Das große Rauschen

Niagara, Iguazú, Victoria Falls: Wasserfälle sind beeindruckende Schauspiele der Natur, die jedes Jahr Millionen Besucher anlocken. Diese Exemplare sollte man einmal in seinem Reiseleben gesehen haben!

Berlin (dpa/tmn) – Wasserfälle gehören spätestens seit der Romantik zum Ideal einer traumschönen Landschaft, auf Gemälden ebenso wie im Film. Und auch Reisende zieht es zu den Kaskaden und turmhohen Wasserschleiern, die oft zu den berühmtesten Sehenswürdigkeiten eines Landes gehören. Ausnahmsweise sind hierbei allerdings nicht die Größten die Begehrtesten – zumindest nicht in Bezug auf die Höhe. Berühmt sind vor allem breite Fälle, über die sich ungeheure Wassermassen wälzen: etwa die Iguazú, Victoria oder Niagara Falls. Eine garantiert subjektive Auswahl besonders imposanter Fälle.

Wer nicht nass werden will, ist auf einem der Ausflugsboote, die sich nahe an die Niagara-Fälle wagen, sicherlich falsch. Die Gischt kann wie eine Dusche sein. Foto: Christian Röwekamp
Wer nicht nass werden will, ist auf einem der Ausflugsboote, die sich nahe an die Niagara-Fälle wagen, sicherlich falsch. Die Gischt kann wie eine Dusche sein. Foto: Christian Röwekamp

Niagara Falls, USA/Kanada
Die Niagara-Fälle auf der Grenzen zwischen den USA und Kanada sind womöglich die bekanntesten Wasserfälle der Welt. Dabei sind die Fälle mit 52 Metern freier Sturztiefe nicht einmal besonders hoch, aber wegen ihre breiten Abbruchkante überaus imposant und zudem leicht zu bereisen. Die Niagara-Fälle werden meist auf einer Rundreise durch Nordamerika besucht und können sowohl von amerikanischer als auch kanadischer Seite besichtigt werden. Ein Rundweg durch Tunnel führt hinter den Horseshoe Falls – dem einen Teil der Fälle – vorbei. Auch vom Boot aus sehen die Wassermassen spektakulär aus. Wer einmal im Leben einen großartigen Wasserfall sehen möchte: So leicht wie bei den Niagara Falls lässt sich das kaum anstellen.

Der Rundweg entlang der Iguazú-Fälle führt durch fast schon urzeitliches Land - von Wasserfall zu Wasserfall, durch dichtes, subtropisches Grün. Foto: Philipp Laage
Der Rundweg entlang der Iguazú-Fälle führt durch fast schon urzeitliches Land – von Wasserfall zu Wasserfall, durch dichtes, subtropisches Grün. Foto: Philipp Laage

Iguazú-Fälle, Argentinien/Brasilien
Die tropisch begrünten Kaskaden der rund 20 großen Iguazú-Wasserfälle mit ihren Nebenfällen sehen aus wie aus einem Land vor unserer Zeit. Man könnte sich leicht Flugsaurier vorstellen, die über die Fälle gleiten. Die Unesco-Welterbe-Sehenswürdigkeit lässt sich sowohl von argentinischer als auch brasilianischer Seite besichtigen, sie ist die größte Touristenattraktion der Grenzregion. Ein Fußweg führt bis zum kreisförmigen Teufelsschlund, dem Garganta del Diablo, wo man der Kraft der Wassermassen besonders nahe kommt. In der Gischt spannt sich meist ein Regenbogen auf. Reisende übernachten im brasilianischen Foz do Iguacu oder im argentinischen Puerto Iguazú. Die Infrastruktur rund um den Nationalpark ist gut ausgebaut.

Victoria Falls, Sambia/Simbabwe
Über die Victoria-Fälle stürzt der Sambesi auf einer Abbruchkante von 1.700 Metern in eine 108 Meter tiefe Schlucht. Gemessen an seiner Höhe und Breite entsteht dort in der Regenzeit der größte Wasservorhang der Erde. Ein Rundweg führt auf der anderen Schluchtseite der Fälle vorbei.

Sicherlich gehören die Victoria Falls zu den spektakulärsten Wasserfällen der Welt. Ihr Entdecker David Livingstone nannte sie den wundervollsten Anblick, der sich ihm je in Afrika geboten hat. Foto: Philipp Laage
Sicherlich gehören die Victoria Falls zu den spektakulärsten Wasserfällen der Welt. Ihr Entdecker David Livingstone nannte sie den wundervollsten Anblick, der sich ihm je in Afrika geboten hat. Foto: Philipp Laage

Doch Vorsicht: Dort kann die Gischt wie eine Dusche auf den Besucher niederregnen. Kameras in Sicherheit bringen! Die Victoria Falls werden in der Regel auf einer Rundreise durch das südliche Afrika besucht. In Livingstone in Sambia und dem Ort Victoria Falls in Simbabwe gibt es gute und teils hochpreisige Unterkünfte.

Angels Falls, Venezuela

Kerepakupai merú heißen die Angels Fall in der Sprache der Pemón; sie liegen relativ unzugänglich im Dschungel Venezuelas. Foto: Bildarchiv Botschaft von Venezuela in Deutschland/Roger Manrique
Kerepakupai merú heißen die Angels Fall in der Sprache der Pemón; sie liegen relativ unzugänglich im Dschungel Venezuelas. Foto: Bildarchiv Botschaft von Venezuela in Deutschland/Roger Manrique

Als James Angel 1933 über den Dschungel Venezuelas flog, sah er unter sich einen Fluss von einem Tafelberg in eine Schlucht stürzen, so tief, dass das Wasser in gigantischen Sprühregen zerstoben wurde. Der Wasserfall trägt heute den Namen des US-Piloten und gilt als der höchste der Erde. Der Wasserfall besteht aus mehreren Stufen, die höchste ist 807 Meter tief. Venezuelas verstorbener Präsident Hugo Chávez erklärte 2009, den Wasserfall Kerepakupai merú nennen zu wollen, wie er beim indigenen Volk der Pemón heißt. Um den Wasserfall im abgelegenen Südosten Venezuelas zu sehen, muss man zum Canaima Camp im gleichnamigen Nationalpark fliegen. Dort starten die Bootstouren zu den Fällen.

Tugela Falls, Südafrika
Wesentlich einfacher gelangen Reisende zu den Tugela Falls in den Drakensbergen. Zwei Wanderwege führen von einem Parkplatz zu den 948 Meter hohen Fällen, die aus fünf Kaskaden bestehen. Besonders beeindruckend ist die Wanderung auf die Mont-Aux-Sources und von dort weiter auf das Plateau zur Abbruchkante. Besucher bekommen einen sehr hohen, aber dünnen Wasserfall geboten. In Trockenzeiten verschwindet er manchmal ganz. In Regenzeiten ist der Wasserfall dagegen schon von der Haupstraße des Royal Natal Nationalparks aus zu sehen.

Die Tugela Falls in den Drakensbergen bieten einen sehr hohen, aber schmalen Wasserfall. Foto: Ezemvelo KZN Wildlife Design Studio
Die Tugela Falls in den Drakensbergen bieten einen sehr hohen, aber schmalen Wasserfall. Foto: Ezemvelo KZN Wildlife Design Studio

 

Vinnufallet, Norwegen
Der höchste Wasserfall Europas ist zugleich einer der beeindruckendsten weltweit. Das Schmelzwasser

In mehreren Kaskaden stürzt der Vinnufallet hinab. Insgesamt misst der Wasserfall eine Höhe von 865 Metern. Foto: Remi Haugen
In mehreren Kaskaden stürzt der Vinnufallet hinab. Insgesamt misst der Wasserfall eine Höhe von 865 Metern. Foto: Remi Haugen

des Vinnu-Gletschers rauscht durch eine Spalte hoch oben in der Felswand insgesamt 865 Meter in die Tiefe. Die höchste Stufe misst 730 Meter. Nach ihrem Aufprall verästeln sich die Wassermassen in einem bis zu 152 Meter breiten Schleier. Der Vinnufallet (auch Vinnufossen genannt) ist leicht zu erreichen, er liegt nahe des Dorfs Sunndalsøra. Autofahrer sehen ihn sogar von der Straße RV 70 durch Sunndal.

Yosemite Falls, USA
Sie sind zwar nicht so bekannt wie die Niagara-Fälle, aber um einiges höher. Mit einer Höhe von 739 Metern gehören sie zu den höchsten Wasserfällen Nordamerikas. Der Vorteil: Sie sind für USA-Reisende relativ einfach zu erreichen, und der Yosemite National Park ist ohnehin eines der beliebtesten Ausflugsziele in Amerikas Westen. Entsprechend gut sind Anreise und Infrastruktur. Im Hochsommer führt der Fluss allerdings oft kaum Wasser, das Spektakel fällt dann entsprechend dürftiger aus. Der National Park Service nennt den Mai als wasserreichste Zeit. Eine Wanderung, für den Reisende einen Tag einplanen sollten, führt zur oberen Kante der Fälle.

Die Yosemite Falls gehören zu den bekanntesten Wasserfällen der Welt. Sie liegen inmitten imposanter Natur. Foto: Andrea Warnecke
Die Yosemite Falls gehören zu den bekanntesten Wasserfällen der Welt. Sie liegen inmitten imposanter Natur. Foto: Andrea Warnecke

 

 

 

Saltos de Petrohué, Chile
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Auch Chile weist mindestens einen besonderen Wasserfall auf. Die Saltos de Petrohué befinden sich im Nationalpark Vicente Pérez Rosales in der Nähe vom See Todos Los Santos. Hier rauscht das Wasser zwei Meter tief über einen Untergrund aus Basaltlava vom Vulkan Osorno nach unten. Beeindruckend für den Besucher ist vor allem die Wassermasse, die herunterströmt: Im Schnitt sind es 370 Kubikmeter pro Sekunde – während der Regenzeit dürfte es einiges mehr sein. Das Wasser des Petrohué-Flusses ist kristallklar mit einem grün-blauen Farbton.

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