regenfällen, Flüsse wurden zu reißenden Strömen und brachten durch das mitgezogene Geröll die Trinkwassergewinnung für Lima zum Kollabieren.

Viel Regen ist in der Gegend aber eine Ausnahme, vielerorts wird Landwirtschaft immer schwieriger. Auch gegen die immer wieder herrschende Wassernot in Perus Hauptstadt Lima sieht Abel Cruz in seinen Nebelnetzen eine Lösung, gerade für eine bessere Wasserversorgung in Armenvierteln. Auch in Lima gibt es oft Nebel.

«Warum unterstützt der Staat dieses Projekt nicht?», fragt Abel Cruz. In Zeiten des Klimawandels müsse man doch jeden Strohhalm ergreifen. Im Januar sind im benachbarten Chile wegen der Trockenheit bei den schlimmsten Waldbränden in der Geschichte des Landes über 500.000 Hektar Wald- und Agrarland verbrannt, die Andengletscher schmelzen rasant.

Franklin Cauna Huilca (30) ist der Verwalter der Comunidad. Rund 200 grüne Netze stehen bereits. «60 bis 80 Liter Wasser pro Tag gibt es eigentlich fast immer.» Mit größeren Netzen würden auch teilweise rund 140 Liter geschafft. Pause. «Wenn wir Nebel haben.»

Denn im Sommer, von Dezember bis Ende März, gibt es fast nie Nebel – bei zugleich sengender Hitze. Da gehen die wenigen Pflänzchen schnell ein. Ohne große Wasserspeicher, die für eine Bewässerung auch in nebelfreien Zeiten sorgen, bleibt die Vision genau das: eine Vision.

Rund 300 Parzellen könnten in Pampa Colorada auf einer Fläche von acht Kilometern Länge bewirtschaftet werden. Aber es wären pro Parzelle bis zu 50 Netze nur für die Wasserspeicher notwendig, erklärt Huilca. Sie müssten von April bis zur nächsten nebelfreien Zeit im Dezember so viel Wasser auffangen, dass es für den gesamten Sommer reicht. Das wäre vielleicht möglich, ist aber teuer: Rund 500 Soles (140 Euro) kostet ein Netz und man braucht große Wasserbehälter sowie ein Kanalsystem. Und der Wind hat schon so manchen «Nebelfänger» zerstört. Die grünen Fetzen wehen hin und her

Eigentlich gebe es viel Wasser in Peru dank der Anden, meint der Bewirtschafter Cristóbal Mamani Tapia (49). «Aber die Regierung kümmert sich nicht um Bewässerungssysteme für die trockenen Gegenden, sie kümmert sich nur um die Ausbeutung der Minen.» Dadurch würden zudem die Flüsse kontaminiert. «Gold und Silber kann man nicht essen», sagt Mamani. «Irgendwer muss sich doch darum kümmern, dass wir auch in Zukunft genug zu essen haben.» Er vertraut auf den Optimismus von Abel Cruz. Fest steht allerdings: Die Fänger des Nebels haben bis zu blühenden Landschaften noch einen weiten Weg vor sich.

 

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