Chiles Wasser-Krise und der Klimawandel

Versorgungsnotstand in Santiago

Schlammlawinen Wasser-Krise Chile
Rettungskräfte aus der Gemeinde Quilicura in Santiago suchen nach Verschütteten in Schlammlawinen.

Chile wird dieses Jahr von Naturkatastrophen heimgesucht – erst die schlimmsten Waldbrände der Geschichte, nun Unwetter mit dramatischen Folgen: Zeitweise sind über 1,4 Millionen Menschen ohne Trinkwasser. Nun soll mit einem unterirdischen Speicher gegengesteuert werden.

Santiago de Chile (dpa/ade) – Für Michelle Bachelet ist es so langsam zu viel des Guten. Erst haben Chile die schlimmsten Waldbrände seiner Geschichte heimgesucht, eine Fläche fast sechsmal so groß wie Berlin zerstört und elf Menschen getötet. Nun sind seit dem Wochenende zeitweilig mehr als 1,4 Millionen Menschen im Großraum der Hauptstadt Santiago de Chile ohne Wasser gewesen. «Die Natur scheint unserem Land keine Ruhe zu geben», sagt Chiles Präsidentin frustriert.

Was war passiert? In den Anden hatte es am Wochenende sintflutartige Regenfälle gegeben, der Rio Maipo trat über die Ufer und wurde zum reißenden Schlammstrom. Mindestens drei Menschen starben, mehrere werden noch vermisst. Der Wasserversorger Aguas Andina musste seine Trinkwasserproduktion im nunmehr sehr schmutzigen Rio Maipo wegen der reißenden Fluten, die Geröll mit sich führten, für fast zwei Tage einstellen. Ein Wassernetz von 15.000 Kilometern Länge blieb trocken.

In vielen Supermärkten kam es zu Hamsterkäufen, die Regale mit Wasser waren in zahlreichen Geschäften plötzlich leer, an aufgestellten mobilen Wassertanks zum Abfüllen von Wasser in Flaschen bildeten sich Schlangen. Am Dienstag konnte immerhin die Versorgung vielerorts wieder aufgenommen werden. Schwere Erdbeben ist man ja fast schon gewohnt, die Gefahr von Tsunamis präsent.

Aber die Trinkwasserkrise zeigt eine ganz neue Verwundbarkeit, denn sie ist für viele Chilenen ein Bote des Klimawandels. Dazu ist es wichtig, sich die geografische Lage des schmalen Landes vor Augen zu führen. An den steil abfallenden Anden gelegen, können Veränderungen bei Regenmengen in den Bergen sich zu einem Versorgungsrisiko auswachsen, weil die Flüsse durch das Gefälle viel Schlamm und Geröll mitführen können. Der Rio Maipo ist die wichtigste Versorgungsquelle. Durch die spürbare Erwärmung fällt in Höhen öfter Regen, wo er früher als Schnee fiel. Für Claudio Orrego, Beauftragter der Regierung für die Region Santiago de Chile, ist es längst mehr als ein Warnsignal.

«Das Anormale fängt an, normal zu werden.» Starker Regen in 4.500 Metern Höhe, das komme in den vergangenen Jahren immer häufiger vor, sagte er dem Portal «Emol.com». Santiago müsse sich nicht nur stärker auf die Gefahr schwerer Erdbeben vorbereiten, sondern auch darauf, dass verstärkte Regenfälle in solchen Höhen die Wasserversorgung von Millionen Menschen in Santiago de Chile erheblich gefährden kann.

Als eine Lösung soll nun bis 2019 das Vorratssystem mit neuen riesigen unterirdischen Wassertanks ausgebaut werden, um statt bisher neun Stunden 32 Stunden lang eine Versorgung hierüber zu garantieren. Das kostet wahrscheinlich 85 Millionen US-Dollar. Dafür werden dann nach Angaben des Portals «emol.com» die Wasserpreise in den nächsten beiden Jahren um 2,18 Prozent steigen.

Für den Regierungsbeauftragten Claudio Orrego ist auch der Versorger an der Misere mitschuldig. «Es gab Wettervorhersagen, die diese anormale Situation in den Bergen prognostiziert haben.» Man darf bei solchen Schuldzuweisungen der Regierung aber nicht vergessen: In Chile wird im November ein Nachfolger für Präsidentin Michelle Bachelet gewählt, deren Beliebtheitswerte im Keller sind. Das linke Lager muss daher den Machtverlust fürchten.

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One Comment

  1. Den Klimawandel gibt es schon mehrere Millionen Jahre, selbst als es noch keinen gab, der das Wort Klima definierte. Klima ist definitionsgemäß eine regionale Wetterstatistik der letzten 30 Jahre. Mit jedem neuen Wettertag, der dazu kommt, verschwindet also einer 30 Jahre davor, deshalb wandelt sich as Klima jeden Tag. Andererseits wird die Abholzung des Amazonaswaldes zugunsten riesiger Zuckerrohrplantagen für die Bioethanolkraftstoffe der EU einen negativen Einfluss auf die Luftströmungen über den Anden haben. Gut gewollt ist eben nicht immer gut gemacht.

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