Japan und Finnland Spitzenreiter im Lesen und Rechnen

In Sachen Wirtschaftskraft ist Deutschland weltweit Vorbild – bei der Bildung hingegen ganz und gar nicht. Ganz vorne liegen stattdessen Japan und Finnland. Schlusslichter sind Spanien und Italien.

Berlin (dpa) – Erwachsene in Japan und Finnland sind im Lesen wie im Rechnen international spitze, am unteren Ende der Leistungsskala rangieren dagegen Spanien und Italien.

Dies zeigt der erste PISA-Test zu den Basiskompetenzen und Alltagsfähigkeiten von Erwachsenen in 24 wichtigen Industrienationen der Welt. Die Studie wurde am Dienstag vergangener Woche von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Berlin vorgestellt.

Erwachsene in Deutschland können demnach im internationalen Vergleich nur mittelmäßig lesen und Texte verstehen. Gleiches gilt für die Grundrechenarten wie Prozentrechnen und Dreisatz.

Erschreckend: Jeder sechste der 16- bis 65-Jährigen in Deutschland (17,5 Prozent) ist lediglich in der Lage, kurze Texte mit einfachem Vokabular zu lesen und kann daraus auch nur begrenzt Informationen ziehen. OECD-Bildungsdirektorin Barbara Ischinger sagte: «Um es hart zu formulieren: Das ist das Niveau von Zehnjährigen.»

Ein beträchtlicher Teil der Erwachsenen aller untersuchten Länder hat zudem Probleme im Umgang mit Computern. Bis zu 27 Prozent der Testpersonen haben demnach keinerlei Erfahrung mit Computern oder scheitern an grundlegenden Anforderungen: Sie können zum Beispiel keine Maus bedienen.

Von den Erwachsenen, die den Test bearbeitet haben, können die meisten lediglich mit vertrauten Anwendungen umgehen. So schaffen sie es, Probleme zu lösen, die nur wenige Schritte benötigen, etwa das Einsortieren von E-Mails in bereits angelegte Ordner. Komplexere Aufgaben, wie das Navigieren über Webseiten und die eigenständige Problemlösung in mehreren Schritten, bewältigt dagegen nur ein Drittel der Erwachsenen.

Der Abstand zwischen dem besten und dem schlechtesten Land beträgt bei der Lesekompetenz 46 Punkte und bei den mathematischen Fähigkeiten 42 Punkte. Sieben Punkte entsprechen auf der Leistungsskala dem Lernvolumen eines Schuljahrs. Größer noch als die Unterschiede zwischen den Ländern sind laut der Studie aber häufig jene zwischen verschiedenen sozialen Gruppen.

So verfügen jüngere Erwachsene gegenüber den ältesten Testteilnehmern ihres Landes zumeist über höhere Fertigkeiten in allen drei Bereichen. «Die Bewegung zwischen den Generationen beweist: Kompetenzen sind gestaltbar», sagte OECD-Bildungsdirektorin Ischinger. «Länder wie Korea und Finnland haben in den vergangenen Jahrzehnten enorme Fortschritte erzielt. Sie zeigen uns, was mit gezielter politischer Förderung möglich ist.»

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Für die Studie wurden weltweit 166.000 repräsentativ ausgewählte Personen im Alter von 16 bis 65 Jahren getestet. Die OECD führt alle drei Jahre auch die bekannten weltweiten PISA-Untersuchungen bei 15-jährigen Schülern durch. Die Veröffentlichung des ersten Tests 2001 hatte erhebliche Wissenslücken unter den Schülern in Deutschland offenbart und in der Öffentlichkeit den sogenannten PISA-Schock ausgelöst. Folge waren zahlreiche Schulreformen.

Der neue OECD-Wissenstest für Erwachsene kürzt sich PIAAC ab. Das steht für «Programme for the International Assessment of Adult Competencies».

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