Hedi Krasa – vor 30 Jahren gestorben

Porträts aus österreichischer Feder

Hedi Krasa war ein «Wunderkind mit vielen Talenten». So beschreibt ihre Freundin Almuth Müller die Österreicherin im Buch von Dr. Wolfgang Ilg.

Hedi Krasa vor ihrer Leinwand: Die Bühnenbildnerin, Kostümausstatterin und Malerin war vor allem als Porträtistin sehr erfolgreich.
Hedi Krasa vor ihrer Leinwand: Die Bühnenbildnerin, Kostümausstatterin und Malerin war vor allem als Porträtistin sehr erfolgreich.

Von André Wielebski

«Was sie in die Hand nahm, wurde etwas», war auch Sylvia Wilckens Erfahrung. Die Opernkritikerin lernte die Künstlerin persönlich kennen, da ihre beiden Ehemänner als Geschäftspartner und Inhaber eine Werbeagentur in Santiago in den 1960er Jahren leiteten.

Hedi Krasa wurde im Jahr 1923 in Wien geboren. Ihre Mutter war Jüdin, daher wanderte die Familie nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1938 in Österreich nach Chile aus.

Kostümbildnerin und Porträtistin

Ihre ersten künstlerischen Sporen in Chile verdiente sie sich unter der Leitung Ernst Uthoffs. Der Essener Balletttänzer und Choreograph gründete das Ballett des Teatro Municipalidad de Santiago. Krasa entwarf zum Beispiel für das Ballett «Petrouschka»  von Igor Strawinsky  die Kostüme und das Bühnenbild. Zudem arbeitete sie für Reinhold Olszewski und die Deutschen Kammerspiele. Zwischen 1947 und 1950 veranstaltete die Künstlerin mehrere Ausstellungen, unter anderem in der Österreichischen Botschaft in Santiago. Sie  erweiterte zudem ihr künstlerisches Portfolio und  illustrierte Kinderbücher, entwarf Schmuck und Möbel.

«Sie war eine Self-Made-Woman», bezeichnet Sylvia Wilckens die umtriebige Frau und bewundert vor allem ihre Fähigkeit, «Menschen unglaublich treffend und wahrheitsgetreu zeichnen zu können.» Daher sei sie in den 60er Jahren in der Oberschicht der  chilenischen Gesellschaft eine erfolgreiche und gefragte Porträtzeichnerin gewesen.

Eine Zeichnung war auch ihr prominentestes Werk: das Porträt des Präsidentschaftskandidaten Jorge Alessandri der Konservativen Partei für ein Wahlplakat 1970. Allessandri unterlag bei den Wahlen seinem Gegner auf der linken Seite, Salvador Allende.  Als unter seiner Regierung private Werbeagenturen verboten wurden, entschlossen sich Krasa und ihr Mann Günter Rausch das Land zu verlassen und nach Europa zurückzukehren. Nach Aufenthalten in Spanien, Italien und Deutschland, ließ sich das Ehepaar in Lochau im österreichischen Bundesland Vorarlberg nieder. Krasa arbeitete dort vorwiegend als Porträtistin.

«Eleganz und zeichnerisches Können»       

Auch Wolfgang Ilg ließ seine Kinder von Krasa porträtieren. «Wir bewunderten die Ernsthaftigkeit und Geduld, mit der sie an ihrer Aufgabe arbeitete», schrieb Ilg in seinem Buch über Hedi Krasa. Das Herzstück des Buchs sind die Porträts, die Krasa von den ansässigen Familien gemalt hat. Auch Bilder von Kostümentwürfen und Kunsthandwerk der österreichischen Künstlerin sind dort zu finden. «Eleganz, eine eigene verschlüsselte Lyrik und ein absolutes zeichnerisches Können sind in Hedis Arbeiten immer spürbar», so beschrieb Nena Ossa, Direktion des Museo Nacional de Bellas Artes in Santiago, die Kunst der Österreicherin. «Die Zeichungen Krasas demonstrieren sehr klar die Qualität, ihr besonderes Talent bei der Darstellung von Kleidern und ihre szenografische Auffassung von Illustrationsaufgaben», schrieb Moises Hasson in einem Blog über die Cover der Kinderbuchserie von Rapa Nui, die Krasa illustriert hatte. 

Die Österreicherin und ihr Mann kehrten 1985 zurück nach Chile. Drei Jahre später fand in der Galería Praxis in Santiago die Ausstellung «Hedi Krasa – Retratos y Dibujos» (Porträts und Zeichnungen)  statt. Am 24. Oktober 1989 starb Hedi Krasa nach einer schweren Krebserkrankung. Edith del Campo Oviedo von der Universidad de Chile schrieb in einem Nachruf: «Hedi war eine Botschafterin für Schönheit.».

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