«Viel Shakespeare, wenig Cervantes»

Miguel de Cervantes
Miguel de Cervantes

Vor 400 Jahren starben William Shakespeare und Miguel de Cervantes. Briten und Spanier wollen beide Autoren der Weltliteratur daher besonders ehren. In Spanien scheint man aber mit den Vorbereitungen auf das Cervantes-Jahr hinterherzuhinken.

Madrid (dpa) – Die spanische Regierung ist wegen angeblicher Mängel bei den Planungen für das derzeitige «Cervantes-Jahr» in die Kritik geraten. Namhafte Schriftsteller und Intellektuelle äußerten die Befürchtung, dass Spanien sich bei den Feierlichkeiten zum 400. Todestag des Schriftstellers Miguel de Cervantes, des Autors des «Don Quijote», international blamieren werde. Sie wiesen darauf hin, dass Großbritannien bei den Vorbereitungen zur Ehrung seines großen Literaten William Shakespeare erheblich weiter sei.

«Viel Shakespeare und wenig Cervantes», titelte die Zeitung «El País» Anfang des Jahres in ihrer Online-Ausgabe. Die Todestage beider Schriftsteller jähren sich in diesem Jahr zum 400. Mal. Cervantes war am 22. April 1616 gestorben, Shakespeare einen Tag später.

William Shakespeare
William Shakespeare

«Wir sollten Cervantes lieber den Engländern überlassen», schlug der Autor und Historiker Javier Cercas mit bitterer Ironie vor. «Die Engländer würden ihn besser behandeln.» Der Direktor der Königlichen Spanischen Akademie, Darío Villanueva, betonte: «Aufgrund einer mangelhaften Planung läuft Spanien Gefahr, mit seinen Cervantes-Ehrungen hinter dem herzuhinken, was die Briten für Shakespeare auf die Beine gestellt haben.» Spanien hatte im April 2015 eine Kommission eingerichtet, die dem Madrider Kulturministerium angegliedert ist. Diese hat bisher aber noch kein detailliertes Programm für das Cervantes-Jahr vorgelegt.

Der Schriftsteller Javier Marías («Mein Herz so weiß») beklagte, Spanien behandele seine kulturellen Größen wie Cervantes mit Undankbarkeit und lasse sie in Vergessenheit geraten. «In den vergangenen vier Jahren haben wir eine ablehnende Haltung gegenüber der Welt der Kultur erlebt, die vergleichbar ist mit der Feindschaft, die es während der Franco-Diktatur (1939-1975) gegeben hatte», schrieb der Autor in «El País».

Arturo Pérez Reverte («Der Club Dumas») ergänzte: «Alle spanischen Regierungen der jüngsten Vergangenheit haben die Kultur verachtet, aber die jetzige greift die Kultur sogar an.» Der Autor Andrés Trapiello schrieb in der Zeitung: «In Großbritannien ist Shakespeare in den Schulen, den Theatern und in der aktuellen Sprache präsent, Cervantes dagegen ist den heutigen Spaniern fremd.»

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