Fluglotsen – Dirigenten der Flugzeuge

Flugüberwachungszentrale in München: Nicht nur Starts und Landungen müssen Fluglotsen kontrollieren. Auch in großer Höhe wird den Piloten vorgeschrieben, welche Route sie fliegen dürfen.
Flugüberwachungszentrale München: Nicht nur Starts und Landungen müssen Fluglotsen kontrollieren. Auch in der Luft wird den Piloten ihre Route vorgeschrieben.

Jeden Tag finden weltweit mehr als 100.000 Flüge statt. Das sind etwa 37 Millionen Flüge pro Jahr. Ob Städtetrip, Sommerurlaub oder Geschäftsreise – mit dem Flugzeug unterwegs zu sein ist in den vergangenen Jahrzehnten zur Normalität geworden. Damit am Himmel alles sicher und geordnet abläuft, ist die Zusammenarbeit vieler verschiedener Berufsgruppen erforderlich. Ohne die Arbeit der Fluglotsen, die weltweit rund um die Uhr tätig sind, könnte kein Flugzeug starten oder landen.

Von Florian Feldmann

Die Berufsbezeichnung Fluglotse wird häufig mit den Mitarbeitern eines Flughafens in Verbindung gebracht, die den Piloten beim Parken des Flugzeugs am Gate mit Handzeichen Anweisungen geben. Tatsächlich überwacht ein Fluglotse Starts und Landungen vom Tower eines Flughafens. Und nicht nur dort: Denn bei jedem Flug ist es erforderlich dass nicht nur Start und Landung sicher verlaufen, sondern ebenfalls die Zeit in der Luft.

Um stets Sicherheit zu gewährleisten, wird jedes Flugzeug während des gesamten Fluges überwacht. Verantwortlich dafür sind Lotsen, die den Luftraum in Kontrollzentralen per Radar beobachten, sogenannte Centerlotsen. Auch wenn die Aufgaben der Lotsen vielfältig sind, ist die wichtigste eindeutig, nämlich Flugzeuge sicher durch den Luftraum zu führen.

Deutsche Flugüberwachung in Bremen: Fluglotsen sehen auf dem Radarschirm die Position der Flugzeuge.
Flugüberwachung Bremen: Fluglotsen sehen auf dem Radar die Position der Flugzeuge.

Ein Pilot kennt vor Abflug zwar seinen Flugplan, die ungefähre Route sowie die gewünschte Flughöhe. Sobald jedoch der Flug begonnen hat, meldet er sich über Funk bei den Lotsen der Flugsicherung, die entscheiden, auf welcher Strecke und in welcher Höhe ein Flug möglich ist. Während der Pilot genug damit beschäftigt ist, die Instrumente seines Flugzeugs zu überwachen, hat der Lotse den gesamten Luftverkehr im Blick. Abhängig von Verkehrsaufkommen und anderen Umständen wie etwa Wind- und Wetterverhältnissen erteilt er dem Piloten die Freigabe für eine bestimmte Strecke.

Ähnlich wie für Autos gibt es in der Luft auch «Straßen», über die ein Flugzeug von A nach B gelangt. Und genau wie im Straßenverkehr kann es in der Hauptverkehrszeit auch hier zu einem Stau kommen. Mit einem entscheidenden Unterschied: Flugzeuge können nicht einfach anhalten, sondern rasen mit knapp 1.000 Kilometern pro Stunde durch die Luft. Die Aufgabe eines Lotsen ist es, dafür zu sorgen, dass dabei der vorgeschriebene Abstand zu anderen Flugzeugen niemals unterschritten wird.

Die extremen Geschwindigkeiten erfordern eine sorgfältige Planung der Lotsen. Wenn sich zwei Flugzeuge pro Minute etwa 30 Kilometer aufeinander zu bewegen, ist es unmöglich, den Piloten in letzter Sekunde nach links oder rechts ausweichen zu lassen. Für die Staffelung stehen einem Centerlotsen drei Mittel zur Verfügung. Bei horizontaler Staffelung fliegen zwei Flugzeuge auf derselben Höhe, aber mit genügend Abstand aneinander vorbei. Vertikale Staffelung bedeutet, dass beide Flugzeuge auf derselben Strecke übereinander fliegen. Die dritte Möglichkeit ist, den Piloten eine bestimmte Geschwindigkeit zuzuweisen und somit zu verhindern, dass es zu einer gefährlichen Situation kommt.

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Jeder Fluglotse ist nicht für einen speziellen Flug, sondern für ein Gebiet zuständig. Der weltweite Luftraum ist in zahlreiche Sektoren unterteilt, die wie Puzzleteile aneinander angrenzen. Bevor ein Pilot in einen Sektor einfliegt, bekommt er per Funk die Frequenz des entsprechenden Lotsen, auf der er ihn kontaktiert. Kurz vor dem Verlassen teilt der Lotse ihm die Frequenz des nächsten Sektors mit. So durchfliegt ein Pilot während eines Fluges viele Sektoren und ist mit zahlreichen Lotsen in Funkkontakt.

Ein Lotse muss seinen Sektor in- und auswendig kennen. Innerhalb der Grenzen darf er mit den Flugzeugen alles anstellen, was er möchte – mit den Vorgabe, dass Sicherheit stets an erster Stelle steht und Verzögerungen zu vermeiden sind. Das bedeutet eine hohe Verantwortung, aber gleichzeitig auch die Freiheit, alle Entscheidungen selbst zu treffen. Die Arbeit wird dabei stets zu zweit im Team erledigt: Der Radarlotse erteilt den Piloten Anweisungen, während der Koordinator sich mit den Lotsen angrenzender Sektoren abspricht. Die Rollen werden regelmäßig gewechselt. Wichtig ist, dass beide jederzeit den Überblick über das aktuelle Geschehen haben und sich gegebenenfalls gegenseitig auf Probleme aufmerksam machen können.

Fluglotse werden kann leider nicht jeder, der sich für den Beruf interessiert. Da der Job sehr sicherheitsrelevant ist, werden nur Bewerber mit den gesuchten Fähigkeiten und Eigenschaften akzeptiert. Dazu gehören Stressresistenz, Multitasking, Teamarbeit und die Fähigkeit, schnell Entscheidungen zu treffen – auch unter Zeitdruck. Auch mit viel Fleiß und ausgiebiger Vorbereitung gelingt es im Normalfall nicht, im Auswahlverfahren zu bestehen, falls man diese speziellen Fähigkeiten nicht mitbringt.

Wie die begehrten Ausbildungsplätze vergeben werden, hängt davon ab, in welchem Land man sich bewirbt. In Deutschland ist die Deutsche Flugsicherung GmbH für Ausbildung und Beschäftigung der Fluglotsen zuständig. Wer das Glück hat, zu den circa fünf Prozent zu gehören die das Auswahlverfahren bestehen, darf in Langen bei Frankfurt seine Ausbildung zum Center- oder Towerlotsen beginnen.

In der Ausbildung steht zunächst Theorieunterricht in Bereichen wie Luftrecht, Meteorologie oder Navigation auf dem Programm, anschließend wird die Praxis des späteren Berufs im Simulator trainiert. Die letzte Phase der Ausbildung erfolgt anschließend im «On the Job-Training» am späteren Arbeitsplatz.

Fluglotse ist ein sehr spezieller und vielseitiger Beruf, ohne den die Luftfahrt nicht funktionieren könnte. Besonders viel mediale Aufmerksamkeit erhalten die Lotsen leider, wenn sie entweder streiken oder irgendwo auf der Welt ein Flugzeug abstürzt. Dabei wird häufig vergessen, welche Arbeit sie täglich leisten, damit es im globalen Luftverkehr keine Zwischenfälle gibt.

 

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