Der Hunger auf mehr

Trotz aller gut gemeinten Ernährungskampagnen: In Chile setzen Fastfoodketten ihren Expansionskurs unbeschwert fort.

Kennzeichnungspflicht von Lebensmitteln mit Zucker- und Kalorienangaben, öffentliche Kampagnen für gesunde Ernährung und sogar das Verbot, Fastfood in der Nähe von Schulen zu verkaufen – das alles klingt zwar engagiert. Doch den Appetit auf Schnellgerichte lassen sich die chilenischen Konsumenten dadurch offenbar nicht verderben.

Laut Zahlen der Handelskammer in Santiago gingen alleine im vergangenen Jahr 121 neue Schnellrestaurants hierzulande an den Start, 86 davon in den Regionen. Nach Kolumbien und Brasilien gilt Chile bei Fastfood als drittstärkster Wachstumsmarkt in Südamerika. Experten gehen davon aus, dass die einzelnen Anbieter zwangsläufig auf Expansion setzen müssen, wollen sie im Wettrennen der Branche bestehen.

Mit an der lateinamerikanischen Spitze steht McDonald´s, das auf dem hiesigen Markt von Arcos Dorados als Franchise-Unternehmen geführt wird und in Chile 69 Filialen betreibt. Die Kette Pollos Tarragona besitzt derzeit 63 Lokale, will aber noch in diesem Monat vier weitere in Puerto Montt, Talcahuano und Quilicura eröffnen. Bis 2016 sollen es dann schon 100 Filialen sein. Für dieses Jahr ist ein Umsatz von 59 Millionen US-Dollar angepeilt. Das jährliche Wachstum beziffert Pollos Tarragona auf 25 Prozent, Branchenriese McDonald´s kommt gar auf 26 Prozent.

Auch andere Anbieter erfreuen sich an Steigerungsraten, die neidisch machen können. Das chilenische Fastfoodlokal Lomitón, das 1982 zum ersten Mal seine Pforten öffnete, zählt heute 50 Restaurants. Domino´s Pizza gelang es im Vorjahr, seinen Bestand zu verdoppeln. Heute gehören der Kette 17 Lokale an. Für das laufende Jahr 2013 hat sie es sich zur Mission gemacht, zehn neue Schnellrestaurants zu eröffnen.

Die Nachfrage macht´s möglich. Laut einer Erhebung der Universidad de La Frontera greifen 43 Prozent der Santiaguiner in der Mittagspause regelmäßig zu Fastfood greifen. Kurze Mittagspausen, ein hohes Arbeitspensum und wenig Geld lassen ihnen scheinbar keine andere Wahl, als Schnellkost zu vertilgen. Doch auch außerhalb des Arbeitsalltages, so die Umfrage «Chile Saludable» 2012, konsumieren 40 Prozent der Bevölkerung Hamburger, Pommes frites und Coca Cola.

 

Von Lena Pirzer

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