Chiloé, eine magische Insel im Süden Chiles

Unberührte Natur, Kirchen als Weltkulturerbe und jede Menge Fisch

Palafitos auf Chiloé
Die auf Pfählen stehenden Häuser, Palafitos genannt, gehören zum kulturellen Wahrzeichen der südchilenischen Insel Chiloé.

Im Sommerurlaub konnten wir einige Tage in der südlich gelegenen Insel Chiloé verbringen. Diesen Teil Chiles kannten wir nicht und so wurde diese Fahrt mit viel Neugier und Erwartungen angegangen.

Von Michael Köbrich

Trotz der großen Entfernung (1.200 km), reisten wir im eigenen Wagen, da wir vieles aus der Nähe sehen und erkundschaften wollten. Es war wirklich eine besondere Erfahrung, da diese Insel, eine der größten Chiles, sehr vielseitig und überraschend sein kann.

Die unbefangene Naturkulisse überwältigt von Anfang an mit einem unglaublichen Grün, das sich nach Regen sehnt, um die vielen Wälder und Seen zu sättigen. Es entsteht ein ungewöhnliches Zeitgefühl und die Blicke gleiten leicht und spontan in die Ferne und stoßen immer wieder auf ein Meer, das mit Ebbe und Flut einen besonderen Rhythmus der Natur einnimmt, ohne jeglichen menschlichen Einfluss. Einfach magisch!

Schon die Überfahrt mit der Fähre ist einzigartig, da so ein Transport landesweit eher selten ist, hier aber üblicher bei den vielen kleinen und bewohnten Inseln. Diese Barkassen fahren ununterbrochen, in circa 30 Minuten wird man vom Festland-Pargua nach Chacao verschifft. Die Autobahn Ruta 5 verwandelt sich auf der Insel in eine gute Landstraße. Mit dieser erreicht man problemlos Castro, wichtigste Stadt dieses Inselgebietes und eine der ältesten Chiles.

Kathedrale Castro Chiloé
Die Kathedrale von Castro: Viele Kirchen auf Chiloé sind Weltkulturerbe.

Der erste Halt ist aber Ancud, eine kleine Hafenstadt mit alter spanischer Festung, die auf der Durchfahrt nach Puñihuil liegt, ein westlich abgelegener Strand. Dieser ist bekannt für seinie Scharen von Pinguinen, die sich alljährlich zwischen Dezember und Februar hier auf kleinen Felseninseln niederlassen, um ihre Jungen auf die Welt zu bringen. Das ist eine erstaunliche Sehenswürdigkeit besonders für die Kleineren, die so ein Naturwunder selten mitkriegen können.

Und für Feinschmecker auf Reisen, ein kulinarischer Tip des zahlreichen Muschelangebotes: Austernessen an der Caleta Caulín: vorzüglich! Diese liegt etwas abgelegen zwischen Ancud und Chacao, aber leicht zu finden.

Die Inselhauptstadt Castro liegt am nördlichen Teil einer gleichnamigen schmalen und langen Bucht  und guckt auf Ten Ten, eine kleine Spitze der östlich gelegenen Halbinsel von Rilán. Bei Sonne und blauem Himmel ist es eine sehr lebendige und übersichtliche Stadt mit Touristen, die sich von den Einheimischen unterscheiden. Jugendliche mit Rucksack sind viel zu sehen und treffen sich gern auf der Plaza, um gegenseitige Reiseerfahrungen auszutauschen. Große und gepflegte Lindenbäume geben hier den grünen Rahmen.

Im Gegensatz dazu fällt die gelbe Kathedrale sehr auf, ganz aus Holz gebaut, vieles davon aus Lärche (alerce) Dieser Baum steht heute unter Naturschutz. Ein schöner Anblick wie auch die vielen anderen Kirchen dieser Insel. Ein Blick ins Innere ist auch interessant, um Geschichte und Gewohnheiten der Insulaner besser zu verstehen. Sonderbar sind auch die verschiedenen Pfahlbauten, einmalige bunte Häuser im Meer verwachsen und meistens Jahrzehnte alt. Besonders renoviert sind die am Stadtteil Gamboa, südliche Ausfahrt von Castro, wo sich ein Spaziergang lohnt. Viele haben sich in gemütliche Kaffees oder Kneipen verwandelt. Palafitos mit Stil.

Vor Ort gibt es zahlreiche Unterkunftsmöglichkeiten mit einer großen Auswahl von Ferienhäuser. Wir wohnten in Nercón, ein südlich gelegener Teil Castros, etwas Bergaufwärts und mit einem unbeschreiblichen Blick auf die Bucht und Halbinsel von Rilán. So ein Ausblick tut gut und erfrischt Seele und Geist. Interessant wurde es wenn Kreuzschiffe auftauchten. Fast wie ein Geisterschiff erscheinen sie im Morgengrauen und bewegen sich langsam bis zu ihrem Stillstand. Wenn alle wieder an Bord sind, fahren sie wieder zurück zum Golfo de Reloncaví. Verblüffend!

In Richtung Norden besuchten wir die Insel Achao, die per Fähre aus von Dalcahue erreicht werden kann. Gute Landstraßen führen uns über Hügel und Täler bis nach Quinchao, ein abseits gelegenes kleines Fischerdörfchen mit einer sehr großen Kirche aus der Jesuitenzeit, in der, wie uns erklärt wurde, bis zu tausend Besucher Platz finden, während aber im Dorf höchstens 300 Leute wohnen. Der Grund dafür sind die kirchlichen Feste und Feiern, an denen sich alle Nachbardörfer hier treffen.

Auf der Strecke liegt auch Curaco de Vélez, eine kleine und auffallend saubere Ortschaft mit schöner Strandpromenade und bekannt für Austernzucht und eine ungewöhnlich grüne Kirche. In Dalcahue findet man einen sehr großen Markt von Kunsthandwerkern und herrliche Küche mit leckeren Meeresdelikatessen. Oftmals sieht und hört man Ausländer, die das reichliche Fischangebot besonders schätzen. Die blaue Kirche ist auch nicht zu übersehen.

Genauso schön erfolgt die Fahrt nach Queilén in Richtung Südosten. Eine bezaubernde Natur mit einer kleinen Fischerortschaft und unendlich langem Strand und ganz am Schluss, ein Leuchtturm als Wegweiser für die vielen Boote und Schiffchen, die hier aufkreuzen. Friedliche Landschaften ganz für uns alleine. Chonchi ist einen Halt wert, da die kleine Promenade vorbildlich angelegt ist. Nach einem «Tischlein deck dich!» lohnt sich ein «Beine streck dich!». Alles bei gutem Wetter.

Bis nach Quellón, südlichste Stadt der Insel und wichtiger Verkehrspunkt zur Carretera Austral, sind wir nicht gekommen. Ein Höhepunkt dagegen war die Fahrt nach Cucao und den Nationalpark El Tepual, die beide an der wenig bewohnten Pazifikküste der Insel liegen. Eine gute Autostraße führt am wunderbaren Huillinco-See entlang.

Huillinco-See auf Chiloé
Der Huillinco-See und der Nationalpark Chiloé sind beliebte Anziehungspunkte für Touristen.

Dort besuchten wir zuerst den privaten Park Tepuhueico, der als Sehenswürdigkeit eine bemerkenswerte Holzbrücke – Muelle de las Almas – vorweisen kann (Wo die Seelen ihre Ruhe finden können, so die Sagen der Insel). Diese Brücke hängt über Felsen dicht am Meer und hat einen anstrengenden zwei Kilometer langen Zugang. Der Ausblick in diese fast unbetretene und raue Natur ist umwerfend. Wir konnten an einem Sonnabend einen großen Besucherandrang miterleben. Unglaublich!

Genauso schön und reizvoll war die Besichtigung des Nationalparks El Tepual, ein ausgedehnter Naturschutzwald mit Holz bedeckten Wanderwege, um den feuchten Boden zu schützen. Hier findet man den Tepú-Strauch dicht vorhanden, den Coicopihue (dem Copihue sehr ähnlich), unglaublich große Nalca-Blätter und enorme einheimische Bäume wie Coihues, Canelos, Arrayanes, Mañíos sowie Lumas, unter vielen anderen. Hier räume ich meine mangelnden Kenntnisse über chilenische Flora und Fauna ein. Selten oder nie wurde uns sowas in der Schulzeit vermittelt. Deshalb sind solche Besuche so wert- und sinnvoll, um alles kennen zu lernen. Wir können sowas für Groß und Klein nur empfehlen.

In Chiloé hört man auch gerne die vielen Legenden über sagenhafte Figuren wie zum Beispiel den Trauco, ein Wüstling, der die schönen Jungfrauen belästigt oder die schöne Pincoya, die chilenische Loreley. Sie hören sich wunderbar an und geben dieser Insel wie noch viele andere Dinge eine besondere Atmosphäre und magische Anziehung. Ein Besuch in Chiloé lohnt sich zweifellos.

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