Ein Pullover mit Botschaft

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Klaus Bednarz moderierte die Fernsehsendung Monitor von 1983 bis 2001.

Mit Klaus Bednarz ist ein Typ von TV-Journalist gestorben, wie es ihn heute leider nicht mehr gibt.

Von Arne Dettmann

Chilenischen Cóndor-Lesern wird der Name Klaus Bednarz wahrscheinlich gar nichts sagen. Doch Deutsche dürften sich an ihn erinnern: Der Moderator leitete seit Anfang der 80er Jahre das Fernsehmagazin «Monitor», das damals mit seinen Enthüllungen für kräftigen Aufruhr sorgte. Einer Reportage über Würmer im Speisefisch folgten bundesweite Einbußen im Fischverkauf, Pleiten, Entlassungen und Gesetzesänderungen. Kaum vorstellbar, dass heute eine solche TV-Sendung noch so eine Relevanz haben könnte.
Doch «Monitor» war ein Machtfaktor, an den keiner heranreichte. Pro Sendung guckten rund neun Millionen Zuschauer jeden Dienstagabend gebannt auf Klaus Bednarz, der im Pullover gekleidet und mit spröder Art neue Skandale aus der Bundesrepublik aufdeckte. Manche sahen mit Schadenfreude die Mächtigen an den Pranger gestellt, Unternehmer und Politiker fürchteten den investigativen Journalisten oder regten sich gehörig über ihn auf. Franz Josef Strauß bezeichnete die Sendung einmal als «Rote Reichsfernsehkammer».
Tatsächlich war «Monitor» tendenziell linksgerichtet und daher das rote Tuch für alle Schwarz-Konservativen. Doch Bednarz wehrte sich bis zuletzt gegen diese Schubladenzuordnung. «Es ist doch so: Als zeitkritischer Journalist legt man sich vor allem mit denen an, die die Macht im Land haben. Und wir hatten zu der Zeit nun mal gerade 16 Jahre Kohl.»
Auch von der SPD und den Grünen musste sich Klaus Bednarz Anfeindungen gefallen lassen. Für einen guten Journalisten können solche Schmähungen letztendlich aber nur berufliches Lob bedeuten. Der «Monitor»-Moderator kuschelte mit keiner Partei, sondern klagte ohne Rücksicht Missstände an, wo es objektiv angebracht war. Umweltverschmutzung, Schmiergelder, Diskriminierung, Rüstungsgeschäfte, Manipulation, Betrug und Ausbeutung: Wer Klaus Bednarz regelmäßig zuhörte, konnte an Deutschland den Glauben verlieren.
Dabei war seine Betroffenheit echt und nicht gespielt. Der Westdeutsche Rundfunk würdigte den Brandenburger nun zu seinem Tod als «unbeugsamem Fürsprecher für Mensch und Umwelt». Seine lässige Pullover-Monotonie war schon an sich eine Botschaft, die sagen wollte: Hier kommt es nicht auf oberflächliche Showeffekte und Schönschreiberei an, sondern inhaltliches Aufdecken und Aufklären bilden die Mission.
Diese Zeiten sind längst vorbei. Als Bednarz bis Ende 2001 «Monitor» moderierte, wirkte er mit seiner dickrandigen Brille und dem unmodischen Pullover überholt. Die Kritik der 68er-Generation an den Anzugsträgern und Gründungsvätern der Bundesrepublik bildeten bereits ein Teil der Geschichte. Heute hätten TV-Sender einen solchen Anachronisten dank einer Zuschauerumfrage längst aus dem Programm katapultiert. Denn mit der Wahrheit lassen sich keine Quoten mehr machen.
Klaus Bednarz starb am 14. April 2015 im Alter von 72 Jahren.

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