«Nautische Hauptstadt des Südpazifiks»

Mitte April begannen die Bauarbeiten an weiteren Anlegestellen für die valdivianischen Flusstaxis. Schon seit zwei Jahren fahren die solarbetriebenen Boot auf den Gewässern der deutsch-chilenischen Einwandererstadt.

Das Barrio Flotante ist eine im Fluss Valdivia verankerte Plattform, die bisher 300 Quadratmeter umfasst. Auf dem künstlichen Eiland befinden sich Büros, öffentliche Terrassen, WCs und ein Café. Das umweltschonende Barrio Flotante produziert seine eigene Energie. Strom wird aus den Solaranlagen auf dem Dach gewonnen. Diese decken den Eigenbedarf an Strom und schicken den Überfluss – durchschnittlich 35 Kilowatt täglich – kostenlos in das Netz der Stadt. Heizwärme spenden die geothermischen Pumpen, die die Wärme des Flusses weiterleiten.

Die Insel ist ein Projekt im Rahmen des Transporte Fluvial Sustentable (TFS) von der Vereinigung valdivianischer Geschäftsleute «Visión Valdivia», damals unter dem Leiter Alex Wopper. Vor 30 Jahren brach der gebürtige Münchner zu einer vierjährigen Weltumsegelung auf. Dabei entdeckte er Valdivia für sich, wo er heute die Schiffswerft «Alwoplast» betreibt. TFS wollte mit dem Projekt den Fluss als Zentrum der zukünftigen Stadtentwicklung fördern.

Inspiriert zum Barrio Flotante wurde der Auswanderer während einer Reise nach Berlin. Die deutsche Firma SolarWaterWorld lud ihn ein, deren solarbetriebenen Kiosk an der Spree zu besichtigen. Der Kiosk diente zudem als Rent-a-boat. Somit war nicht nur das Projekt des ökologischen Eilands geboren, sondern auch die Idee zu den Flusstaxis. «Flüsse teilen die Stadt nicht, sondern sind eine breite Hauptstraße. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln wollen wir den Bürgern eine bessere städtische Vernetzung bieten. Valdivia soll zur nautischen Hauptstadt des Südpazifiks avancieren», so Wopper über seine Vision.

In seiner Schiffswerft kümmerte er sich eigens um Design und Herstellung der solarbetriebenen Flusstaxis, die Kapazitäten für eine fünf- bis achtstündige Fahrt aufweisen. Wopper bezahlte die drei solarbetriebenen Boote und das Barrio Flotante im Gesamtwert von 800 Millionen chilenischen Pesos aus eigener Tasche. Angetrieben werden die Flusstaxis von einem 48-Volt-Elektromotor. Sie stoßen dank der Nutzung der Sonnenenergie kein Kohlendioxid aus. Die gelben Taxiboote sind bedacht und bieten Platz für 16 Passagiere. Eine Fahrt kostet 500 Pesos.

In naher Zukunft sollen die schwimmenden, öffentlichen Verkehrsmittel mit 24 Anlegestellen ein leichtes Zu- und Aussteigen an der valdivianischen Hafenpromenade ermöglichen. Momentan beschränkt der Mangel an Anlegeplätzen das Flusstaxi auf eine nette Ausflugsfahrt, da der Unternehmer vielen widrigen Strömungen der chilenischen Bürokratie trotzen musste. Ende April legte der valdivianische Bürgermeister Omar Sabbat nun Grundstein für den ersten weiteren Anlegeplatz neben dem Barrio Flotante.

 

Lena Pirzer

 

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