«99 Luftballons» zum Mitkreischen

Berlin (dpa) – Zurzeit ist deutschsprachige Musik wieder in aller Munde. «Der Schlagertrend kennt keine Altersschranken und erreicht 2013 neue Höhen», verkündeten die Marktforscher von Media Control kürzlich. Vor 30 Jahren waren deutschsprachige Texte ebenfalls angesagt, doch meist mit anderem Sound.

Als Neue Deutsche Welle – kurz NDW – wird eine Phase der deutschen Rock- und Popmusik bezeichnet, die mit ihren teils frechen, teils naiven Texten Anfang der 80er Jahre ihren Höhepunkt erlebte. Sie war der Soundtrack zu einem neuen jugendlichen Lebensgefühl. Große Stars der kommerziell erfolgreichen Zeit waren Nena, Falco, Markus, Peter Schilling oder Bands wie Trio, Ideal, Extrabreit oder die Spider Murphy Gang. Den Begriff «Neue Deutsche Welle» – in Anlehnung an den Begriff «New Wave» – prägte 1979 der Musikjournalist Alfred Hilsberg.

Beeinflusst vom musikalisch eher schlichten Punk aus England und dem intellektuelleren US-amerikanischen New Wave bildeten sich bereits Ende der 70er Jahre viele junge Bands in der Bundesrepublik. Die Medien ignorierten diese Untergrund-Szene jedoch zunächst weitgehend.

Der erste größere Star der neuen, jungen Musik kam Ende der 70er Jahre ausgerechnet aus der DDR. Nina Hagen, die nach der Ausbürgerung ihres Ziehvaters Wolf Biermann (1976) in die Bundesrepublik ging, wurde dort zur Sensation. Bereits ab 1974 war die exzentrische Hagen («Du hast den Farbfilm vergessen») in der DDR ein Star gewesen.

Mit dem kommerziellen Erfolg vieler Bands kam es auch zu inhaltlichen Veränderungen. Der Druck von Plattenfirmen mit Blick auf Verkaufszahlen ließ Ecken und Kanten stumpf werden. Innerhalb kurzer Zeit entwickelte sich die NDW von einer alternativen, provozierenden Musik zum Mainstream und verlor an Bedeutung.

Bleibendes Verdienst der NDW: Die deutsche Sprache hielt Einzug in die Rockmusik und widerlegte das Vorurteil vieler Rock-Fans und -Produzenten, dass Rockmusik auf Deutsch nicht funktioniere.

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