Dispokredit kann zur Schuldenfalle werden

Der Dispo verführt zum Geldausgeben: Ohne Bonitätsprüfung einfach das Konto überziehen. Millionen Verbraucher nutzen den Kredit trotz hoher Zinsen. Es droht der Weg in die Schuldenfalle.

Stuttgart (dpa/tmn) – Mein Boot, mein Pferd, mein neuer Fernseher. Kein Geld dafür? Kein Problem mit einem Dispokredit, so scheint es. Der Dispo, das Überziehen des Girokontos, ist eine einfache und oft genutzte Möglichkeit, an Geld zu kommen. Die bequeme Liquidität lassen sich die Geldinstitute allerdings gut bezahlen: Der Dispo ist einer der teuersten Kredite, die Kunden in Anspruch nehmen können. Chronisch klamme Verbraucher kann das in die Schuldenfalle führen.

Der Dispokredit ist an das Girokonto geknüpft. Die Bank gewährt ihn meist, sobald auf einem neu eröffneten Konto drei bis sechs Monatsgehälter eingegangen sind. Entweder treffen Institut und Kunde dazu eine Vereinbarung oder die Bank teilt auf dem Kontoauszug mit, dass der Kredit genutzt werden kann. Der Kunde kann dann automatisch über den Kredit verfügen, wenn sein Konto ins Minus rutscht. Das Kreditlimit beträgt meist zwei bis drei Monatsgehälter, oftmals aber auch viel mehr.

Die Zinsen für Dispokredite sind in Deutschland sehr hoch: Verlangt werden Sätze im deutlich zweistelligen Prozentbereich, wie aus einer Übersicht der FMH-Finanzberatung in Frankfurt am Main hervorgeht. Für einen Dispo über 3.000 Euro will die günstigste Bank 5,25 Prozent. Andere Institute verlangen bis zu 14,75 Prozent Zinsen, wie jüngst eine Untersuchung der Stiftung Warentest für die Zeitschrift «Finanztest» ergab. Das Gros der Banken setzt an die zehn Prozent an.

Über das Jahr gesehen summieren sich die Zinsbeträge. «Man kann schnell den Überblick verlieren», warnt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Die Kündigung flattert ins Haus, der Kühlschrank geht kaputt, das Auto in Reparatur, Klassenfahrt muss bezahlt werden. Die Schuldenfalle droht erst recht, wenn das Konto ständig im Minus steht und jemand auf Dauer ohne den kostspieligen Dispo gar nicht mehr über die Runden kommt. Ein erster Schritt zurück ins Plus ist, Einkäufe bar zu bezahlen anstatt mit Karte. «Man hat die Ausgaben besser im Blick», meint Nauhauser. Im nächsten Schritt kommen sämtliche Ausgaben auf den Prüfstand.

Ein weiterer Schritt ist der Wechsel zu einer Bank mit günstigeren Zinskonditionen. Vorher sollte jedoch der bisherige Dispo abgelöst und das alte Konto ausgeglichen werden. Das kann Probleme bereiten: «Hebe ich den Dispo vom neuen Konto ab, um den alten abzulösen, kann ich in die Dispofalle geraten», sagt Nauhauser. Zudem hätten klamme Verbraucher kaum Chancen, bessere Bedingungen auszuhandeln.

Ratenkredite können bei längerfristig höherem Geldbedarf eine Alternative sein. Ratenkredite bringen aber nur etwas, wenn der Dispo auf null gesetzt wird: Umschulden in Raten und dann Dispo behalten, führt langfristig wieder in die Schulden. Denn wenn zusätzlich zu den Zinsen das Darlehen getilgt werden muss, könnte dazu wieder der Dispo genutzt werden.

Fazit: Probleme mit dem Dispo lassen sich mit eigener Ausgabendisziplin und mit etwas Weitsicht umgehen. Verbraucher können zum Beispiel mit ihrem Geldinstitut schon bei Eröffnung des Girokontos vereinbaren, dass es nicht überzogen werden darf. Alternativ kann der Kreditrahmen freiwillig beschränkt werden.

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