Blauwal in Chile, da bläst er!

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Warum stößt der Wal eine Fontäne aus? Und wie erforschen Wissenschaftler eigentlich diese riesigen Tiere? Ein neues Kinderbuch begibt sich auf die Fährte der Blauwale in Chile.

Von Arne Dettmann

Rocío und ihr Bruder Pedro leben in Südchile auf der Insel Ascensión in dem kleinen Fischerdorf Melinka. Hier südlich von Chiloé gelegen ist bestimmt nicht viel los, könnte man meinen. Doch eines Tages treffen die beiden Kinder auf Wissenschaftler, die nach Walen Ausschau halten. Ihre Neugierde ist geweckt. Was machen sie nur mit diesen technischen Geräten? «Wir suchen nach dem schönsten und größten Tier der Welt, das hier in den Gewässern lebt», erklärt einer. Sie erforschen den Blauwal.

So beginnt die Geschichte des farbigen Kinderbuches «Tras los Gigantes del Fin del Mundo» («Auf der Fährte der Giganten am Ende der Welt»), das vor Kurzem erschienen ist. Und es sind keine Märchen, die auf den 42 Seiten aufgetischt werden: Die riesigen Säugetiere tummeln sich zu hunderten im Golf von Corcovado, während sie sich auf ihrem langen Weg hin zu den Gründen vor Ecuador befinden. Und auch die Meeresbiologen sind sozusagen echt. Denn als Vorbild für die Wissenschaftler im Buch dienten die Forscher vom Centro Ballena Azul, einer Nichtregierungsorganisation mit Verbindungen zur Universidad Austral in Valdivia.

«Nach einer abenteuerlichen Bootsfahrt zur Walbeobachtung kam der Gedanke auf, das Erlebte auch Kindern zugänglich zu machen», erläutert Isabel Guerrero, Autorin des Buches. Gemeinsam mit ihrem Team aus Biologen, Grafikern, Designern sowie Lehrern gewann sie 2015 eine Ausschreibung der Fördereinrichtung Conicyt (Comisión Nacional de Investigación Científica y Tecnológica), die das Buchprojekt finanziell unterstützte.

Heraus gekommen ist ein schönes Werk für Kinder zwischen 3 bis 8 Jahren, das zum einen erklärt, warum die Fontäne eines Wals nicht – wie häufig angenommen – Wasser ist. Zum anderen werden die kleinen Leser auch an wissenschaftliches Arbeiten herangeführt. «Die Kinder werden im Buch selbst zu Forschern, müssen dabei aber auch feststellen, dass dabei viel Geduld, eine gute Vorbereitung und Teamarbeit notwendig sind. Und auch Rückschläge müssen verkraftet werden. Nicht immer taucht ein Wal auf, wie man es gerne hätte.»

Bisher wurden 2.000 Exemplare gedruckt und einige davon in den Schulen der südlichen Regionen Los Río, Los Lagos und Aysén als Unterrichtsmaterial verwendet. Das Werk ist im Internet aber auch kostenlos herunterzuladen. Dazu gibt es didaktisches Material für den Einsatz im Unterricht sowie ein pädagogischer Leitfaden für Lehrer. Das alles auf der Webseite: www.traslosgigantes.cl. Der E-Mail-Kontakt: contacto@traslosgigantes.cl

Das größte Tier auf Erden

Berlin (dpa) – Weltweit leben über 80 Walarten. Die Säugetiere sind bis zu 33 Metern lang und können über 130 Tonnen schwer sein. Es gibt zwei Unterordnungen, die sich durch ihre Anhänge im Oberkiefer unterscheiden: die Bartenwale (Blauwal, Finnwal, Buckelwal) und die Zahnwale (Pottwal, Narwal, alle Delphine). Wale prusten besondere Gischtfontänen beim Ausatmen in die Luft. Zahnwale besitzen nur ein Blasloch, Bartenwale dagegen zwei.

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Die Wale sind während der Evolution vermutlich vom Land ins Wasser gekommen. Ihre Vordergliedmaßen haben sich zu Flossen umgestaltet, von den hinteren ist meist nur noch ein Beckenrest vorhanden. Unter der Haut der Wale lagert eine Fettschicht (Blubber).

Seit 1946 überwacht und reguliert die Internationale Walfang- Kommission (IWC) die Jagd auf die Tiere. Seit 1986 ist der kommerzielle Fang verboten. Ausnahmen gibt es für «wissenschaftlichen» Walfang und einige Völker, für die Wale ein wichtiger Bestandteil der Nahrung sind. Nach Angaben der Umweltstiftung World Wide Fund for Nature (WWF) wurden seit dem Moratorium mehr als 30.000 Tiere erlegt. Walfang betreiben noch Japan, Island und Norwegen.

Im Meer lauern noch weitere Bedrohungen für die Meeressäuger: Viele sterben, weil sie sich in Netzen, Haken und Leinen verfangen oder mit Schiffen zusammenstoßen. Andere verschlucken für sie tödlichen Müll, weil sie ihn mit Nahrung verwechseln. Auch die Folgen des Klimawandels bringen einige Walarten zunehmend in Bedrängnis.

Einige Arten wie der Blauwal sind vom Aussterben bedroht. Der Blauwal ist das größte Tier, das jemals auf der Erde gelebt hat.

 

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