Chilenischer Naturwaldbesitzerverband Aprobosque: Nachhaltige Forstwirtschaft fördern

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Der Chilenische Waldbesitzerverband Aprobosque (Asociación Chilena de Propietarios de Bosque Nativo) wurde vor sechs Jahren in Valdivia gegründet, um die nachhaltige Forstwirtschaft der Naturwälder im Süden Chiles zu fördern.

Von Jan Köster

Mit über 30 Mitgliedern, bringt der Verband um die 50.000 Hektar Land zusammen, dessen Wälder gepflegt und nachhaltig genutzt werden. Die Ergebnisse sind schon nach ein paar Jahren zu sehen, da chilenische Naturwälder verhältnismäßig gute Wachstumsraten und Holzqualität vorweisen. Das Besondere an nachhaltig genutzten Wäldern ist, dass die ökologischen und sozialen Eigenschaften erhalten und sogar verbessert werden.

Doch trotz des enormen Potenzials der rund vier Millionen Hektar produktiver Naturwälder von den im Ganzen 13 Millionen Hektar Chiles ist es bisher dem Staat noch nicht gelungen die Waldbesitzer zu begeistern, sich aktiv um ihre Wälder zu kümmern. Der größte Teil des chilenischen Naturwaldes bleibt vernachlässigt.

Mangel an technischen Kenntnissen und Furcht vor dem Forstamt sind die überwiegenden Gründe dazu. Obwohl der Wald sehr positiv auf waldbauliche Eingriffe reagiert, müssen die Aktivitäten gut eingeplant sein und die Zeiträume eingehalten werden. Man kann in einem Wald auch ziemlich schnell Schaden einrichten, von denen er sich nur sehr langsam erholt. Leider macht es das Forstamt auch nicht einfach, da die Forderungen der Behörde sehr bürokratisch sind, das Gesetz über Naturwälder noch einigermaßen neu ist und noch nicht richtig funktioniert. Ein gutes Beispiel dafür ist, dass der Fond mit acht Millionen US-Dollar, der laut Gesetz jährlich für Waldbesitzer zur Verfügung steht, nur zu etwa fünf Prozent ausgezahlt wird.

Um diese und andere Hindernisse zu überwinden, arbeitet Aprobosque eng mit Conaf und dem Infor (Instituto Forestal) zusammen, um praxisorientierte Ausbildungsprogramme zu entwickeln und die Managementpläne und Vorschriften zu vereinfachen. Es ist in bestem Interesse für das ganze Land, dass die Wälder gut gepflegt werden und mit Vitalität wachsen. Das gilt besonders hinsichtlich des Klimawandels und der wachsenden Nachfrage an Holz und dessen Nebenprodukte im Rahmen einer zunehmenden Weltbevölkerung. Auch das wachsende Bewusstsein bezüglich der Nutzung von erneuerbaren Ressourcen drängt dazu, diese richtig zu verwalten.

Hierzu will Aprobosque einen konkreten Beitrag leisten. Bisher hat Conaf sogenannte Planes de Manejo (Nutzungsplan) bewilligt, die aber nur einen Teil des Waldes betreffen, also einen Bestand oder eine kleine Gruppe davon. Im Ergebnis kann Nachhaltigkeit somit nicht garantiert werden. Denn es besteht die Gefahr, dass ein Waldbesitzer einen Nutzungsplan nach dem anderen vorlegt und umsetzt, bis vom Baumbestand nur noch wenig übrig ist.

Aprobosque schlägt daher vor, einen Plan de Manejo für den gesamten Fundo oder Forstbetrieb einzurichten. So wird der ganze Wald betrachtet, jährliche Eingriffe genau eingeplant und die Besserung der Wälder gefördert. In Deutschland zum Beispiel läuft ein solches Verfahren bereits seit drei Jahrhunderten – mit Erfolg. Heute tragen Deutschlands Wälder mehr Holz, als die Industrie vermarkten kann.

Im Süden Chiles steckt ein enormes Potenzial für die Wald- und Holzwirtschaft, was wiederum die chilenische Ökonomie und ganz besonders die lokale Wirtschaft stark fördern könnte. Aprobosque setzt sich dafür ein, dass mehr Waldbesitzer sich engagieren, ihre Wälder zu pflegen und zu bewirtschaften. Manche Wälder könnten schon nach kurzer Zeit in ein rentables Unternehmen umgewandelt werden und gleichzeitig ein Beitrag zur Erhaltung und Förderung ökologischer und sozialer Aspekte leisten.

Aprobosque stellt zusätzlich jedes Jahr ein interessantes und lehrreiches Programm zusammen, um verschiedene Themen der Waldwirtschaft anzusprechen und eine Diskussion in Gang zu setzen. Die Einladung sich zu beteiligen steht auch für alle offen, die sich für Chiles Wald interessieren ohne selbst Besitzer zu sein.

Mehr Information im Internet unter www.aprobosque.cl oder schreiben Sie eine E-Mail an contacto@aprobosque.cl.


Aprobosque ehrt Professor Dr. Müller-Using

Herbert Siebert, Ing Forestal, Gloria Vargas, Ing. Forestal, Dr Burkhard Müller- Using, Jan Köster, Ing Forestal, Vorsitzender Aprobosque
Herbert Siebert, Ing Forestal, Gloria Vargas, Ing. Forestal, Dr Burkhard Müller- Using, Jan Köster, Ing Forestal, Vorsitzender Aprobosque

Der Chilenische Waldbesitzerverband (Aprobosque) organisierte Anfang dieses Jahres einen Workshop in Yungay, zu dem neben den Verbandsmitgliedern auch Vertreter des Nationalen Forstinstituts (Infor) und der Forstbehörde (Conaf) sowie interessierte Waldbesitzer eingeladen waren. Auf der Veranstaltung wurde Dr. Burkhard Müller-Using für seine Verdienste um den chilenischen Naturwald in Theorie und Praxis der Aprobosque-Preis verliehen und ihm ein wertvolles Ölgemälde als Anerkennung überreicht. In seiner Laudatio betonte Altpräsident Dipl. Forst. Ing. Herbert Siebert den nimmermüden Einsatz und steten Praxisbezug des Preisträgers und gab der Hoffnung Ausdruck, dass dies noch lange so bleiben möge.

 

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